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Hochwasser in Sachsen
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Nahle-Wehr geöffnet: Wassermassen strömen in Leipziger Auwald – Schlobachshof überflutet

Nahle-Wehr geöffnet: Wassermassen strömen in Leipziger Auwald – Schlobachshof überflutet

Die Hochwasser-Situation in Leipzig verschärft sich. Um die Wassermassen zu drosseln, sind die Schleusen des Nahle-Wehrs im Leipziger Norden am Montagnachmittag geöffnet worden.

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Das Nahle-Wehr in Leipzig ist am Montag wegen der akuten Hochwasserlage geöffnet worden.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Nach und nach ergossen sich ab 15.30 Uhr die Ströme in den Auwald und überfluteten damit unter anderem auch Schlobachs Hof, die Domholzschänke sowie die Gundorfer Agrargenossenschaft. Wohngebäude seien in der Gegend nicht gefährdet, teilte die Stadt mit.

An dem Wehr treffen die Nahle und die Neue Luppe zusammen. Ihre Wassermassen können sich nun in dem Waldgebiet zwischen Lützschena und Böhlitz-Ehrenberg verteilen. Der Auwald dient als natürlicher Rückhalteraum und trägt durch seine Struktur zu einem langsamen Abfluss des Wassers bei. Um den Untergrund in der Burgaue nicht auszuspülen, wurde zunächst ein Tor des Auslassbauwerks geöffnet. Bis zum Abend sollen die weiteren nach und nach folgen.

Nahle-Wehr geöffnet - Wasser strömt in Leipziger Auwald:

Da wo jetzt es jetzt plätschert, spazierten noch am Vormittag zahlreiche Schaulustige umher. Erst eine Durchsage der Polizei verscheuchte die Neugierigen von den Flussufern. „Bitte verlassen Sie sofort den Deich“, ließen die Beamten per Mikrophon verlauten. Immerhin gab es dort bis zur Flutung um 15.30 Uhr einiges zu sehen: Die Nahle – sonst eher gemächlich dahin fließend – hat sich in einen reißenden Strom verwandelt. Am Wehr selbst drückt das Wasser bereits durch. Neugierige müssen durch große Pfützen waten. „Eine Katastrophe“, murmelt ein Mann, der seinen Hund am Ufer ausführt. Er schlüpft noch schnell unter dem Absperrband durch, mit dem zwei Polizisten den Weg abriegeln.

Die Beamten haben Mühe, die Gefahr der Situation zur vermitteln. „Viele Leute sehen das zu locker“, hat Polizeimeisterin Anja Hoffmann festgestellt. „Sie sind uneinsichtig“, pflichtet ihr ihre Kollegin bei. Zehn Schaulustige haben die beiden Beamtinnen bis zum Mittag vom Deich gejagt – und 50 Euro Strafe angedroht. Schließlich gibt es schon einige undichte Stellen. „Da läuft das Wasser durch und dann ist die Gefahr groß, dass der Deich bricht“, warnt Hoffmann.

„Land unter“ gilt voraussichtlich gegen Abend auf dem Schlobachshof in Leipzig-Lützschehna, den Familie Stanuschewski betreibt. Dann nämlich erreichen die Fluten von Nahle und Luppe auch ihre Häuser im Nord-Westen der Stadt. Auf dem Hof herrscht noch am Mittag reges Treiben. Helfer packen im Büro Aktenordner in Umzugskisten, schleppen Tische in die oberen Etagen. Michael Stanuschewski steht in Gummistiefeln vor einem Laster und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Eine Katze schleicht um seine Beine und maunzt leise. Der 47-Jährige verlädt mit seinem 16-jährigen Sohn Marc in Windeseile alle 20 Pferde, die auf dem Hof leben. Sie werden bei Freunden in ganz Deutschland untergebracht. Der junge Hengst Sir Henry will nicht in den Wagen steigen. Immer wieder rutscht sein Huf von der Treppe. Schließlich wird er vorsichtig hineingelost.

Wie hoch das Wasser wohl stehen wird? Michael Stanuschewski hebt seine Hand auf Schulterhöhe. Im schlimmsten Fall sind bis zu zwei Meter denkbar. Schon beim letzten großen Hochwasser 2011 ist der Schlobachshof regelrecht abgesoffen. „Diesmal rechnen wir mit der doppelten Menge an Wasser“, sagt Stanuschewski. Eigentlich wollte die Stadt das Nahle-Wehr schon am Freitag oder Samstag öffnen. Der Hofbesitzer ist froh, dass er noch Zeit bis Montag hatte, seine Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. „Meine Mutter will ich ja nicht mit dem Schlauchboot hier wegfahren.“ Die Familie wird den Hof trotzdem erst in letzter Sekunde verlassen. Und ob sie zurückkehren, ist noch ungewiss.

Unweit vom Hof macht Imker Christopher Mann gerade Mittagspause. Entspannt löffelt der 28-Jährige seine Soljanka. Das Gros seiner Bienen sei nicht in Gefahr, meint der Plagwitzer. Nur zwei Zuchtvölker will er noch aus dem Flutgebiet holen, denn Feuchtigkeit vertragen die Bienen gar nicht. „Beim letzten Hochwasser standen die Kisten zur Hälfte im Wasser“, erinnert er sich.

Ziemlich nass könnte es schon bald auch am Rand von Bölitz-Ehrenberg werden. Dort suchte sich das Wasser bereits vor zwei Jahren einen Weg in die Wohnzimmer. Eine Anwohnerin deutet auf ihren gefliesten Fußboden. Dort und in der Garage habe das Wasser gestanden, sagt sie. Etwa einen Meter hoch. Auch der Nachbar Andreas Riehl erinnert sich noch gut „Über den Wäscheplatz lief es in die Keller rein.“ Der 49-Jährige beobachtet auch heute wieder das Steigen der Pegel, ist aber noch beruhigt. Vorsichtsmaßnahmen hat er bisher nicht ergriffen. Entspannt blickt auch Helmut Buchholz auf die Schleusenöffnung. Seine Wohnung wäre von der Flut zwar nicht betroffen, dafür aber sein Garten. Seiner ist der am tiefsten gelegene in der Kolonie. Bohnen, Knoblauch, Kartoffeln – all das wird wohl am Abend geflutet sein. „Von da unten kommt das Wasser zu uns hoch“, sagt der 74-Jährige und zeigt auf einen kleinen Nebenarm der Luppe. Er sorgt sich, wie lange das Wasser auf den Beeten stehen wird. „Wenn es länger als 14 Tage da ist, verfault alles.“ Doch der Rentner nimmt es gelassen. „Das sind Naturgewalten, da kann man nichts machen.“

Gina Apitz

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