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Maler Friedemann Rößler: „Wenn man alles verloren hat, weiß man erst, was wirklich zählt“

Maler Friedemann Rößler: „Wenn man alles verloren hat, weiß man erst, was wirklich zählt“

Über Jahrzehnte lebte und arbeitete Malermeister Friedemann Rößler in der Bachstraße 1 in der Dresdner Neustadt. Gemeinsam mit seiner Frau Maria hatte er seit 1987 in dem 140 Jahre alten Haus einen kleinen Handwerksbetrieb aufgebaut, der in guten Zeiten bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigte.

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Hat noch einmal Zeitungen und Fotos aus den Fluttagen hervorgeholt: Malermeister Friedemann Rößler.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Doch dann kam 2002 mit der Jahrhundert-Flut ein Ereignis, dass das Leben der Eheleute für immer verändern sollte.

„Uns hat es damals zwei Mal erwischt. Erst ist am 13. August durch den Dauerregen die Prießnitz über die Ufer getreten und dann kam am 17. August der Druck aus der Elbe“, erinnert sich Friedemann Rößler. Bis zu 2,07 Meter habe das Wasser damals im Gebäude gestanden. Nur mit großer Kraftanstrengung hätten er und seine Frau es geschafft, Wertgegenstände noch schnell in Sicherheit zu bringen.

„Ein Bekannter unserer Tochter hat uns nachts geweckt und gesagt, dass das Wasser kommt. In großer Eile haben wir dann noch 40 historische Türen aus einer Villa, die ich zur Bearbeitung in der Werkstatt hatte, in höhere Stockwerke gebracht“, erzählt der 58-Jährige. Am Ende sei das genau die richtige Entscheidung gewesen, weil die Versicherung den Schaden nicht übernommen hätte.

Obwohl der Malermeister und seine Frau sich beeilt haben, so viel wie möglich zu retten, entstand trotz zahlreicher Sandsäcke rund um das Haus eine Spur der Verwüstung. Fast seine gesamte Ausrüstung musste der Malermeister neu anschaffen. Insgesamt summierten sich die Kosten für Friedemann Rößler, inklusive der betrieblichen Ausfälle, auf eine Summe von etwa 100.000 Euro.

Probleme, ihren Schaden ersetzt zu bekommen, hatten er und seine Frau glücklicherweise nicht. „Sowohl mit den Fluthilfen der Stadt als auch mit den Geldern aus unserer Allianz-Versicherung hat alles gut geklappt. Allerdings galt die Versicherung nur für die privaten Dinge im Haus, während die betrieblichen Gegenstände nicht hochwasserversichert waren“, erklärt Maria Rößler.

Schnell gelang es den beiden Eheleuten jedoch, ihr Haus trocken zu legen und zu sanieren sowie ihren Betrieb wieder aufzubauen. Obwohl der Weg nicht leicht war, weil sie im Flutjahr 2002 bis Dezember keinen Strom hatten und die hohe Luftfeuchtigkeit im Haus so manches Elektrogerät schachmatt setzte, meisterten sie diesen Weg. „Ich habe damals gearbeitet wie eine Maschine. Es musste einfach weitergehen“, so Maria Rößler.

Dennoch stößt auch sie ganz unerwartet an ihre Grenzen. „Nachdem ich lange Zeit einfach nur funktioniert hatte und ich nicht groß über alles nachdenken konnte, kam ein halbes Jahr später bei mir der nervliche Zusammenbruch“, berichtet die heute 58-Jährige. Zudem sei sie immer nervös geworden, wenn es regnete oder sie einen Transporthubschrauber gehört habe. „Ich konnte es mir nicht erklären, aber auf einmal habe ich mich in der Bachstraße nicht mehr sicher gefühlt“, denkt Maria Rößler an die damalige Situation zurück.

Als der Druck unerträglich wird, beschließen die Eheleute 2004, ihr Haus in der Neustadt zu verkaufen und ins Schönfelder Hochland nach Dresden-Eschdorf zu ziehen. Grund dafür war aber nicht nur die Angst vor dem Wasser, sondern auch der grundsätzliche Wunsch, dem Leben noch einmal eine neue Wendung zu geben. „Die Flut hat uns die Augen geöffnet. Wir haben früher fast jeden Tag zwölf Stunden gearbeitet, auch am Wochenende, und hatten für unsere Kinder und Enkel nicht sehr viel Zeit.

Diesen Zustand wollten wir unbedingt ändern“, betont Friedemann Rößler. Heute hat der Malermeister keine Mitarbeiter mehr und arbeitet anders als früher, als er den ganzen Tag am Schreibtisch die Geschicke des Betriebes koordinieren musste, wieder selbst. Er und seine Frau führen ein einfaches und bescheidenes Leben und sind dennoch zufriedener als je zuvor. „Wenn man einmal alles verloren hat, weiß man erst, was im Leben wirklich zählt“, resümiert Friedemann Rößler seine Erkenntnis.

Stephan Hönigschmid

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