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„Wir sind stark im Sprüche-Klopfen" - BUND fordert Rückbesinnung zu intakten Auwäldern

„Wir sind stark im Sprüche-Klopfen" - BUND fordert Rückbesinnung zu intakten Auwäldern

Auwälder statt Maisfelder: Zehn Jahre nach der Jahrhundertflut an Elbe und Nebenflüssen sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schwere Versäumnisse beim Hochwasserschutz.

Dresden. „Wir sind stark im Sprüche-Klopfen und beim technischen Hochwasserschutz - aber ein Entwicklungsland, wenn es um den vorbeugenden Hochwasserschutz geht“, sagte BUND-Vorsitzender Hubert Weiger in Dresden.

Die Naturschutzorganisation wirft der Politik vor, falsche Prioritäten zu setzen. Statt immer höhere Dämme zu errichten, sollten die Flüsse mehr Raum erhalten. Zudem müssen die Bebauung von Flussauen endlich aufhören.

Nach Ansicht Weigers muss sich Deutschland auf einen ökologischen Hochwasserschutz fokussieren. Dazu gehöre auch, Wälder und Äcker wieder als natürliche Wasserspeicher zu ertüchtigen. Es gehe stets darum, das gesamte Einzugsgebiet eines Flusses zu betrachten.

Hochwasserschutz müsse an der Quelle der Flüsse beginnen. Schon vor dem Jahrhunderthochwasser habe die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe 35.000 Hektar als mögliche Flächen für Auen und die Rückverlegung von Deichen identifiziert. Aber nur weniger als fünf Prozent davon würden bisher den Flüssen zur Verfügung stehen. „Die Bilanz ist aus unserer Sicht ernüchternd.“

Weiger zufolge gibt die Bundesregierung pro Jahr zwar 40 Millionen Euro dafür aus, um die Schiffbarkeit der Elbe zu verbessern. Die Wasserstraßenbauverwaltung des Bundes müsse aber vielmehr zu einer „Wiedergutmachung- und Flussschutzverwaltung“ werden. „Es gibt hervorragende Konzepte. Aufgrund knapper Haushalte bleiben sie aber oft nur Papier.“

Auch BUND-Flussexperte Winfried Lücking warf dem Bund und den Anrainern der Elbe vor, die Rückverlegung von Deichen nur schleppend zu vollziehen. Von 33 festgelegten Projekten seien bis heute nur fünf umgesetzt und eines im Bau. Alle anderen seien aus der Planungsphase bisher nicht herausgekommen.

Lücking warnte davor, den Anwohnern mit höheren Dämmen Sicherheit zu suggerieren. „Wir haben keine Sicherheit hinter hohen Deichen. Wir brauchen mehr Raum für den Fluss.“ Gerade Brandenburg setze auf technischen Schutz und habe inzwischen die höchsten Deiche errichtet.

Das Wasser, was in Brandenburg nicht über den Deich könne, fließe dann aber in Sachsen-Anhalt darüber hinweg. „Die Länder haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Es fehlt der politische Wille, das umzusetzen, was man damals vereinbart hat“, so Lücking. Sachsens BUND-Chef Wolfgang Riether macht dafür vor allem Lobbyinteressen der Bauindustrie und der Landwirtschaft verantwortlich.

Nach Darstellung von Weiger stellt sich der BUND nicht prinzipiell gegen technische Schutzmaßnahmen. Es gehe aber um das richtige Verhältnis. „Wir können den technischen Hochwasserschutz reduzieren, wenn wir mehr in den ökologischen investieren.“

Riehter empfahl der Verwaltung, mehr auf den Sachverstand der Bürger zu hören. So sei trotz Warnungen in Rochlitz bei Chemnitz eine Schutzmauer für die Mulde errichtet worden. Als bei einem Starkregen dann Wasser von den umliegenden Hängen herunterkam, habe es wegen der Mauer nicht in die Mulde abfließen können und zu Überschwemmungen geführt.

dpa

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