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Hochwasser in Sachsen
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Sommerfeeling und Katastrophe - Hochwasser als Schauspiel

Sommerfeeling und Katastrophe - Hochwasser als Schauspiel

Für Denny Balthasar geht es um jeden Zentimeter. Kurz bevor die Elbe ihren Höchststand erreichte, drang doch noch Grundwasser in seine Wohnung im Dresdner Stadtteil Loschwitz.

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Gäste sitzen am Donnerstag (06.06.2013) am Elbufer in Dresden in einem Biergarten neben der Hochwasser führenden Elbe.

Quelle: dpa

Dresden. Nun räumt er zusammen mit Helfern das nasse Laminat raus. Er wohnt erst seit Januar in dem Haus unweit des Flusses. „Wir haben gedacht, dass nach 2002 nicht so schnell wieder eine derartige Flut kommt“, sagt er. Wegziehen will er trotzdem nicht. „Wenn das Wasser weg ist, gehts ans Aufräumen.“

Unterhalb seines Zuhauses stehen verlassene Straßenzüge tief im Wasser. Ein paar Meter weiter aber haben Läden und Cafés geöffnet, als wäre alles normal. Das idyllische Viertel, in dem schon Dichter Friedrich Schiller im Garten eines Freundes dichtete, ist auch bei Spaziergängern und Touristen beliebt. Auch für sie ist das für den Verkehr gesperrte Blaue Wunder, die berühmte Loschwitzer Elbbrücke, ein lohnendes Ziel.

Fotos aus Dresden von Freitag (07.06.13):

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Dresden. Mancherorts ist das Leben im sächsischen Elbtal zweigeteilt. Schon wenige Meter neben der Katastrophe genießen Menschen das langersehnte Sommerfeeling. Oft geht das Interesse am Schauspiel Hochwasser auch über die normale Schaulust hinaus.

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Die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Verbindung über den Fluss wird allabendlich zum beliebten Treffpunkt - als Alternative zu den überfluteten Elbwiesen, an denen sich sonst im Sommer Liebespaare und Freunde zum Grillen treffen. Nun sitzen junge Leute auch auf der Eisenkonstruktion, die im Normalfall tabu ist - mit Bier oder Wein und schauen in dramatisch schöne Sonnenuntergänge. Dabei wird die zum breiten Strom mutierten und unter ihren Füßen durchrauschende Elbe von zig Blitzlichtern der Smartphones und Kameras erhellt.

Während Hunderte um ihre Existenz und ihr Zuhause bangen, ist für Andere in nicht betroffenen Vierteln einfach nur Sommer. Sie liegen in der Sonne, laden Freunde zum Grillen ein und beobachten die Flut aus der Ferne. In der historischen Altstadt schlecken Touristen seelenruhig ihr Eis, während Einsatzkräfte und Freiwillige Sandsäcke schleppen. Die Katastrophe ist nah, aber doch fern - in Form des leisen Motorgeräuschs einer Pumpe. Allerdings behindern Schaulustige auf Brücken oder an Schutzanlagen zuweilen Einsatzkräfte. Vorfälle dieser Art aber halten sich nach Angaben der Polizei noch in Grenzen.

Auch im Traditionsrestaurant Luisenhof im Nobelstadtteil Weißer Hirsch kommen derzeit mehr Gäste als sonst zur Kaffeezeit auf die Panoramaterrasse. Viele wollten das überschwemmte Tal von oben sehen, erzählt Kellner Tobias Lau. Wie drei ältere Damen aus dem Raum Berlin und Freiberg. „Das Hochwasser ist beeindruckend und beängstigend zugleich“, sagt eine von ihnen. Für sie aber kein Grund zur Abreise. „Die Museen sind ja offen.“ Und auf dem Theaterplatz in der City wird für das Open-Air-Konzert am Samstag von David Garrett aufgebaut.

Auf einem trockenen Fleck in den Elbwiesen verkaufen ein Restaurantbesitzer und ein Eishändler Bratwürste und Eis. Jeweils ein Euro vom Verdienst kommt auf ein Flutspendenkonto. „Wir wollen auch die Hochwassertouristen ein bisschen beteiligen“, erklären sie. Im Stadtteil Laubegast fahren Bewohner wie selbstverständlich mit Booten durch die Straßen zur Tankstelle auf einem kleinen Hügel. Sogar Strom gibt es hier - derzeit ein Luxus im ehemaligen Fischerdorf. Die Pächterin verdient ihre Brötchen nun mit Brot und Lebensmitteln statt Benzin. Durch die Straßen treibende Baumstämme und ein Bootsanleger bilden eine surrealistische Kulisse. Dazu gehören auch Hunde, die auf einem aufgeblasenem Lkw-Schlauch durch das Wasser geschoben werden.

Fotos aus Mitteldeutschland vom 07. Juni 2013

Marius Zippe und Jörg Schurig, dpa

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