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Von braunen Fluten umzingelt: Hochwasser 2002 trifft auch die Menschen in Löbnitz hart

Von braunen Fluten umzingelt: Hochwasser 2002 trifft auch die Menschen in Löbnitz hart

Während in Eilenburg in den Abendstunden des 13. August 2002 das Hochwasser-Chaos regierte, wollten die meisten Löbnitzer immer noch nicht glauben, dass es wirklich so schlimm kommen könnte.

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Minister Frank Kupfer zu Besuch in Löbnitz: Axel Bobbe (Mitte) erklärt ihm sowie Bürgermeisterin Astrid Münster und Landrat Michael Czupalla den Einsatz der Spundwände.

Quelle: Manfred Lüttich

Löbnitz. „Wir waren aber schon 3.45 Uhr das erste Mal in Richtung Eilenburg beordert worden“, erinnert sich der Löbnitzer Wehrleiter Axel Wohlschläger. „Wir sollten bei Groitzsch eine hilflose Person aus dem Wasser retten. Ein Bauer stand da bis zur Brust in den Fluten. Der hat uns schnell klar gemacht, dass nicht er, sondern seine Kuhherde Hilfe bräuchte. Wir haben sie dann aufs Trockene getrieben.“

Aber das sei nur der Anfang gewesen, erzählt der 40-jährige Wehrchef gemeinsam mit seinem Stellvertreter Enrico Häublein. Einige Stunden später halfen sie im Eilenburger Stadtgebiet Sandsäcke zu füllen. Dann mussten auch alle Einsatzkräfte das Areal verlassen, weil das Hochwasser kam. „In den Mittagsstunden haben wir dann mitgekriegt, wie das Rote Kreuz Kräfte abzog, um das Altersheim in Löbnitz zu räumen. Wir sollten noch warten. Aber wir handelten einfach eigenmächtig, sind hierher gefahren und haben die Maßnahmen in der Fasanerie vorangetrieben“, sagen die beiden Feuerwehrmänner. „Die Leute hatten uns zuerst noch ausgelacht: Wir sollten nicht so eine Hektik machen. So hoch wäre das Wasser damals, 1954, auch nicht gekommen.“

Später sei ein achtköpfiger Trupp noch einmal nach Eilenburg gefahren, um mit dem Boot vom Wasser Eingeschlossene aus der Stadt zu holen. Doch wegen starker Strömung an der Einstiegsstelle musste sie unverrichteter Dinge wieder abziehen. Inzwischen hatten die anderen Kameraden  in Löbnitz dafür gesorgt, dass Keller mit Sandsäcken gesichert wurden. „Das war natürlich alles umsonst. Aber hätten wir es etwa lassen sollen?“, fragt Wohlschläger heute.

Am 14. gegen Mittag kam das Wasser über die Roitzschjoraer Aue hinter dem Damm entlang. In Tiefensee, Schnaditz, Glaucha und Wellaune waren die Dämme gebrochen. „In Löbnitz hat er gehalten, bis auf die Stelle, wo sich das Wasser im alten Muldebett seinen Weg suchte.“ Innerhalb einer knappen Viertelstunde standen die Fasanerie und die Alte Stadt in schlammbraunen Fluten. Ein Mann habe zum Beispiel noch das Fenster im Haus seiner Tochter schließen wollen. „Auf dem Hinweg hatte er nur nasse Füße. Doch als er wieder zurück wollte, kam er schon nicht mehr durch“, erzählt Häublein. Die Wehr musste ihn mit dem Boot retten. „Wir kamen damit ohne Probleme über den Gartenzaun und konnten am Balkon festmachen.“ Und es sollte noch schlimmer kommen.

Die vollständige Evakuierung des Ortes stand bevor. Die Treffpunkte waren schon festgelegt: für die Roitzschjoraer am Flugplatz und für die Löbnitzer an der Schule. Eine weitere Schreckensmeldung machte die Runde: Der Damm zwischen dem Seelhausener See und dem Poucher See sollte gesprengt werden, um Bitterfeld zu retten, dann hätt Löbnitz eine Flutwelle erreicht. Dieser Diskussion machte die Mulde selbst ein Ende. Sie brach sich den Weg durch die Straße nach Pouch, flutete die Goitzsche, der Pegel in Löbnitz fiel. Zumindest in den bisher gefluteten Teilen. Denn drei Tage später kam dann das Nass von der anderen Seite, aus den ehemaligen Tagebauseen und setzte einen Teil des Ortes immerhin noch einige Zentimeter unter Wasser.

Mit bis zu 70 Leuten war die Löbnitzer Feuerwehr 14 Tage lang im Einsatz. “15 Männer waren sogar bis zu vier Wochen voll im Hochwassereinsatz. Auch die Jugendfeuerwehr half bei den Aufräumarbeiten. Aber als das Wasser so zwischen dem 18. und 20. August durch war, dachten wir nicht, dass alles im Dorf so schnell wieder hergestellt sein wird“, blickt Wohlschläger zurück. „Wir hatten kolossale Unterstützung, es ist jede Menge an Hilfe passiert.“

Heike Liesaus

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