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Hochwasser in Sachsen
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Schlafmangel und immer ein offenes Ohr - Peter Heitmann koordiniert Leipzigs Rettung

Schlafmangel und immer ein offenes Ohr - Peter Heitmann koordiniert Leipzigs Rettung

In seinen Händen liegt die Sicherheit Leipzigs. Peter Heitmann koordiniert seit Freitag den Hochwassereinsatz des Katastrophenstabs der Stadt. „Solche Naturgewalten habe ich hier noch nicht erlebt“, sagt er.

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Peter Heitmann koordiniert in Leipzig den Hochwassereinsatz des Katastrophenstabs.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Seit 1979 arbeitet der 54-Jährige bei der Berufsfeuerwehr, inzwischen ist er stellvertretender Brandschutzdirektor.

Zwei Mal am Tag macht er seine Runde durch die Stadt. Das Palmengartenwehr, das Elsterbecken und die Luppe in Leutzsch gehören zu seiner Route. „Ich will mir selbst ein Bild vor Ort machen“, sagt Heitmann. So auch am Montagabend.

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Leipzig. In seinen Händen liegt die Sicherheit Leipzigs. Peter Heitmann koordiniert seit Freitag den Hochwassereinsatz des Katastrophenstabs der Stadt. „Solche Naturgewalten habe ich hier noch nicht erlebt“, sagt er. Seit 1979 arbeitet der 54-Jährige bei der Berufsfeuerwehr, inzwischen ist er stellvertretender Brandschutzdirektor.

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Viele Leipziger haben sich auch auf den Weg gemacht. Einige wollen nur fotografieren, vor allem ältere Menschen beobachten das Szenario mit Besorgnis. „Ist das Nahle-Wehr im Auwald schon offen? Steigt das Wasser noch höher?“ Und immer wieder hört Heitmann auch Geschichten von 1954. Damals soff Leipzig beim Hochwasser förmlich ab. Fotografien mit Ruderbooten auf dem Waldplatz erinnern noch heute an die Katastrophe.

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Hochwasser in Leipzig 1954: Boote fuhren damals durch die Otto-Schill-Straße.

Quelle: Volkmar Schnieber

Seitdem wurde in der Stadt viel für den Hochwasserschutz getan. „Das Regulierungssystem mit dem Elsterflutbecken ist eine Folge von 1954“, berichtet Heitmann. Auch die Flut von 2002, die Leipzig im Vergleich zu Grimma und Dresden glimpflich überstand, bescherte der Stadt sanierte Schutzanlagen. Danach wurden die Deiche auf Vordermann gebracht“, weiß der Brandschutzdirektor. Und auch aus den Überschwemmungen vor zwei Jahren zogen die Verantwortlichen ihre Lehren. Bäume auf vielen Dämmen wurden entfernt. „Die sind zwar schön anzusehen, haben dort aber nichts zu suchen“, erklärt der Brandschützer.

Heitmann hört den Bürgern auf seiner Runde aufmerksam zu und beantwortet die Fragen geduldig. Versprechungen macht er nicht. „Der Pegel wird auf jeden Fall noch steigen“, sagt er. Ob die Deiche halten, weiß auch der erfahrene Feuerwehrmann nicht.

Im Süden der Stadt haben seine Kameraden die Wälle noch einmal befestigt. Vor allem zwischen Brückenstraße und der Ortsgrenze haben sie eine Lage Sandsäcke auf die Dammkrone gelegt. Zehn Kilometer ist diese Strecke lang. „Die Deiche sind auch dort intakt, das Problem liegt im Gefälle“, so Heitmann. Die Deichlinie ist in dem Abschnitt nicht ganz waagerecht. Die Sandsäcke sollen die Unterschiede ausgleichen.

 

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Die Lage am Montagnachmittag: Hochwasser am Palmengartenwehr in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Zwischendurch erhält Heitmann immer wieder Meldungen von Deichläufern. 120 Mann sind inzwischen im Dreischichtsystem unterwegs. Die Dämme weichen langsam auf, Wasser sickert durch. Über den Katastrophenstab koordiniert der 54-Jährige die Hilfe, schickt weitere Feuerwehrleute an die Krisenstellen und lässt die Löcher mit Sandsäcken stopfen. Seit Freitag hat der Flutkoordinator gerade 20 Stunden geschlafen, unruhig, wie er sagt. „Man ist in Gedanken immer dabei“, meint Heitmann.

Dennoch: Seinen schlimmsten Einsatz als Feuerwehrmann erlebt er in diesen Tagen nicht. Das war 1986. Peter Heitmann trug auch da Verantwortung – als Einsatzleiter. „Damals brannte es in der Wollkämmerei“, erinnert er sich. Der Notruf ging um 2.30 Uhr während der Nachtschicht ein. Vor Ort angekommen, erlebte er ein gespenstisches Szenario. Dicker schwarzer Qualm drang aus dem Werksgebäude. Wie sich später herausstellte waren die Gase durch verbrannte Kunstfasern  hochgiftig. Zwei Arbeiterinnen kamen ums Leben, 26 Feuerwehrmänner wurden durch Vergiftungen verletzt. Die Ursache für das Feuer: Brandstiftung. Der Täter, ein Hilfsarbeiter, musste später zwölf Jahre hinter Gitter.

Heitmann hat auf seiner Rundfahrt wenig Zeit für die alten Geschichten. Unter ihm am Palmengartenwehr toben die Fluten. Einige Stunden will er jetzt nach Hause, dann geht es zurück in die Stabsstelle in der Hauptfeuerwache.

Matthias Roth

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