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Kurioses von den Medien „Wir sind jetzt in Leipzig-Gohlis. Wo ist die Elbe?“

Kurioses von den Medien „Wir sind jetzt in Leipzig-Gohlis. Wo ist die Elbe?“

Mit den Fluten von Weißeritz und Elbe, kam auch die Medien-Schwemme nach Sachsen. Millionenfach gingen die Bilder vom zerstörten Dresdner Hauptbahnhof oder der Semperoper umgeben von Wasser um die Welt.

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Kai Schulz, Sprecher der Stadt Dresden

Quelle: Archiv

Dresden. So mancher Reporter hatte dabei durchaus Orientierungsschwierigkeiten.

„Wir sind jetzt in Gohlis. Aber wie finden wir Sie jetzt?“ Der RTL-Mann war der Verzweiflung hörbar nah, als er mich zum dritten Mal an diesem Tag anrief. Wir hatten uns in Gohlis, direkt hinter dem umkämpften Damm verabredet, doch nirgends war ein Fernsehteam zu sehen. „Wenn Sie aus dem Zentrum kommen, müssen Sie sich in Cossebaude rechts halten“, versuchte ich ihn auf meine Spur zu bringen und fügte hinzu: „Hier stehen überall Feuerwehren und Fluthelfer.“ Langes Schweigen am anderen Ende der Leitung, bis der Kollege von RTL erklärte: „Hier ist nichts, hier geht alles seinen normalen Gang....“ „Wo sind Sie denn?“, wurde ich jetzt skeptischer. „Na in Gohlis. Leipzig-Gohlis.“ Wären sie wenigsten in Riesa-Gohlis gelandet. Damit war mein Auftritt im Mittagsmagazin leider dahin.

Um gar nicht erst in solche Schwierigkeiten zu geraten, war eine energische Spiegel-Reporterin lieber gleich in Hamburg geblieben: „Warum wird das Kulturhaus ausgepumpt, aber die alten Sammlungen nicht“, stieg die junge Frau ohne Vorwarnung ins Telefonat ein. „Welches Kulturhaus meinen Sie?“ Die künftige Pulitzer-Preisträgerin wurde angesichts meiner Nachfrage erst richtig sauer: „Wollen Sie mich für dumm verkaufen, das lass ich mir nicht bieten....“ Auch unterwürfigste Nachforschungen meinerseits ergaben nichts Erhellendes, bis ich beiläufig fragte: „Waren Sie eigentlich schon mal in Dresden?“ „Das tut doch überhaupt nichts zur Sache“, schnaubte sie ihre letzten Worte in den Hörer und legte auf. Ein Grinsen konnte ich mir verkneifen, als 20 Minuten später ein Fax aus der Zentrale des investigativen Journalismus bei mir einging. Man meine natürlich die Alten Meister und den Kulturpalast und bittet höflichst um die Beantwortung der Fragen. Haben wir dann gern gemacht.

Gern geholfen habe ich auch dem deutschsprachigen Sender „Radio del Sol“ aus Spanien. Nach einem kurzen Bericht von mir über die Lage in Dresden kam der Moderator richtig in Schwung. „Liebe Hörer, Sie alle haben die Bilder gesehen. Wir helfen. Bringen Sie Essen, Decken und warme Anziehsachen morgen zu unserem Sender. Wir werden einen Laster nach Deutschland schicken.“ Glücklicherweise war ich nicht mehr auf Sendung, als mir rausrutschte: „Seid ihr verrückt?“ Beharrlich versuchte ich anschließend zu erklären, dass auch in Deutschland gerade Hochsommer ist und bis der Laster da sei, auch das Essen wohl kaum Abnehmer finden würde. Leider habe ich nie erfahren, was aus dem Aufruf am Ende wurde. Vielleicht hatte ich ja unrecht und langärmlige Hawaii-Hemden und grüne Paella fanden irgendwo zwischen Schmilka und Magdeburg reißenden Absatz.

Der Autor ist Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit/Presseservice im Geschäftsbereich von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) und hat diesen Beitrag auf Anfrage exklusiv für die DNN verfasst. Der gebürtige Niedersachse wurde 2002 von OB Ingolf Roßberg (FDP) als Medienberater eingestellt, kam als Reporter für Kommunalpolitik von der Dresdner Morgenpost.

Anmerkung zur „Spiegel“-Anfrage: OB Ingolf Roßberg (FDP) hatte die Wasserpumpen während der Flut aus der Dresdner Semperoper abgezogen, weil dort auch mit Pumpen mehr reinlief als abgepumpt werden konnte, die Pumpen also sinnlos waren. Der Kulturpalastkeller indes musste trocken bleiben. Darin befand sich eine der wichtigsten Verteilerzentralen der Drewag. Wäre diese nass geworden, wäre Dresdens Innenstadt ein Vierteljahr ohne Strom gewesen.

Kai Schulz

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