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Hochwasser in Sachsen
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Hochwasserlage spitzt sich zu - Eilenburg und die ersten Dörfer werden evakuiert

Hochwasserlage spitzt sich zu - Eilenburg und die ersten Dörfer werden evakuiert

Nordsachsen. Die Hochwasserlage an der Mulde im Landkreis Nordsachsen hat sich am Sonntag weiter zugespitzt. Um 15 Uhr hat Landrat Michael Czupalla (CDU) Katastrophenarlarm ausgelöst.

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Mudehochwasser in Eilenburg.

Quelle: Alexander Bley

alla (CDU) Katastrophenarlarm ausgelöst. Dieser gilt für alle Kommunen, die an der Mulde liegen. Das sind die Städte Eilenburg und Bad Düben sowie die Gemeinden Jesewitz, Zschepplin, Doberschütz, Laußig und Löbnitz.

Teile von Eilenburg, Mörtitz, Gruna, Laußig (Aue) Schnaditz, Tiefensee und Wellaune sollen am Sonntagabend evakuiert werden.

Die Hochwassersituation hatte sich wegen des Dauerregens am Wochenende verschärft. Kameraden der Feuerwehren und andere Einsatzkräfte kontrollierten und sicherten Deichabschnitte. Die Muldepegel sind weiter angestiegen, die höchste Warnstufe wird vorausgesagt. Dann könnten größere bebaute Gebiete Schaden nehmen, Menschen und Tiere sind akut gefährdet. Außerdem besteht bei Warnstufe vier eine unmittelbare Gefahr von Deichbrüchen.

„Es ist davon auszugehen, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten", so Landkreis-Sprecher Bergner am Sonntagabend. „Es kann am 3. Juni gegen 1 Uhr mit dem ersten Überströmen von Deichen gerechnet werden. Dies bedeutet, dass dann die Strom- und Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann."

Der Landkreis hatte am Sonntag seinen Stab personell erhöht. Über 40 Mitarbeiter sind im Einsatz, wie Landrat Michael Czupalla (CDU) sagte. Das Kreisoberhaupt bereiste die Region, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er kam mehrfach mit den Bürgermeistern betroffener Kommunen zusammen. Zudem ist ein Bürgertelefon freigeschaltet worden. Unter 034202/9885555 gibt es Auskunft zur Hochwasserlage. Auch via Mail unter buergertelefon@lra-nordsachsen.de können Fragen gerichtet werden.

Czupalla hatte am Sonntag außerdem um Verstärkung bei Polizei und Bundeswehr gebeten – und positive Signale erhalten, wie er sagte. Auch die Kommunen haben ihr Personal und verfügbare Kräfte zusammengezogen. 

Eilenburg  

Nachdem am Sonntag bereits um 15 Uhr für die als  Überschwemmungsgebiet ausgewiesene Mühlinsel und den Eilenburger Ortsteil  Hainichen die Evakuierung angeordnet wurde, musste die Stadt Eilenburg um 19.45 Uhr diesen Bereich auf den kompletten Innenstadtbereich  zwischen Mühlgraben und Mulde sowie Teile von Eilenburg-Ost ausdehnen.  Als Schwachpunkt gilt der Deich in Hainichen. Keiner könne derzeit  sagen, was passiert, wenn dieser nicht hält und inwieweit die Mulde dann vom Norden her zurückstaut, verlautete dazu aus dem Rathaus. „Es ist leider nicht auszuschließen, dass Wasser über die Hochwasserschutzanlagen in die Stadt läuft", informierte Eilenburgs Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos). Bedrohlich ist die Lage für das DRK-Pflegeheim . Am späten Nachmittag warnte die Verwaltung über Internet: Stufe vier kann erreicht werden. Am Abend sind die Einwohner aufgefordert worden, die Stadt zu verlassen.

Gegen 21 Uhr ist am Sonntag im Eilenburger Tierpark alles für eine Evakuierung vorbereitet worden. Evakuiert selbst wurde aber noch nicht. „Wir warten ab“, so Tierparkchef Stefan Teuber. So unvorbereitet wie 2002  wird das Hochwasser den Tierpark aber diesmal nicht treffen. Alle  Kleintiere sind bereits in Kisten geborgen, sodass sie auch in der Nacht bei Bedarf sehr schnell evakuiert werden können. Für Schweine,  Ponys, Lamas und Ziegen konnten Notställe gefunden werden. „Rund 20  Leute, neben den Tierparkmitarbeitern auch viele Vereinsmitglieder,  stehen auf Abruf bereit, um die Tiere zu bergen“, so Stefan Teuber. Einige Tiere werden auf jeden Fall im Tierpark bleiben. „Das betrifft  beispielsweise den Luchs, der auch ansonsten gern auf seinem Dach  ausharrt, oder die Hutaffen, die hoch genug klettern können.“ Das  Damwild wird im Falle eines Falles wie 2002 frei gelassen. Noch wird im Tierpark gehofft, dass es dazu nicht kommen muss und der Hochwasserschutz ausreicht. Die Mühlinsel ist indes seit 21.20 Uhr ohne Strom.

An sämtlichen Eilenburger Schulen findet am Montag kein Unterricht statt - auch die Grundschule in Laußig bleibt geschlossen.  Außerdem haben die Eilenburger Kindereinrichtungen im Evakuierungsgebiet (Schwalbenest und Bärchen) voraussichtlich geschlossen.  Die Kindereinrichtungen Heinzelmännchen auf dem Berg, Bummi in Ost und Tausend-Fühler in Kospa nehmen im Ausnahmefall Kinder auf. 

Doberschütz  

Die Gemeinde Doberschütz hat um 18.30 Uhr Alarm ausgelöst. Betroffen ist die Ortslage Mörtitz. „Es wird 2002 werden", sagte Bürgermeister Roland Märtz (CDU). „Wie lange der Deich halten wird, weiß niemand, auch nicht, wie viel Wasser noch drauf kommt." Märtz kündigte an, Bewohner tiefer gelegener Grundstücke noch am Abend evakuieren zu wollen.

Laußig 

In der Gemeinde sind die Menschen in Gruna evakuiert worden. Sie fanden Unterkunft im Ländlichen Bürgerzentrum in Laußig. Bürger brachten spontan Lebensmittel vorbei. In Gruna sind unterdessen Sandsäcke verbaut worden - auch am Deich. Eine Stelle sei problematisch, wie Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos) sagte. Hält der Damm dort nicht stand, werde Gruna überflutet wie 2002.

Bad Düben

   In Bad Düben wurden tagsüber bereits Teile der Altstadt gesichert, darunter das Naturparkhaus und tiefer gelegene Straßen. Politessen haben Anwohner, die vom Wasser betroffen sein könnten, über die bedrohliche Lage informiert. Am ehemaligen Gymnasium fand eine große Sandsäcke-Aktion statt. Das Augenmerk lag zudem auf den Stadtteilen Schnaditz, Tiefensee und Wellaune, wie Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) sagte. Die Stadtteil-Bewohner sollen ab 21 Uhr evakuiert werden und bei Leuten oder in Turnhallen unterkommen. Sicherungsmaßnahmen fanden beim Maschinenbauer Profiroll statt. Zudem bittet die Bürgermeisterin, mit der Nutzung von Toiletten und Badewannen im gesamten Stadtgebiet sparsam umzugehen. Die Kommune rechnet mit einem Ausfall der Pumpen im Klärwerk.

Einen ausführlichen Bericht mit Situationsschilderungen in allen betroffenen Kommunen an der Mulde in Nordsachsen lesen Sie in der LVZ Delitzsch-Eilenburg am Montag.

Nico Fliegner / Kathrin Kabelitz / Ilka Fischer

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