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Grimma erinnert an die Jahrhundertflut und blickt nach vorn

Grimma erinnert an die Jahrhundertflut und blickt nach vorn

Die Bilder vom August 2002 gingen um die Welt: Die historische Innenstadt des sächsischen Städtchens Grimma werden von den Fluten der Mulde verschluckt. Und als das Wasser abfließt, macht sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) höchstpersönlich ein Bild von den Zerstörungen - und watet in Gummistiefeln durch den Schlamm.

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Während der Flut 2002 rettet ein Grimmaereinen anderen Bewohner aus dem Wasser. (Archivfotot)

Quelle: dpa

Grimma. In der Schulstraße etwa hat die Strömung einen 50 Meter langen und drei Meter breiten Graben gerissen. „Wir dachten, alles ist weg“, erinnert sich Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) heute.

Dann folgte das große Aufräumen. 3000 bis 5000 Freiwillige waren damals in der Stadt, um mit anzupacken. Eine viertel Million Euro Schaden hatte die Flut angerichtet. 14 Millionen Euro Spendengelder gingen ein, mussten gerecht verteilt werden. „Das war schwierig“, sagt Berger. Heute ist die Innenstadt ein Kleinod, mit hübsch sanierten Fachwerkhäusern, Gassen und Gässchen, florierendem Handel. Kaum ein Laden steht leer. Ein kleines Metallschild markiert in der Langen Straße an der Hans-Fallada-Buchhandlung, wie hoch das Wasser angestiegen war. Wer es lesen will, muss den Kopf weit in den Nacken legen.

Oberbürgermeister Berger, der sich damals an die Spitze gestellt und selbst mitzugepackt hatte, stapelt tief: „Wir haben ein paar grundsätzliche Entscheidungen getroffen, der Rest hat sich wie ein Ameisenstaat selbst organisiert.“ Heute, zehn Jahre später, mag er - wie viele andere Grimmaer auch - nicht mehr soviel über das Vergangene sprechen. Er blickt lieber auf die Gegenwart. „Aufgetaucht“ heißt deshalb das Motto der Feierlichkeiten rund um den 10. Jahrestag der Flut, die ihren Höhepunkt am 18. und 19. August haben.

Am 19. August wird die von der Flut schwer zerstörte Pöppelmannbrücke wiedereröffnet. In die Sanierung des vom Dresdner Zwingerbaumeister Daniel Matthäus Pöppelmann geschaffenen Bauwerks flossen 6,4 Millionen Euro. Die Brücke ist die letzte größere vom Hochwasser geschlagene Wunde, die nun geschlossen wurde. Schon am Tag vorher wird gefeiert. Geplant ist eine Klang- und Lichtperformance am Flussufer vor der Pöppelmannbrücke. Mit Projektionen aus Licht, Fotografien und Filmausschnitten sollen die Katastrophentage des Jahre 2002 noch einmal lebendig werden.

Seine Stadt floriere, sagt Berger. „Grimma ist der Beweis, dass in jeder Katastrophe auch eine Chance ist. „Wir haben eine stabile Industrie und eine hohe Arbeitsplatzdichte.“ Der Tagestourismus sei ein echtes Standbein geworden. Mit Eingemeindungen sei die Einwohnerzahl von ehemals 20.000 auf 30.000 angewachsen. Es gebe 13.000 Arbeitsplätze, hauptsächlich in der Elektroindustrie.

Und der Hochwasserschutz? Eine zwei Kilometer lange durchgehende Hochwasserschutzanlage, in die historische bestehende Bausubstanz einbezogen werde, soll Grimma künftig schützen. Sie ist 40 Millionen Euro teuer. „Eigentlich sollte sie 2012 fertig sein“, sagt das Stadtoberhaupt. Das sei nicht gelungen. „Sie schützt uns vor „normalem“ Hochwasser. Wenn es allerdings wieder eine Jahrhundertflut geben sollte, „wird Grimma wieder volllaufen“, ist sich Berger sicher.

Insgesamt investierte der Freistaat seit der Jahrhundertflut nach Angaben der Talsperrenverwaltung 1,4 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz. Dennoch werde es keinen Komplett-Schutz geben können, sagt Katrin Schöne, Sprecherin der Talsperrenverwaltung des Landes. Die Schutzanlagen würden auf ein Hochwasser ausgelegt, wie es alle 100 Jahre auftrete. Das vom August 2002 sei viel extremer gewesen. „Wenn man dafür bauen wollte, würde man sich einmauern“, so Schöne.v

Gitta Keil, dpa

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