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Neue Brücken, Mauern, Pumpen: Meißen hat Lehren aus 2002 gezogen

Neue Brücken, Mauern, Pumpen: Meißen hat Lehren aus 2002 gezogen

Meißen. Ein harmloses Flüsschen – so kommt es Steffen Wackwitz vor, wenn er die Mündung der Triebisch am Elbufer in der Meißner Altstadt betrachtet. „Sie kann aber ganz schnell zu einem reißenden Strom werden“, meint der Baudezernent.

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Baudezernent Steffen Wackwitz zeigt an der Flutschutzmauer neben der Bundesstraße 6 in Meißen.

Quelle: Tomas Gärtner

Seit zehn Jahren ist er um diese unangenehme Erfahrung reicher.

Damals, nach jener Nacht vom 12. auf den 13. August 2002, hatte sich das Triebischtal von der Stadtgrenze in Garsebach bis ins Stadtzentrum auf einem breiten Streifen in eine Zone der Verwüstung verwandelt. „Überall Schlamm, Schwemmholz, Schutt, Müll, kaputte Autos“, erinnert sich Wackwitz. Bis auf drei noch halbwegs intakte hatte es sämtliche Brücken weggerissen. Helfer räumten erst einmal alles, was sich vor den Brücken und in den Straßen gesammelt hatte, notdürftig beiseite. Die Bewohner warfen, was sich über Jahrzehnte in ihren nun überfluteten Kellern angesammelt hatte, auf die Straße.

„Es waren heiße Sommertage. Der Müll fing bald an zu stinken.“ Laster fuhren das Zeug zu einem ehemaligen Kohlelagerplatz neben einem Supermarkt am Bahnhof Triebischtal. „Hier türmten sich bald riesige Berge. Bei 12.000 Tonnen haben wir aufgehört zu zählen.“ Keine ganze Woche später, als das Gröbste beseitigt war, stieg die Elbe. „Nun kam das Hochwasser von der anderen Seite.“ In jenen dramatischen Tagen war Wackwitz wie alle anderen von der Stadtverwaltung im Großeinsatz mit den Hilfskräften. Als das Wasser weg war, fassten die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung einen Wiederaufbauplan.

„Bund, Freistaat und EU stellten sofort Mittel bereit. Das kommt so nie wieder. So konnten wir alle Schäden beseitigen“, erinnert sich Wackwitz. Freilich konnte das nicht heißen, den Zustand von einst wieder herzustellen. Vieles wurde so umgebaut, dass es einem ähnlichen Hochwasser standhalten kann. Gehwege und Straßen bekamen einen festen Unterbau, Böschungen wurden verstärkt.

„Manches ist gar nicht sichtbar.“ Etwa das ausgebaute Bett der Triebisch oder die Rückstau-Klappen in den Abwasserkanälen. Auch sind da die stabileren Geländer auf den Brücken, unter denen mehr Wasser fließen kann. Oder der weiße Kubus am Brückenkopf. „Darin sind Pumpen. Ab einer bestimmten Grundwasserhöhe schalten die sich automatisch ein und pumpen das Wasser zurück in die Elbe.“ Ihre Generalprobe hatte die Anlage beim Winterhochwasser im Januar 2011 zu bestehen. Mit Erfolg: Den Theaterplatz, die tiefste Stelle in der Altstadt, hat sie vom Wasser frei gehalten.

Allen Hauseigentümern empfahl die Stadt, Heizung und Elektrik in obere Etagen zu verlegen. Die Hochwassermarke von 2002 wurde zur Richtlinie. „In 95 Prozent der gefährdeten Häuser ist das auch gemacht worden.“ Schon weil die Versicherung das nun fordert. Eine massive Betonbrücke mit viel Platz darunter überspannt jetzt die Triebisch-Mündung. Die Jahreszahl 2006 steht darauf. Ebenso wie auf der breiten Flutschutzmauer aus rotem Granit an der B 6. Die Lücken darin lassen sich rasch schließen. Wackwitz deutet auf einen breiten Metallstreifen. Dahinter verbergen sich Wände aus Aluminium. Bei Hochwasser können die übereinander gesetzt werden. „Wie bei einem Rolltor. Alles ist fest eingeschraubt und hält dem Wasserdruck stand.“

Angst vor den Fluten müsse Meißen nicht mehr haben. Am Oberlauf der Triebisch und der Zuflüsse hat die Landestalsperrenverwaltung Warnmelder installiert. Sie sind in ein schnelles Informationssystem integriert. Die Stadt hat einen Katastrophen-Beauftragten. „Aber alles verhindern kann man nicht“, warnt Wackwitz. „Es wäre töricht zu glauben, uns könne nichts passieren. Es kann ganz schnell gehen, über Nacht. Das hat uns der August 2002 gelehrt.“

Tomas Gärtner

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