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Eine Million für den Katholikentag in Leipzig? Zentralkomitee-Sprecher nimmt Stellung

Eine Million für den Katholikentag in Leipzig? Zentralkomitee-Sprecher nimmt Stellung

Die Ankündigung hat zigfachen Protest laut werden lassen. Und auch nach der Entscheidung des Stadtrates vom Mittwoch, das Thema erst nach der Sommerpause abschließend zu behandeln, beruhigen sich die Gemüter nur langsam.

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Eine Million Euro von der Stadt Leipzig für den 100. Katholikentag? Dagegen gab es in der City Protest.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Erwägung der Rathausspitze, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) bei der Ausrichtung des 100. Deutschen Katholikentages in Leipzig im Jahr 2016 mit einer Million Euro zu unterstützen, stößt bei vielen Messestädtern weiter auf heftige Kritik. Wie aber denkt das Zentralkomitee in Bonn über die Signale aus Leipzig? Ein Interview mit ZdK-Pressesprecher Theodor Bolzenius (58).

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: Die Piraten-Partei hat soeben das 11. Gebot unter die Leipziger gebracht: "Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!" Wie finden Sie diese Erweiterung der Zehn Gebote?

Theodor Bolzenius

(lacht): Das Motto ist witzig und knüpft an eine biblische Tradition an. Das finde ich zunächst einmal prima.

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Theodor Bolzenius, Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Quelle: ZdK

Was finden Sie weniger prima?

Das 11. Gebot der Piraten liest sich so, als ob ein Teil der aktuell 24,1 Millionen Katholiken in Deutschland in Leipzig unter sich bleiben und kirchliche Selbstdarstellung pflegen wollte. Das genau wird nicht geschehen. Eine katholische PR-Maßnahme oder eine großangelegte Mission sind ebenfalls nicht geplant. Der Katholikentag ist vielmehr eine Veranstaltung, die dem gesellschaftlichen Dialog dient, der Auseinandersetzung der Kirche mit der Gesellschaft und umgekehrt. Das ist seit 1848 guter Brauch.

Warum aber sollen Bund, Freistaat Sachsen und Kommune zusammen fast die Hälfte des 9,9-Millionen-Etats aufbringen?

In der Bundesrepublik Deutschland werden Veranstaltungen, die den gesellschaftlichen Diskurs voranbringen, unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzip gefördert. Das war in diesem Jahr beim Katholikentag in Regensburg so und auch 2012 beim Mannheimer Treffen. Das ist seit Jahrzehnten gängige Praxis.

Leipzig wird teurer als der Regensburger Katholikentag. Sie legen noch mal 1,3 Millionen Euro drauf. Weshalb das?

Die Veranstaltung 2016 steht unter dem speziellen Gesichtspunkt eines Jubiläums. Es ist der 100. Katholikentag. Die Entscheidung, dieses besondere Ereignis in Leipzig zu feiern, beruht auf der Erkenntnis, dass uns diese Stadt viel über die Zukunft unseres Landes erzählt. Eine geschichtsträchtige, eine moderne, eine kulturell sehr lebendige Stadt. Eine Stadt, die wie geschaffen ist, über die Gesellschaft im 21. Jahrhundert nachzudenken. Und außerdem eine Stadt, die uns als Kirche den Spiegel hinhält.

In dem entdecken Sie 24 500 römisch-katholische Leipziger - 4,5 Prozent der Stadt-Bevölkerung, Tendenz ob der Zuzüge leicht steigend. Das dürfte Sie auf den deutschlandweit schwindenden Einfluss der Kirche bringen. Wie düster ist die Zukunftserwartung, wenn Sie Ihr Jubiläum lieber in der Diaspora statt in einer katholischen Hochburg feiern?

Wir sind uns darüber im Klaren, dass unsere Kirche künftig nicht mehr die Mehrheit der Gesellschaft abbildet. Wir werden weniger. So gesehen proben wir in Leipzig den Ernstfall. In der Diaspora liegt aber auch eine Chance. Wir entdecken die urkirchlichen Wurzeln wieder.

Zurück zum schnöden Mammon. Viele stoßen sich an der Höhe der Zuwendung.Hat Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) dem ZdK die umstrittene Million zugesagt oder ist über konkrete Summen gar nicht gesprochen worden?

Es hat zunächst Beratungen mit dem Bistum Dresden-Meißen gegeben, von dem ja auch ein Zuschuss kommt. Dann mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und dem Leipziger Oberbürgermeister. Diese Gespräche sind alle nach dem Motto geführt worden: "Können Sie sich vorstellen, dass wir einen Katholikentag in Leipzig machen und würden Sie uns dabei unterstützen?" Was folgte, war die Gegenfrage nach der Art der Unterstützung. Wir haben dann unsere finanziellen Wünsche genannt.

Die wie lauteten?

Wir haben den Freistaat Sachsen um drei Millionen Euro gebeten und die Stadt Leipzig um eine Million Euro.

Und damit war das Ganze für Sie in Sack und Tüten?

Wir machen so etwas ja nicht zum ersten Mal, wie die Zahl 100 unterstreicht, und wissen sehr wohl, dass es in einer parlamentarischen Demokratie Gremien gibt, die letztlich über die finanziellen Ausgaben eines Bundeslandes oder einer Kommune zu befinden haben. Wir haben unsererseits, das möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, Wünsche genannt. Und wir hoffen jetzt, dass es so kommt. Die Zahlen, die wir vorgelegt haben, sind schließlich nicht aus der Luft gegriffen.

Was passiert, wenn der Leipziger Stadtrat die Summe reduziert oder einen Zuschuss ganz verweigert?

Um der Bedeutung dieses Katholikentages gerecht werden zu können, haben wir die besagten Summen genannt. Sollten wir am Ende weniger Mittel zur Verfügung haben, können wir das Ereignis in Deutschland weniger prominent positionieren - und damit auch weniger für das Image des Landes und der Stadt tun.

Klingt ein wenig nach Erpressung.

Um Gottes Willen! Kein Mensch denkt daran, nicht nach Leipzig zu gehen, sollte es weniger oder gar kein Geld geben.

Das Gros der Leipziger lebt kirchenfern und areligiös. Wie wollen Sie für Ihr Großereignis eine gewisse Akzeptanz bei den Menschen erwirken?

Wir wollen bewusst machen, dass es sich nicht um eine Veranstaltung d e r Kirche handelt, sondern um ein Treffen der deutschen Laien innerhalb der katholischen Kirche. Das Zentralkomitee vertritt also, wenn Sie so wollen, die "normalen" Gläubigen, nicht die sogenannte Amtskirche. Darum steht auch kein Bischof an der Spitze, sondern unser Präsident Alois Glück. Wir führen den Katholikentag in Eigenverantwortung durch. Darum beschließt die Vollversammlung des ZdK, wohin wir gehen und wie das Leitwort, die Botschaft des Katholikentages, lauten wird.

Von Marketingaspekten war bereits die Rede. Wie steht es um den Wirtschaftsfaktor Katholikentag?

Gehen Sie davon aus, dass jeder Katholikentagsteilnehmer im Schnitt 35 Euro pro Tag in der Stadt lässt. Da kommt bei rund 35 000 Dauerteilnehmern wie zuletzt in Regensburg an fünf Tagen eine nette Summe zusammen. Und die Übernachtungen sind dabei noch nicht mitgerechnet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.07.2014

Interview Dominic Welters

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