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Katastrophenalarm in Leipzig – Tausende Helfer im Hochwasser-Einsatz an den Deichen

Katastrophenalarm in Leipzig – Tausende Helfer im Hochwasser-Einsatz an den Deichen

Wegen der angespannten Hochwasserlage ist in Leipzig am Montag Katastrophenalarm ausgelöst worden - und Tausende kämpfen gegen die drohende Flut. Unzählige Freiwillige meldeten sich am Abend, um an den Flüssen, auf den Deichen und in den Kieswerken rund um die Messestadt zu helfen.

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Hochwassereinsatz: Hunderte helfen dabei, den Damm an der Brückenstraße in Leipzig zu verstärken.

Quelle: Frank Schmiedel

Leipzig. Der Scheitel des Pegels an der Weißen Elster wird in der Nacht zum Dienstag erwartet. Allein an der Brückenstraße in Markkleeberg verstärkten hunderte Helfer deshalb zusammen mit Feuerwehr, THW und Soldaten der Bundeswehr den Deich.

Die Welle der Hilfsbereitschaft kam auch in den Kieswerken Kleinpösna und Hirschfeld an. Hunderte Leipziger füllten dort bis in die Nachtstunden Sandsäcke ab, die zur Verstärkung der Dämme benötigt werden. Der Krisenstab schloss wegen der erwarteten Wassermassen eine Überflutung einzelner Leipziger Stadtteile am Montag nicht mehr aus. Zumindest bis Mitternacht hielten die Dämme stand, wie Stadtsprecher Matthias Hasberg gegenüber LVZ-Online sagte. "Aber die Deiche werden in der Nacht voll laufen bis zur Oberkante. Wir hoffen, dass sie halten."

Besonders hochwassergefährdet sind alle Areale, die sich einen Kilometer von den Ufern der Weißen Elster und der Luppe entfernt befinden - bis in die Innenstadtbereiche hinein. Die Stadt hat dieses Gebiet zu einer blauen Zone erklärt und eine entsprechende Karte davon erstellt. Sie ist seit Montagabend online (PDF, 5,6 MB) abrufbar.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte bei einer Pressekonferenz am Nachmittag, dass es sich lediglich um ein potentielles Überflutungsgebiet handele. Als Bespiel nannte er einen Korridor zwischen der Nonnenstraße in Schleußig und der Wundtstraße in der Südvorstadt. Anwohnern riet er aber, vorsorglich ihre Keller zu räumen und Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen. Sollte tatsächlich Wasser über die Ufer treten und Menschen im Schlaf überraschen, werde die Polizei mit Lautsprecherwagen vor der Gefahr warnen. Sirenen sind in Leipzig nur noch vereinzelt bei Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz.

Firmenlauf abgesagt – Ballack-Abschiedsspiel steht auf der Kippe

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Die Lage am Montagnachmittag: Hochwasser am Palmengartenwehr in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) ergänzte zudem, dass in der blauen Zone von Montag, 19 Uhr, bis zunächst Donnerstag, 24 Uhr, keine öffentlichen und privaten Veranstaltungen stattfinden dürfen. Betroffen davon ist auch der Firmenlauf am Dienstag mit rund 10.000 erwarteten Teilnehmern – er wurde am Abend abgesagt. Ob es einen Nachholtermin geben wird, ist noch unklar.

Auch das für Montagabend am Cottaweg geplante Fanfest von RB Leipzig und Aufführungen der Musikalischen Komödie wurden gestrichen. Das Abschiedsspiel von Michael Ballack am Mittwoch dürfe nach derzeitigem Stand aber angepfiffen werden, bestätigte Jung. Aber auch diese Partie werde am Dienstag noch einmal auf den Prüfstand gestellt.

21 Kitas und 6 Schulen geschlossen

Vorsorglich geschlossen werden am Dienstag auch sechs Schulen und 21 Kindertagesstätten. Sie befinden sich ebenfalls in dem gefährdeten Gebiet. Die Stadt veröffentlichte am Abend eine Liste mit den betroffenen Einrichtungen. Zudem wolle die Kommune, so Jung, mit Evakuierungen beginnen. Vor allem pflegebedürftige Menschen sollen in Sicherheit gebracht werden. Einzelne Altenheime wurden bereits am Abend für die Räumungen vorbereitet.

Nicht gefährdet ist Jung zufolge die Innenstadt. Die blaue Zone ende an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) und dem Bundesverwaltungsgericht im Zentrum-Südwest. Der Markt oder der City-Tunnel werde nach jetziger Einschätzung nicht geflutet.

Die Hochwasserlage in Leipzig hatte sich am Montag nochmals zugespitzt. Nach erneuten Regenfällen im Westerzgebirge und dem Vogtland erwartet der Katastrophenstab einen weiteren Anstieg der Flusspegel. Besonders kritisch ist der Wasserstand der Weißen Elster. Seit Montagmorgen werden Teile des Wassers bei Zitzschen in den Zwenkauer See umgeleitet. Allerdings lasse sich nur ein Durchlauf von höchstens 130 Kubikmeter pro Sekunde abzweigen, erklärte die Leiterin des Umweltamtes, Angelika Freifrau von Fritsch.

In der Nacht zum Dienstag werden am Messpunkt Kleindalzig 600 Kubikmeter pro Sekunde erwartet. „Ich bin froh, dass Zitzschen fertig geworden ist, sonst stände das Wasser schon über der Kante“, sagte Oberbürgermeister Jung.

Öffnung des Nahle-Wehrs flutet Leipziger Auwald

Um die weiteren Wassermassen zu bewältigen, wurde am Montagnachmittag das Nahle-Auslassbauwerk geöffnet. Die Tore werden nach Angaben von Fritsch nach und nach gezogen, damit der Boden der Burgaue nicht zu stark aufgewühlt werde. Betroffen von der Flutung sind Schlobachs Hof, die Domholzschänke, die Agrargenossenschaft Gundorf, der Rollhockey-Club Böhlitz-Ehrenberg und ein Reiterhof. Sie alle sind laut Ordnungsbürgermeister Rosenthal schon am Wochenende informiert worden und stehen nun unter Wasser. Wohnhäuser sind seinen Aussagen zufolge nicht betroffen.

Nach Angaben von Peter Heitmann, stellvertretender Brandschutzdirektor der Stadt und Koordinator des Krisenstabes, sind derzeit 250 Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und kommunalen Behörden rund um die Uhr im Einsatz. Sie werden von dutzenden Deichläufern im Dreischichtsystem unterstützt. Auch die Bundeswehr warm am Montagabend mit rund 120 Soldaten am Elsterhochflutbett im Einsatz.

12.000 Sandsäcke zur Stärkung der Dämme

Bis zum Montag haben Heitmann und seine Kollegen die Dämme zwischen der Brückenstraße und der Stadtgrenze erhöht. Rund 12.000 Sandsäcke haben sie dafür verbraucht. In Lagern befinden sich weitere 100.000 Sandsäcke zur Reserve. Auch bei den Freiwilligen Feuerwehren in Böhlitz-Ehrenberg und Plaußig lägen Sandsäcke bereit.

Ordnungsbürgermeister Rosenthal sieht vor allem die Dämme südlich des Palmengartenwehrs als kritisch an. Im Norden der Stadt seien die Schutzwälle nach dem Hochwasser 2011 saniert worden. Sie gelten derzeit als sicher. Rosenthal warnte erneut, Deiche zu betreten. Beim Sturz ins Wasser könne eine Rettung nicht garantiert werden. Die Polizei verhänge zudem Bußgelder.

Für weitere Anfragen hat das Rathaus ein Bürgertelefon unter der Rufnummer 0341/123-0 geschaltet.

Matthias Roth / Robert Nößler

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