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Signale an Flüchtlinge und Nicht-Christen: Diskussionen zum Katholikentag

Großveranstaltung in Leipzig Signale an Flüchtlinge und Nicht-Christen: Diskussionen zum Katholikentag

Worüber werden Zehntausende Besucher auf dem 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig vom 25. bis 29. Mai diskutieren? Über Politisches und Gesellschaftliches wie Flüchtlinge, Integration, Rechtsextremismus und gerechtes Wirtschaften, ist im Vorfeld zu hören.

Zwei Frauen verpacken am 18.05.2016 Programme vom Katholikentag in der Geschäftsstelle in Leipzig (Sachsen) für den Postversand.

Quelle: dpa

Leipzig. Die Reizthemen der vergangenen Katholikentage scheinen an Aufmerksamkeit verloren zu haben. Um den Missbrauch durch Priester und Erzieher sowie die damit verbundene tiefe Vertrauenskrise ist es ruhiger geworden, die Aufregung über den Finanzskandal des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst scheint fast vergessen, und das Papstschreiben zum katholischen Familienbild ist weitgehend wohlwollend aufgenommen worden. Worüber werden Zehntausende Besucher auf dem 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig vom 25. bis 29. Mai diskutieren?

Über Politisches und Gesellschaftliches wie Flüchtlinge, Integration, Rechtsextremismus und gerechtes Wirtschaften, ist im Vorfeld zu hören. Das Motto „Seht, da ist der Mensch“ passt dazu , auch weil die kirchliche Großveranstaltung in einem weitgehend säkularisierten Landstrich gastiert. Im Osten Deutschlands war der Katholikentag seit der Wende bislang nur 1990 in Berlin und 1994 in Dresden zu Gast. Nun solle der Jubiläums-Katholikentag bewusst in eine Stadt kommen, in der 80 Prozent der Einwohner konfessionslos und 4,3 Prozent Katholiken seien, sagte der damalige Bischof vom Bistum Dresden-Meißen und heutige Berliner Erzbischof, Heiner Koch, schon im Oktober 2013.

Zum Themenspektrum Flüchtlinge gehören Podien mit Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) diskutiert in der Region, die durch „Pegida“ und „Legida“ in den Schlagzeilen war und immer noch ist, über „Aufstehen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“. Abgesagt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die über nachhaltige Entwicklungsziele reden sollte. Sie ist beim G-7-Gipfel in Japan.

Für Aufmerksamkeit sorgte Anfang Februar die Ankündigung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, das die Katholikentage organisiert, dass Politiker der AfD nicht auftreten dürfen - wenige Tage nach den Äußerungen von AfD-Politikern über den Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge. Inzwischen erntet auch der Anti-Islam-Kurs Empörung.

In Leipzig sollen der Islam und der interreligiöse Dialog eine wichtige Rolle spielen. Die traditionell am Tag vor der Katholikentagseröffnung tagende Vollversammlung des Zentralkomitees will die Diskussion mit der Erklärung „Religion und Gewalt - Christen und Muslime als Anwälte des Friedens“ eröffnen, in der sich laut Ankündigung beide Religionen gegen religiös motivierte Gewalt aussprechen wollen.

Der Dialog mit den Protestanten läuft im Jahr vor dem 500. Reformationsjubiläum in geordneten Bahnen auf vielen Ebenen. Mit dabei auch die obersten Repräsentanten beider Kirchen: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wagen sich mit „Recht, Gerechtigkeit und Rechtfertigung“ an die ganz großen Themen.

Angesprochen werden sollen auch die, die mit Kirche gar nichts anfangen können. Unter dem Motto „Leben mit und ohne Gott“ lädt der Katholikentag in die Leipziger Stadtbibliothek, „niederschwellig und kostenlos“, wie Zentralkomitee-Präsident Thomas Sternberg sagt.

Eher am Rande stehen die Diskussionen der vergangenen Jahre. Christian Weisner von der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ bedauert das mit Blick auf die Familiensynoden in Rom, die damit verbundenen weltweiten Umfragen zur Sexualethik und das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“, in dem sich Papst Franziskus Anfang April für eine Annäherung der katholischen Lehre an die Sexualpraxis der Katholiken ausgesprochen hat.

Er wünsche sich, dass „der Katholikentag und das Zentralkomitee da noch aktiver werden“, sagte Weisner dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch zum Dialog zwischen Bischöfen und Laien wünscht sich Weisner „noch mehr den Franziskus-Effekt und ein Mitentscheiden des Kirchenvolkes“. Für ZdK-Präsident Sternberg hingegen wird der Dialogprozess „eine ganz große Rolle“ spielen. Er verweist ebenfalls auf Franziskus und dessen Plädoyer für eine synodale Kirche.

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