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Für Umsetzung des Hochwasserschutzprogramms sind noch eine Milliarde Euro notwendig

Für Umsetzung des Hochwasserschutzprogramms sind noch eine Milliarde Euro notwendig

Bis zu 1,5 Milliarden Euro wurden bislang in die Beseitigung der Flutschäden sowie die Verbesserung des Hochwasserschutz investiert. Es sind allerdings noch einmal rund eine Milliarde Euro nötig, um das im Zuge der Jahrhundertflut 2002 erarbeitete Hochwasserschutzprogramm umzusetzen, berichtet Hans-Ulrich Sieber, Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung, im DNN-Interview.

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Hans-Ulrich Sieber, Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung.

Quelle: PR

Frage:

Dresden. Die Bilder von der Jahrhundertflut vor zehn Jahren sind wieder sehr präsent. Der Zwinger sowie der Hauptbahnhof in Dresden oder die Altstadt von Pirna standen unter Wasser. In den vergangenen Jahren hat die Landestalsperrenverwaltung viel in den Hochwasserschutz investiert. Herr Sieber, kann ein derartiges Hochwasserereignis erneut diese Dimension an Schäden bringen?

Hans-Ulrich Sieber:

Seit 2002 ist im Bereich Hochwasserschutz viel geschehen – speziell auch an der Elbe in Dresden. Die Schutzvorkehrungen an der Weißeritz sind noch in Arbeit. Wir hoffen, dass sich so ein Ereignis in dieser Dimension nicht wiederholt. Allerdings sind Überschwemmungen in Zukunft trotz unserer Hochwasserschutzmaßnahmen nicht ausgeschlossen.

Hundertprozentige Sicherheit können Sie also nicht liefern?

Wir haben immer wieder betont, dass ein hundertprozentiger Schutz nicht möglich ist. Als Bemessungsereignisse haben wir bestimmte Zuflüsse ausgewählt Bei bebauten Gebiet sprechen wir in der Regel von einem hundertjährlichen Ereignis – einem Hochwasserereignis, das statistisch gesehen aller 100 Jahre eintritt - dem sogenannten HQ100.

Für Dresden gibt es die Entscheidung an der Weißeritz mehr zu tun. Weil die Stadt Dresden selbst noch draufpackt, können wir den Schutz HQ500 erreichen. Damit sind wir an der Weißeritz in der Landeshauptstadt vor einem Ereignis wie damals 2002 gerüstet. An der Elbe war damals ein HQ100 bis 150, also von der Jährlichkeit nicht so extrem wie an den kleinen Gewässern Weißeritz oder Müglitz. Insofern sind die Maßnahmen an der Elbe ein weitgehender Schutz vor einem Hochwasser wie 2002.

Aber es kann immer noch schlimmer kommen, als wir es bislang erlebt haben. Es wird immer wieder von Klimawandel und der Zunahme extremer Wetterlagen gesprochen. Man muss also damit rechnen, dass in Zukunft Hochwasserereignisse eintreten, die das bisher Dagewesene übertreffen.

Sie sagten, dass an der Weißeritz viel getan wurde. Was konkret?

Im Dresdner Stadtgebiet wurde die Uferbegrenzung erneuert und teilweise das Uferbett aufgeweitet. Was am aufwendigsten und kompliziertesten ist, ist die Tieferlegung des Gewässers von Höhe Kesselsdorfer Straße bis zur Einmündung in die Elbe. Die Gewässersohle wird bis zu anderthalb Meter abgesenkt, damit der Querschnitt des Abflussprofils vergrößert wird und damit mehr Wasser durchpasst. Im Bereich Plauen sind die Arbeiten abgeschlossen. Am Emerich-Ambros-Ufer sind sie noch im Gange. 2014/15 wird dieses Vorhaben abgeschlossen sein.

Und was hat die LTV im oberen Verlauf der Weißeritz getan?

Ich möchte die Vergrößerung der Hochwasserrückhalteräume bei unseren Talsperren an der Roten und Wilden Weißeritz hervorheben. In Malter haben wir den Stauspiegel um 3,50 Meter abgesenkt. Falls entsprechende Prognosen für ein vergleichbares Niederschlagsereignis wie 2002 eintreten, werden wir den Stauspiegel sogar um sieben Meter herunter fahren. In den Talsperren Lehnmühle und Klingenberg ist der Rückhalteraum um fünf Millionen Kubikmeter erweitert worden. Der Stauraum für die Trinkwasseraufbereitung wurde zugunsten des Hochwasserrückhalteraumes verkleinert.

Am Pöbelbach, einem Zufluss zur Roten Weißeritz, beginnt jetzt der Bau eines Rückhaltebeckens in Niederpöbel. Dies bringt auch Schutz für Schmiedeberg und Dippoldiswalde. An der Elbe ist ebenfalls bereits viel geschehen. Im kommenden Jahr beginnt der Bau der Schutzmauer in Heidenau.

Wann ist Pirna an der Reihe?

Für die Schutzlinie in Pirna befinden wir uns noch im Planungsstadium. Die Idee, den Bahndamm für den Hochwasserschutz mitzunutzen, ist gescheitert. Wir suchen nun nach alternativen Lösungen. Eine Umsetzung wird nur langfristig möglich sein. Weiter flussaufwärts in der Sächsischen Schweiz ist ein Hochwasserschutz schwierig zu erreichen. Hier wird es nicht möglich sein, einen HQ100-Schutz zu erzielen. Die Ortschaften wie Rathen oder Bad Schandau liegen am Fluss und leben von ihm. Damit müssen sie auch ein stückweit mit Hochwasser leben.

Umweltminister Frank Kupfer (CDU) kündigte an, dass der Freistaat nur dort Hochwasserschutz errichte, wo es erwünscht sei. Würden Bürgerinitiativen gegen Vorhaben auf die Barrikaden gehen, werde eben nicht gebaut. Es gibt Bürgerproteste gegen das Rückhaltebecken im Seidewitztal. Werden Sie nun von Projekten Abstand nehmen, wenn die Bürger aufbegehren?

Es gibt Proteste gegen das Rückhaltebecken Niederseidewitz. Im Moment läuft aber das Zielabweichungsverfahren, eine Vorstufe zum Planfeststelllungsverfahren. Wir werden das Verfahren nicht anhalten. Es liegt an der Landesdirektion Sachsen abzuwägen, wie mit den Einwendungen der Bürger umgegangen wird. Wir rücken von dem Projekt nicht ab.

Der Minister hat auch gesagt, dass, wenn ein Projekt aufgrund von Widerständen sich über Jahre hinzieht, das Geld in dieser Zeit nicht reserviert wird. Dann bekommen Schutzmaßnahmen, für die bereits Baureife besteht, Vorrang. Dies ist aber von Fall zu Fall abzuwägen. Die finanziellen Ressourcen für den Hochwasserschutz sind limitiert.

Sie sprechen das Geld an. Wie viel wurde in den vergangenen Jahren in den Hochwasserschutz investiert?

Insgesamt summiert sich der Betrag auf 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro, den wir in die Beseitigung der Hochwasserschäden 2002 und 2010 sowie in präventiven Hochwasserschutz investiert haben.

Und wie viel Geld ist noch nötig?

Bei der Hochwasserschadensbeseitigung liegt der Umsetzungsstand bei etwa 90 Prozent. Nun stehen noch der Bau der komplexen und technisch schwierigen sowie teuren Anlagen bevor. Deshalb sind wir beim Kostenvolumen erst bei 60 Prozent angelangt. Wenn wir alle wesentlichen Maßnahmen umsetzen wollen, werden wir noch rund eine Milliarde Euro benötigen.

Und gibt es einen Termin, bis alle Schutzmaßnahmen umgesetzt sind?

Für das Hochwasserschutzprogramm gibt es keinen Abschlusstermin. Seine Umsetzung ist eine Generationenaufgabe.

Silvio Kuhnert

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