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Minister Kupfer: Flutschutz ist Aufgabe für Generationen

Minister Kupfer: Flutschutz ist Aufgabe für Generationen

Zehn Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sieht Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) keinen Grund zur Entwarnung. Zwar habe der Freistaat Meldeketten verbessert und viel Geld in den Flutschutz gesteckt.

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Sachsens Umweltminister Frank Kupfer. (Archivfoto)

Quelle: Andreas Döring

Dresden. Absolute Sicherheit gebe es aber nicht.

Frage: Von der Flutkatastrophe 2002 sind nicht zuletzt die Bilder geblieben: die Gemeinde Weesenstein wie nach einem Bürgerkrieg, der Dresdner Zwinger ebenso unter Wasser wie Teile von Grimma oder Pirna. Was haben wir daraus gelernt?

Frank Kupfer:

Dass Hochwasser immer wieder vorkommen kann und dass wir uns darauf einzustellen haben. Wir waren auch schon 2002 darauf vorbereitet, aber nicht optimal. Daraus mussten wir Konsequenzen ziehen. Wir haben zum Beispiel für alle wichtigen Gewässer Hochwasserschutzkonzepte erstellt, mit 1600 Einzelmaßnahmen. Doch klar ist auch: Das ist eine Generationenaufgabe, die wir nicht in zehn oder 15 Jahren schaffen. Wir wollen insgesamt über zwei Milliarden Euro investieren, und dafür brauchen wir Zeit.

Und am Ende sind wir dann geschützt?

Ja und nein. Wir sind dann gewappnet vor einem Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre auftritt. Die Fachleute sprechen da von ,HQ 100‘. Doch ich werde nicht müde zu betonen: Auch dann haben wir keinen absoluten Schutz. Die Flut 2002 lag zum Beispiel über HQ 100. Das muss man wissen. Selbst wenn wir fertig sind und die zwei Milliarden investiert haben, werden wir vor einem Hochwasser wie 2002 nicht geschützt sein. Es ist also immer auch individuelle Vorsorge gefragt.

2010 gab es das Hochwasser entlang der Neiße. Welchen Wert hatte das?

Auch das lag über der Marke HQ 100. Aber das trat eher punktuell auf, betraf also nicht ganz Sachsen.

Stichwort Klimawandel: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Flutkatastrophen vermehrt auftreten werden in Sachsen?

Auch wenn er von manchen noch immer geleugnet wird, der Klimawandel ist da. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen zu – auch in Sachsen. 2002 haben diverse Schwachstellen erst zu der verheerenden Flutkatastrophe geführt: Inakzeptable Meldeketten, fehlende Sirenen, Kompetenz-Wirrwarr zwischen den Landkreisen.

Sind diese Problemfelder beseitigt?

Wir haben aus 2002 viel gelernt. Wir haben die Meldekette komplett neu justiert und das Landeshochwasserzentrum ausgebaut. Dort kommen die Prognosen vom Wetterdienst rein und die Pegelstände, von dort gehen dann die Hochwassermeldungen an die Verantwortlichen vor Ort – Bürgermeister und Feuerwehr vor allem. Die allerdings müssen dann selbst reagieren, auch dort muss die Meldekette funktionieren, damit die Bürger frühzeitig informiert werden.

Und was ist mit den Sirenen?

Nach 1990 hieß es ja: Sirenen, das ist alles Kommunismus, das kommt weg. Das war ein Fehler. Deshalb haben wir aus den Erfahrungen 2002 das Sirenenprogramm wieder aufleben lassen. Es gab also Fördermittel für die Kommunen. Diese haben das Angebot damals aber nur sehr verhalten angenommen. Flussläufe ohne Ausweichfläche haben die Lage 2002 erheblich verschärft.

Ist dort etwas geschehen?

Wir haben zusätzliche Überschwemmungsgebiete geschaffen. Derzeit sind über 64 000 Hektar so ausgewiesen – eine Fläche, doppelt so groß wie die, die 2002 überschwemmt wurde. 155 000 Hektar sind darüber hinaus als sogenannte Hochwasser-Entstehungsgebiete ausgewiesen, was entscheidend ist. Denn dort nehmen Flutkatastrophen ihren Ausgang. Da darf dann zum Beispiel nicht mehr einfach so gebaut werden. Ziel ist immer, die Aufnahmefähigkeit des Bodens zu verbessern.

Und dennoch werden Gebiete weiter versiegelt. Wollen Sie den Flächenverbrauch eindämmen?

Pro Tag haben wir derzeit einen Flächenverbrauch von fünf Hektar, wir wollen aber auf unter zwei Hektar im Jahr 2020 kommen. Das ist ein anspruchsvolles Ziel.

Wann rechnen Sie mit dem nächsten Hochwasser wie 2002?

Ich hoffe, das erlebe ich nicht mehr.

Interview: Jürgen Kochinke

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