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Leipzig punktet im KWL-Prozess in London - 360 Millionen Euro stehen auf dem Spiel

Leipzig punktet im KWL-Prozess in London - 360 Millionen Euro stehen auf dem Spiel

Im Prozess der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) gegen die internationale Großbank UBS schlägt das Pendel jetzt zugunsten von Leipzig aus. In dem Verfahren am Royal High Court of Justice in London geht es um die finanzielle Zukunft der Messestadt - insgesamt 360 Millionen Euro, die der frühere Wasserwerke-Chef Klaus Heininger bei Finanzwetten vor acht Jahren verzockt hatte.

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Wasserwerke-Prozess gegen LBBW wird im Februar am Leipziger Landgericht fortgesetzt

Der Ex-Geschäftsführer der Kommunalen Wasserwerken Leipzig (KWL), Klaus Heininger.

Quelle: dpa

Leipzig. Zum Prozessauftakt vor zwei Monaten schien es noch so, als ob die UBS recht gute Karten hält. Ihr Anwalt, der frühere britische Lordkanzler Charles Falconer, hob in seinem Eröffnungsplädoyer hervor, die Bank habe von Heiningers Bestechlichkeit nichts geahnt. Dass der Ex-Wasserwerke-Chef 3,5 Millionen Euro Schmiergeld kassierte, dies sei dem Finanzkonzern aus der Schweiz in keinster Weise zuzurechnen.

Durch die Anhörung etlicher Zeugen - darunter vier aus Leipzig - stellt sich das inzwischen anders dar. Zwei ebenfalls beteiligte Gläubigerbanken wechselten gerade die Seite. Sie änderten ihre Klageerwiderungen dahingehend, dass den Schadenersatz für die gescheiterten Heininger-Deals nicht mehr die KWL, sondern UBS bezahlen soll. "Im Gerichtssaal spielen die Wasserwerke jetzt gemeinsam mit zwei Banken gegen UBS", sagte ein Prozessbeobachter. "Zuvor standen die KWL allein gegen drei."

Falsches Alibi

Anlass für diese Wende war ein Nachweis, dass ausgerechnet UBS-Banker Steven Bracy (welcher die Finanzwetten maßgeblich eingefädelt hatte) Heininger im Oktober 2006 dabei half, sich ein falsches Alibi zu beschaffen. Nach Enthüllungen in der LVZ liefen seinerzeit bei den Wasserwerken interne Untersuchungen gegen Heininger, denen sich alsbald Ermittlungen der Staatsanwaltschaft anschlossen. Die Vorwürfe lauteten, der Manager habe sich 2002 bis 2004 mit goldenen Uhren, Concorde-Flügen sowie Luxus-Reisen nach Dubai von den Finanzvermittlern Jürgen Blatz und Berthold Senf bestechen lassen. Was damals noch niemand ahnte: Blatz und Senf hatten auch die 3,5 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt.

Um den Dubai-Reisen (ins teuerste Hotel der Welt) angesichts der Ermittlungen im Nachhinein einen dienstlichen Anstrich zu verpassen, wandten sich Blatz und Senf Jahre später hilfesuchend an den UBS-Banker Bracy. Wie sich nun bei den Kreuzverhören in London herausstellte, half der tatsächlich. Er ließ durch seinen UBS-Vertrauten Richard Isgard ein entlastendes Schreiben für Heininger verfassen: Dessen Dubai-Reisen hätten nur Geschäftszwecken gedient. Isgard bestellte zudem für eine Nacht in New York mit Bracy, Blatz und Senf vier "Stripperinnen", die 5600 Dollar kosteten.

Leipziger Zeugen zuversichtlich

Aus Sicht der KWL und der Gläubigerbanken (LBBW und Depfa) war UBS also im Zeitraum der Millionen-Finanzwetten bereits bekannt, dass Heininger unter dringendem Korruptionsverdacht stand. Erst vor zwei Tagen beteuerte ein Zeuge der Depfa, seine Bank hätte sich niemals an den Mega-Deals beteiligt, wenn sie von UBS darüber unterrichtet worden wäre. Die Kreuzverhöre enden nächste Woche.

Die Leipziger Zeugen hatten in London ein gutes Gefühl. Ex-KWL-Technik-Geschäftsführer Andreas Schirmer sagte danach: "Ich habe meine Pflicht mit hoher Konzentration erfüllt und das macht mich froh." Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD) lobte: "Der Richter war sehr gut informiert."

Jens Rometsch

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