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„Für die Menschen, nicht für die Gottesdienste“

Chorweiler Glocke „Für die Menschen, nicht für die Gottesdienste“

Zum 100. Katholikentag reist die Chorweiler Glocke bis nach Leipzig. Jeder Interessierte darf dann die Chorweiler Friedensglocke mit einem Gummihammer auf der Katholikentagsmeile selbst läuten.

Mobile Friedensglocke aus Köln-Chorweiler: Sie ist einer der Höhepunkte des diesjährigen Katholikentags und kann durch ihren Wagen überall spontan hinkutschiert werden.

Quelle: Marcel Soppa

Leipzig. „Guck mal, ist das nicht der Mann mit der Glocke?“ Diese Frage hört Pastor Ralf Neukirchen im Kölner Stadtteil Chorweiler im Vorbeigehen. Er ist dort zu der Zeit noch gar nicht lange Pfarrer – doch schon bekannt. Einen großen Anteil daran trägt seine initiierte Aktion zum Guss einer mobilen Friedensglocke. Zum 100. Katholikentag reist diese sogar bis nach Leipzig.

Jeder Interessierte darf dann die Chorweiler Friedensglocke mit einem Gummihammer auf der Katholikentagsmeile selbst läuten. Auch zur Nacht der Mystik wird sie erklingen. „Wir können die Leipziger mit der Glocke überall besuchen“, frohlockt Schäfers. Denn es sei „eine Glocke für die Menschen, nicht für Gottesdienste“, bekräftigt sein Pastoralreferent Josef Schäfers. Auf einem Wagen transportieren die beiden und ehrenamtliche Kirchengemeindemitglieder die Glocke zu Veranstaltungen wie dem Stadtfest oder der Amtseinführung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Sogar die jüdische Gemeinde aus Chorweiler hat die Glocke schon ausgeliehen und an Chanukka geläutet.

„Beim Hören ist eine ganz andere Verbindung da, als wenn wir ein Schild mit der Aufschrift Frieden hochhalten“, urteilt Schäfers. Das archaische Musikinstrument sei ein schönes Modell, wie  die Kirchengemeinde als kleine Einheit dazu beiträgt, Menschen zu verbinden und zu bewegen. Anlass zum Guss der Glocke war die Heiligsprechung von Papst Johannes XXIII. am 27. April 2014, die mit einem Friedensfest gefeiert wurde. Der Papst ist Patron der Chorweiler Kirchengemeinde. Da die katholische Kirche keine eigene Glocke hatte, wollte Pfarrer Neukirchen eine gießen lassen – aber eine Glocke für die ganze Gemeinde, zum Anfassen.

Dabei ist der Stadtteil Chorweiler-Köln sehr multireligiös geprägt, gilt als sozialer Brennpunkt. „Im Grunde spiegelt sich hier der ganze Erdball wieder, die Tür an Tür friedlich zusammenleben. Wir sind als christliche Gemeinschaft eigentlich in der Minderheit.“, erzählt Neukirchen. 110 Nationen leben dort. „Was die Menschen hier alle verbindet, ist das gemeinsame Bedürfnis nach Frieden“, erzählt der Pfarrer. Auch Johannes XXIII. habe sich als Friedenspapst für die Verständigung verschiedener Religionen und Kulturen eingesetzt und dies in der Enzyklika „Parten in terris“ (Friede auf Erden) festgehalten. Daher die Chorweiler Friedensglocke.

Zum 100. Katholikentag reist die Chorweiler Glocke bis nach Leipzig. Jeder Interessierte darf dann die Chorweiler Friedensglocke mit einem Gummihammer auf der Katholikentagsmeile selbst läuten. (Fotos: Dirk Knofe)

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Am Tag des Friedensfests kamen die Chorweiler zusammen. Da die Form nicht in die Erde eingegraben werden konnte, wurde sie in einen Formkasten gestellt. „Um die Glockenform herum haben Kinder Heimaterde aus über 50 Nationen gefüllt“, so Schäfers. Diese Schicht aus Erde sei wichtig, damit das Metall nach dem Gießen langsam auskühlt und sich keine Rissen bilden. Die Form der Glocke heißt „Französische Rippe“ und verdankt ihren Namen dem geometrischen Aufriss. Dieser bestimmt Klangfarbe und Tonhöhe. Zwei Besonderheiten gibt es: Oben prangt der Spruch „Pacem in terris“ und auf dem Relief sind fünf Kinderhände abgebildet. Die Knirpse sind von verschiedenen Kontinenten und besuchen alle Chorweiler Kindertagesstätten.

Die Glocke war gegossen, die Weltgeschichte nahm ihren Lauf. Es eskalierte überall. Neukirchen initiierte daraufhin den Chorweiler Abendfrieden, bei dem auch Muslime Friedenssuren vortrugen. Städtische Vertreter, aus Juden, Muslimen, Aleviten, Orthodoxen und Christen bestehend, verfassten die Allgemeine Chorweiler Friedenserklärung. Insofern hat die Glocke etwas Nachhaltiges etabliert, ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das Beispiel finden Neukirchen Schäfers nachahmenswert. So gesehen wünschen sich beide mehr Friedensglocken in der Welt – auch wenn ihre mobil ist und jetzt erst einmal Leipzig beehrt.

Nacht der Mystik: 27.05., 21 Uhr, Pavillon der Hoffnung, Puschstraße 9, AK: 16 Euro. „Selber-Läuten-Dürfen“: 28.05. , 10-13 Uhr, Stand des Erzbistums Köln, Kirchenmeile des Katholikentages. Anfragen: Jederzeit unter 0172/ 21 43 862 oder gemeindepastoral@katholisches.koeln.

Von Melanie Steitz und Andrea Schulze

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