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10.000 Menschen besuchen Auftakt des Katholikentags in Leipzig

Kirchenfest in der Diaspora 10.000 Menschen besuchen Auftakt des Katholikentags in Leipzig

Ausgelassene Stimmung bei der Eröffnungsparty des 100. Deutschen Katholikentages gestern Abend auf dem Markt: Rund 10.000 Gläubige schwenken grüne Schals freuen sich über die Rede von Bundespräsident Joachim Gauck und klatschen frenetisch Beifall, als der Papst seine Videobotschaft beendet.

Die Auftaktveranstaltung zum Katholikentag auf dem Leipziger Markt lockte zwischen 8000 und 10.500 Menschen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), das diesen Jubiläums-Katholikentag ausrichtet, guckt zufrieden drein. Er lässt auch an diesem Tag nicht nach in seinem Bemühen, die Messestädter einzufangen: „Leipzig ist eine faszinierende Stadt, sie ist lebendig, jung und dynamisch. Danke, liebe Leipziger, für Ihre Gastfreundschaft“, ruft Sternberg der gläubigen Menge auf dem Platz und den kritisch dreinblickenden Passanten am Rande des Marktes zu. Sodann bittet der CDU-Landtagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen, die Leipziger mögen nunmehr, da RB in die Bundesliga aufgestiegen ist, den Blick auf die Katholiken richten. Allgemeines Gelächter. „Lernen Sie uns kennen“, fordert Sternberg die Menschen vor Ort auf. Von denen sind bekanntlich nur 4,3 Prozent katholisch, rund 80 Prozent gehören gar keiner christlichen Konfession an.

Ani Müller, kaufmännische Angestellte aus Eutritzsch, und ihre Freundin Conny Ballack (29) aus Gohlis nehmen just in diesem Augenblick entspannt einen Strohhalm aus der Erdbeerbowle und essen Zucchini-Auflauf im benachbarten Spizz. Beide sind nicht getauft, gehören also keiner Kirche an. Zufällig sitzen sie aber auch nicht auf dem Kneipen-Freisitz. Sie sind neugierig auf die Leute, die bis Sonntag die Leipziger Innenstadt fest im Griff haben werden. „In unserer Familie sind wir mit dem Thema Religion nie in Berührung gekommen“, erzählt Ani Müller. Als Atheist bekenne sie sich durchaus zu ihren Vorurteilen. „Aber ich muss sagen, die Stimmung hier ist super. Auf jeden Fall friedlicher als bei einem Fußball-Spiel“, witzelt die 28-Jährige.

Auch Atheisten besuchen den Katholikentag

Das möchte sein, schließlich legen Christen Wert auf Toleranz, Gerechtigkeit und Menschenwürde – nicht nur in der Flüchtlingsfrage. Das geht aus nahezu allen Reden hervor, die an diesem Abend gehalten werden. „Wir wollen an einer gerechten Gesellschaft mitwirken“, betont ZdK-Chef Sternberg. „Als Geschöpfe des einen Gottes sind wir Katholiken mit allen geschwisterlich verbunden – mit anderen Christen, mit Anders-Gläubigen und mit Nicht-Gläubigen.“ Viel Zustimmung erhält er aus dem erwartungsfrohen Auditorium für den eindringlichen Satz: „Die Würde des Menschen ist nicht verhandelbar.“

Um 18.28 Uhr passiert es, der Leipziger Katholikentag geht nach zweijähriger Vorbereitungszeit an den Start. Andreas Kutschke, der Diözesanadministrator des einladenden Bistums Dresden-Meißen, spricht aus, was katholische Männer schon 1848 beim ersten Treffen dieser Art in Mainz ausriefen und was seither bei jeder Eröffnung eines Katholikentages den Himmel erreicht: „Gelobt sei Jesus Christus.“ Die Markt-Gemeinde antwortet: „In Ewigkeit. Amen.“ Jubel.

Zum Auftakt des Katholikentages in Leipzig haben sich zwischen 8000 und 10.500 Menschen auf dem Leipziger Markt versammelt. Neben dem Papst sprach auch Bundespräsident Joachim Gauck zur versammelten Menge. (Bilder: André Kempner)

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Jetzt ist es an Bundespräsident Gauck, sich zu freuen – nämlich darüber, als Protestant und einstiger Pfarrer in Rostock ein katholisches Glaubensfest eröffnen zu dürfen. „Wie schön, dass das heute möglich ist. Und wie schön, dass 168 Jahre nach dem ersten Katholikentag heute ganz selbstverständlich so viele Frauen dabei sind und sich niemand mehr darüber wundert.“ Das sei für ihn gelebte Ökumene, so Gauck. Wieder Jubel. „Geschichte kann sich halt auch in eine gute Richtung entwickeln. In die von Verständnis und Versöhnung.“

Gauck mahnt die Zuhörer, trotz der vielen Krisenmeldungen nicht zu verzagen: „Die Welt liegt im Argen, aber da muss sie nicht liegenbleiben“, zitiert er einen seiner Amtsvorgänger, den verstorbenen Johannes Rau. Der Auftrag für die Menschen in Leipzig und in ganz Deutschland sei: „Wir müssen die Welt zu einem besseren Ort machen.“

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) findet das auch. Er erhofft sich von dem Treffen der katholischen Laien, „dass von Leipzig das klare Signal ausgeht: Wir sind ein weltoffenes Land. Hilfe muss sein.“

Für eine kleine Schmonzette sorgt der MDR, der ausgerechnet bei der gesungenen Mendelssohn-Bartholdy-Mottete „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ seine Live-Übertragung beendet. Bei der Liedzeile „Denn der Herr ist freundlich und seine Gnade währet ewig“ ist Schluss. Im Programm folgt das Sandmännchen.

Olaf Majer, Dominic Welters und Melanie Steitz

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