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"Ehe für alle?": Podiumsdiskussion zum Katholikentag in Leipzig

Homosexuelle Paare fordern Öffnung "Ehe für alle?": Podiumsdiskussion zum Katholikentag in Leipzig

Auf den ersten Blick würde der Rheinländer sagen, dass Stefan Kaufmann „gut katholisch“ ist. Auf den zweiten Blick tut die Kirche es nicht. Kaufmann, CDU-Bundestagsabgeordneter, stammt aus einem katholischen Elternhaus, lebt den Glauben tagtäglich, ist aber schwul.

Katholikentag in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Auf den ersten Blick würde der Rheinländer sagen, dass Stefan Kaufmann „gut katholisch“ ist. Auf den zweiten Blick tut die Kirche es nicht.

Kaufmann, CDU-Bundestagsabgeordneter, stammt aus einem konservativen katholischen Elternhaus, lebt den Glauben tagtäglich, ist aber schwul. Vergebens wünschte er sich für seine eingetragene Lebenspartnerschaft den göttlichen Segen durch einen Bischof der römisch-katholischen Kirche. Der Politiker, dessen Partner konvertierte, hat zwar nach altkatholischem Ritus geheiratet, das löst aber nicht das Grundproblem: Sollten homosexuelle Paare heiraten dürfen? Soll es eine Ehe für alle geben? Dies beschäftigte die gestrige Podiumsrunde im Saal der gut gefüllten Gutenbergschule.

Immer wieder kamen Katholiken hinzu, um sich die Diskussion anzusehen. Neben Kaufmann waren Moraltheologe Franz-Josef Bormann, Pädagogin und Familienrechtlerin Michaela Freifrau von Heeremann und Manuela Sabozin, Sozialarbeiterin und Mitglied des Netzwerks Katholische Lesben zu Gast. Eine gute Besetzung für ein lebhaftes Streitgespräch, das dann auch schnell in Gang kam. Dazu trugen auch die Fragen aus dem Publikum bei.

Enttäuscht von der katholischen Kirche

Schnell wurde in der Debatte klar: Sabozin und Kaufmann sind von der katholischen Kirche enttäuscht, fühlen sich wie der Stachel im Fleisch der Katholiken. „Seit ich denken kann, empfinde ich lesbisch“, erzählt Sabozin. Lange habe sie versucht, so zu sein, wie es von ihr erwartet wurde. 17 Jahre lang lebt sie in einer eingetragenen Partnerschaft und hätte dabei gern Gottes Segen. „Kirche braucht mehr Heimaten für Minderheiten“, fordert sie. „Autos und Hunde werden gesegnet, aber gleichgeschlechtliche Paare nicht“, kritisiert sie.

Heeremann, sechsfache Mutter, wehrt sich jedoch „gegen eine Sprache, die versucht zu lügen.“ Liebe, Lust und Reproduktion seien Bestandteile einer Ehe. Letzteres fehle aber in der gleichgeschlechtlichen Beziehung und daher müssten die Begriffe auseinandergehalten werden. Außerdem fürchtet sie, dass verheiratete homosexuelle Paare dann Kinder adoptieren dürften. „Kinder brauchen Vater und Mutter“, findet sie.

Homosexuelle Paare fordern Öffnung

Sabozin charakterisiert die Ehe anders: „Zwei Menschen, die auf Dauer Verantwortung in guten und schlechten Tagen übernehmen.“ Das könnten homosexuelle Paare genauso. „Wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert, die Medizin ist so fortgeschritten“, sagt sie. Auch eine Partnerschaft zwischen Mann und Frau sei kein Garant für die Fruchtbarkeit in der Ehe: Viele verheiratete Paare könnten ebenfalls keine Kinder zeugen.

„Ich wünsche mir, dass die Kirche sich öffnet“, resümiert sie. Warum sich die Kirche mit einer homosexuellen Ehe schwertut, sieht Bormann, in den Ursprüngen gesellschaftlichen Zusammenlebens und im Alten Testament. Die Wahrnehmung von schwulen und lesbischen Paaren habe sich aber gewandelt, so Kaufmann. Er sieht die Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz in der Pflicht, eine pastorale Begleitung für homosexuelle Paare, die heiraten möchten, einzuführen. Im Herbst wird die Kommission neu besetzt. Ein Hoffnungsschimmer.

Melanie Steitz

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