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Die Flut bei Dresdens Ruderern: „Wir haben die Boote jeden Tag etwas höher gelegt“

Die Flut bei Dresdens Ruderern: „Wir haben die Boote jeden Tag etwas höher gelegt“

Seit 1925 steht das Bootshaus Cotta an der Elbe. Mit Hochwasser müssten sich die Sportler des 1902 gegründeten „Dresdner Ruder-Clubs“ (DRC) also auskennen, sollte man meinen.

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Das Bootshaus des DRC. im August 2002.

Quelle: Privat

Dresden. Auf die Flut, die das Bootshaus ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Vereinsbestehens traf, war jedoch niemand vorbereitet. „So etwas hatte hier niemand erlebt, deswegen wussten wir nicht, was wir tun sollen“, erinnert sich Bernd Bielig. Der heutige Geschäftsführer des Landesruderverbands war 2002 DRC-Vizepräsident, koordinierte den Hochwassereinsatz der herbeigeeilten Vereinsmitglieder.

„Wir haben das hier anfangs gar nicht für voll genommen“, sagt er. 1941 soll die Elbe schon mal in die Bootshalle gelaufen sein, im Verein kann sich aber niemand mehr daran erinnern. Also stapelten die Helfer die Boote einfach aus den unteren Regalen in die oberen und meinten, damit genügend Vorsorge getan zu haben. Die Helfer vertrauten weiter auf diese Taktik, auch als die Elbe allmählich die Bootshalle flutete.

„Wir haben die Boote jeden Tag etwas höher gelegt“, erinnert sich Bielig heute mit Kopfschütteln. Am 15. August war damit Schluss. „Da war das Wasser so hoch gestiegen, dass wir nicht mehr in die Halle gelangen konnten“, erinnert sich der 56-Jährige. Das war zwei Tage, bevor die Flut ihren Höchststand hatte und die Bootshallen komplett flutete. „Wir hätten damals direkt von der Terrasse ein Boot in die Elbe setzen können“, sagt Bielig. Als das Wasser wieder zurückwich, waren 60 der 80 untergebrachten Boote zerstört. „Das gesamte Bootshaus war außer Funktion gesetzt: die Elektrik, die Sauna, die Funktionsanlagen – alles war im Erdgeschoss untergebracht“, sagt Bielig.

Mit bis zu 70 Helfern musste er den Schaden wegräumen, danach ging es vor allem darum, den Trainingsbetrieb irgendwie zu organisieren. Denn in Cotta hat nicht nur der DRC seine Heimat, auch der Landesruderverband und der Dresdner Bundesstützpunkt sind dort untergebracht. Recht rasch wurde noch für die Leistungssportler eine Lösung gefunden, nachdem im September die Rudersaison losging.

„Der Trainingsbetrieb war voll abgesichert, wenn auch unter recht misslichen Bedingungen. Strom und Wasser fehlten anfangs, aber wir hatten nach der Flut einen ganz guten Sommer und die Unterstützung war gigantisch“, sagt Bielig. So konnte Dank vieler Spenden ein moderner Bootspark angeschafft werden. Dennoch habe der Breitensport gelitten.

Man habe schon einige Vereinsaustritte registrieren müssen. „Aber das haben wir alles zurückgewinnen können“, sagt Bielig. Damals wie heute habe der DRC etwa 160 Mitglieder, davon 120 aktive Sportler. Bekanntestes Mitglied dürfte Tim Grohmann sein, der vor wenigen Tagen mit dem Dresdner Karl Schulze vom USV der TU Dresden olympisches Gold im Doppelvierer geholt hat.

Gleich nach der Reinigung – und zeitgleich mit dem wieder einsetzenden Trainingsbetrieb – begann die Sanierung des Hauses. Eine Vielzahl kleinerer Reparaturen gehörte dazu und ein großer Wurf: Der 2004 eingeweihte und 1,2 Millionen Euro teure Ersatzneubau, der – vor Hochwasser sicher – auf der oberen Etage aufgepflanzt ist und alle Funktionsanlagen beherbergt. Dennoch bleibt das Untergeschoss des Bootshaues hochwassergefährdet.

„Deshalb sind dort nur noch die Boote untergestellt“, sagt Bielig. Eine Flut könne dort nur noch wenig Schaden ausrichten. Denn der Katastrophenplan, den es inzwischen gibt, sieht vor, dass die Boote ab einem gewissen Pegelstand auf Bootsanhänger geladen und auf einen Parkplatz abtransportiert werden. Beim Hochwasser 2006 kam dieses Verfahren erstmals erfolgreich zur Anwendung. „Eine Flut wird uns nicht mehr so treffen wie 2002“, ist Bielig überzeugt. Uwe Hofmann

Uwe Hofmann

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