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Kein Platz für die AfD auf Katholikentag: Ausladung in Leipzig sorgt für Streit

Politischer Wirbel vor Beginn des Glaubensfestes Kein Platz für die AfD auf Katholikentag: Ausladung in Leipzig sorgt für Streit

Ist die AfD eine Bedrohung für das Christentum? Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht das so und hat die umstrittene Partei ausdrücklich nicht zum Katholikentag eingeladen. In Leipzig stößt die Ausladung auf Pro und Contra: CDU-Fraktionsgeschäftsführer Ansbert Maciejewski wirft dem ZdK „Fehlende Souveränität“ vor.

Die Bühne für den Katholikentag ist bereitet. Für die AfD wird allerdings kein Platz sein, zu den politischen Podien wurde die Partei ausdrücklich nicht eingeladen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Katholikentag in Leipzig beginnt am Abend mit einer Party am Markt. Doch schon vor der Eröffnung sorgt das Glaubensfest für politischen Wirbel. Grund ist die Ausladung der umstrittenen Partei AfD von allen Podien und politischen Streitgesprächen auf dem 100. Katholikentag. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Veranstalter des Festes in Leipzig hatte bereits im Vorjahr beschlossen, dass kein AfD-Spitzenpolitiker bei den Podien des Katholikentages dabei sein soll. ZdK-Präsident Thomas Sternberg verteidigt die Entscheidung. „Menschen auf ihre nationale Zugehörigkeit zu reduzieren, das ist unchristlich“, so Sternberg in der Kirchenbeilage der „Zeit.“ Menschenverachtende Positionen hätten auf dem Katholikentag keinen Platz: „Ich lese das AfD-Programm und finde Ressentiments an jeder Ecke.“

CDU-Stadtrat Maciejewski: „Keine kluge Entscheidung“

In Leipzig sorgt die Ausladung der AfD für reichlich Gesprächsstoff. Ansbert Maciejewski, Geschäftsführer der CDU-Stadtratsfraktion, kann die Entscheidung nicht verstehen. „Die Aufgabe von Kirche ist Dialog und nicht Ausgrenzung“, sagt er und wirft dem ZdK „fehlende Souveränität“ vor. Zudem sei es ambivalent, einerseits Themen der AfD wie Angst vor dem Islam oder die Flüchtlingskrise auf dem Katholikentag aufzugreifen, Vertreter der AfD aber zu den politischen Debatten ausdrücklich nicht einzuladen. „Wenn sich der Katholikentag schon auf politisches Parkett begibt, dann muss er auch Konflikte aushalten. Das habe ich als Katholik in der DDR anders gelernt: Als Christ habe ich mich den Herausforderungen zu stellen und nicht möglichen Konflikten auszuweichen“, sagt Ansbert Maciejewski. Die AfD-Ausladung sei „keine kluge Entscheidung“ des Katholikentagsveranstalters gewesen.

Anders sieht das Nikolaus Legutke, Vorsitzender des Diözesanrats des Bistums Dresden-Meißen. Der Chef des obersten Laiengremiums, der in Markkleeberg wohnt, hält die ZdK-Entscheidung für alternativlos. „Aufgaben von uns Christen ist es, Menschen mit all ihren Sorgen und Problemen ernst zu nehmen und ihnen zu helfen. Daher kann es nicht die Aufgabe des Katholikentages sein, ausgerechnet AfD-Spitzenpolitiker zu politischen Podien einzuladen, die die Sorgen und Ängste von Menschen erst schüren“, sagte Legutke dem MDR.

Der Leipziger AfD-Kreisverbandschef Siegbert Droese empfindet „Mitleid“ mit dem ZdK-Präsidenten Sternberg und dessen Begründung der AfD-Ausladung vom Katholikentag. In einer Mitteilung Droeses heißt es: „Glaubt man der Überlieferung, so hat sich Jesus Christus mit allen Menschen verständigt, gleich welchem Stand oder Sündenlast. Mit seinem vorsätzlichen Entschluss, AfD-Politiker von Diskussionsveranstaltungen von vornherein auszuschließen, verhält sich Sternberg zu tiefst gegen den Geist von Jesus Christus, ja geradezu antichristlich.“

 

Sternberg: „AfD legt Axt an die Wurzel religiöser Ordnungen“

ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte zuvor bei einer Tagung des Katholikentagsveranstalters am Dienstag nachgelegt: Die religionspolitische Programmatik der AfD greife auch die Christen im Land an, so seine Einschätzung. Durch die entsprechenden Stellen im Grundsatzprogramm der Partei fühlten sich die Katholiken „ebenso bedroht“ wie islamische Glaubensgemeinschaften, sagte der ZdK-Präsident. Die AfD lege die „Axt an die Wurzel“ einer religionsfreundlichen Ordnung. Die AfD sei eine Partei der „Vereinfacher“, deren Köpfe zu den aktuellen Problemen nichts Konstruktives beizutragen hätten und sich zudem häufig „extrem feindlich“ äußerten. Außerdem würden die Teilnehmer auf den Podien ohnehin nicht „nach dem Prinzip von Talkshows“ - also einer möglichst großen Konfrontation - zusammengestellt.

AfD-Vize Gauland: „Ich bekämpfe das Programm der Kirchen“

Die AfD fühlt sich durch diese schroffe Ablehnung provoziert und kritisiert die ZdK-Entscheidung scharf. „So einen simplen Fehler hätte ich dem Katholikentag nicht zugetraut“, sagte AfD-Vize Gauland. „Doch Ausgrenzungen haben uns immer nur stärker gemacht.“ Er bekräftigte die Ablehnung der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und kritisierte die Haltung der Kirchen dazu: „Wenn diese Flüchtlingspolitik das Programm der Kirchen ist - dann gebe ich offen zu: Ich bekämpfe das Programm der Kirchen.“ Die AfD sei keine christliche Partei - „wir sind eine deutsche Partei, die sich bemüht, deutsche Interessen wahrzunehmen“, sagte Gauland.

Kritik an der AfD-Ausladung kam aber auch aus der Bundesregierung. So warb Kulturstaatsministerin Monika Grütters noch am Dienstag kurz vor Beginn des Christentreffens dafür, mit der AfD zu reden und mit ihr zu streiten, „wo immer es sein muss“. „Problematisches Gedankengut muss man als solches entlarven, im Gespräch und auch auf offener Bühne“, betonte die CDU-Politikerin.

AfD-Reizthemen werden auch in Leipzig besprochen

ZdK-Chef Sternberg hatte in einem LVZ-Gespräch vor einigen Wochen zwar eingeräumt, dass auch der Katholikentag keinen Bogen um die Reizthemen machen könne, die der AfD zuletzt beachtliche Wahlerfolge beschert hatten. Man werde in Leipzig auch die Fragen aufgreifen, die AfD-Sympathisanten und -Wähler bewegen. „Etwa bei den Themen Flüchtlinge und Integration oder wenn es um Nationalstaatlichkeit und Europa geht“, so Sternberg. Dennoch bleibe es bei der klaren Abgrenzungsstrategie: „Eins steht fest: Dieser Ka­tholikentag wird kein AfD-Katholikentag.“

Von Olaf Majer

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