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Hochwasser in Sachsen
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Noch keine Entspannung an der Elbe in Sachsen - Polizeipräsident: Lage weiter ernst

Noch keine Entspannung an der Elbe in Sachsen - Polizeipräsident: Lage weiter ernst

Der langgestreckte Hochwasserscheitel der Elbe hat Sachsen nahezu passiert und rollte am Freitag gen Sachsen-Anhalt. Am Nachmittag stagnierte der Wasserstand auf Höchstniveau auch in Torgau - bei 9,22 Meter.

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Die Anzeige am Pegelhaus zeigt einen Wasserstand von 7,09 Meter der Elbe in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).

Quelle: Jens Wolf

Dresden. Die Situation im Elbtal bleibt aber nach wie vor ernst. „Sinkende Pegelstände bedeuten keine Entspannung“, sagte Landespolizeipräsident Rainer Kann am Freitag in Dresden. Denn die Wassermassen fließen nur zentimeterweise ab. An den vier Pegeln Schöna, Dresden, Riesa und Torgau galt weiter die höchste Alarmstufe 4. In vier Landkreisen und Dresden galt weiterhin Katastrophenalarm. Nach wie vor stehen Orte und Stadtteile unter Wasser, sind Straßen und Brücken gesperrt und der Bahnverkehr behindert.

Tausende Menschen waren ohne Strom, rund 12 000 harrten in Notquartieren, bei Verwandten und Freunden aus. Unterdessen normalisierte sich in anderen Regionen der Verkehr langsam wieder. Der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit an der Elbe liegt neben der Sorge um die Betroffenen auf der Verteidigung der Deiche und Sandsackwälle, sagte Sachsens Polizeichef. Einsatzkräfte, Soldaten und Freiwillige kämpften um Deiche und Sandwälle, vor allem in Nordsachsen. Bisher seien aber alle Deiche stabil und weitläufig mit Sandsäcken stabilisiert worden, wie der Sprecher des Krisenstabs, Rayk Bergner. 3000 Fluthelfer waren im Einsatz, darunter je 1000 Bundeswehrsoldaten und Bürger.

Nach Angaben von Experten erlebt der Freistaat das drittgrößte Elbehochwasser aller Zeiten - nach 1845 und der Flutkatastrophe 2002. Laut Kann waren diesmal 76 Prozent der Gesamtfläche des Freistaates von Katastrophenalarm betroffen. Entlang der Elbe verschärft sich zudem das Grundwasserproblem. „Die Grundwasserstände werden sich in den nächsten Tagen weiter erhöhen“, sagte Kann. „Die Lage bleibt kritisch“, betonte auch der Hochwasserexperte im Umweltministerium, Martin Socher. Insgesamt sind rund 8450 Helfer - Polizisten, Soldaten, Feuerwehrleute, THW-Angehörige und Rettungskräfte - und unzählige Freiwillige im Einsatz.

In Dresden ist der Wert innerhalb von 24 Stunden nur 30 Zentimeter auf 8,46 Meter gesunken. Normal sind in der Landeshauptstadt knapp zwei Meter. Ein Grund ist, dass an der Moldau in Tschechien Wasser zurückgehalten wurde, das nun aus den Talsperren wieder abgelassen werden muss - wegen künftiger Hochwasser. In Riesa war der Pegelstand von 9,40 Meter auf 9,30 Meter zurückgegangen. In Sachsen wurde ein Flugverbot für Freizeit- und Sportflieger über der Elbe für das Wochenende verhängt, um Neugierige ab- und die Flugfläche für die Bundeswehr freizuhalten.

An den anderen Flüssen gehen die Wasserstände weiter zurück, sagte Umweltminister Frank Kupfer (CDU) am Abend. Dort begann teils schon das Aufräumen. Der Freistaat rechnet mit Milliardenschäden, aber nicht in der Dimension von 2002. Es habe deutlich längere Vorwarnzeiten und damit eine bessere Vorbereitung gegeben, sagte Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) mit Blick auf die Unternehmen. In den Hochwasserregionen dürfen die Geschäfte an diesem Sonntag öffnen, unter anderem Dresden macht davon Gebrauch. Dort plant die Polizei auch Patrouillen in Gebieten, wo das Wasser abgelaufen ist - zum Schutz vor Plünderungen.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) dankte dem Bund in Berlin für die zugesagte Soforthilfe von 100 Millionen Euro für die Überschwemmungsgebiete. Für den Wiederaufbau seien aber weitere Mittel nötig. Bund und Länder müssten nun zusammenstehen - ähnlich wie nach der verheerenden Flut von 2002. Die Umweltminister der Länder werden nach der Hochwasserkatastrophe in weiten Teilen Deutschlands eine Fehler- und Schwachstellen-Analyse vorlegen und rufen eine Sonderkonferenz dazu ein.

Umweltminister Kupfer lobte auch die gute Zusammenarbeit unter den Kommunen, etwa bei der Weitergabe von Sandsäcken. „Es läuft alles ruhiger und überlegter ab als bei vergangenen Hochwassern.“ Das Problem sei nun weniger die Höhe des Wasserstandes der Elbe, sondern die Dauer des Durchflusses. „Die Deiche weichen auf und verlieren an Standsicherheit.“ Vor allem die Anlagen bei Torgau werden auch aus der Luft ständig kontrolliert, um sie schnell abzudichten und zu verstärken.

Unterdessen droht neues Ungemach. Für das Elbe-Einzugsgebiet in Tschechien sind Niederschläge am Wochenende angekündigt. Kupfer sieht das mit Sorge, rechnet aber nicht mit dramatischen Wiederanstiegen. Das werde die Hochwasserlage an dem Fluss nicht verschärfen, könnte den Ablauf des Wassers aber verzögern, betonten die Hydrologen. Ob es auch in Sachsen Gewitter und Regen gibt, sei nicht sicher. „Es gibt keinen Grund zur Panik.

dpa

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