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„Gugge da!“: Meigl Hoffmann gibt Katholikentag-Besuchern Leipzig-Nachhilfe

100. Katholikentag „Gugge da!“: Meigl Hoffmann gibt Katholikentag-Besuchern Leipzig-Nachhilfe

Dass Leipzig „The better Berlin“ ist, hat sich ja schon herumgesprochen. Der nun stattfindende Katholikentag macht Leipzig für fünf Tage zum „The better Rom“. Das ist kein Zufall!

Macht sich Gedanken über sein Leipzig – und die Katholikentags-Gäste: Kabarettist Meigl Hoffmann.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Dass Leipzig „The better Berlin“ ist, hat sich ja schon herumgesprochen. Der nun stattfindende Katholikentag macht Leipzig für fünf Tage zum „The better Rom“. Das ist kein Zufall!

In den orthodox-atheistischen Zeiten der DDR erzählte man sich folgenden Witz: Der angekündigte DDR-Besuch des Papstes findet nun doch nicht in Ost-Berlin, sondern in Leipzig statt. Weil nur Leipzig alle Vorraussetzungen des Vatikans erfüllt – im Frühjahr eine Messe, im Herbst eine Messe und dazwischen Fastenzeit.

Nun ist die DDR Vergangenheit und Leipziger Messe ist, gefühlt, aller 14 Tage. Aber auf den Besuch des Papstes wartet Leipzig noch immer vergebens. Wie schön ist es doch, dass uns nun der Papst zum 100. Deutschen Katholikentag seine Abgesandten schickt, sozusagen als christliches Vorauskommando. Dabei steht Leipzig nicht im Ruf, Hochburg des Katholizismus zu sein. Der Fußball-Gott ist den meisten Leipzigern näher als der liebe Gott im Himmel. Aber der Leipziger glaubt an Wunder und mit der Friedlichen Revolution von 1989 hat er dieses Wunder selbst vollbracht. Hier ist man Protestierer und Protestant – und sollte sich doch mal ein Katholik zu erkennen geben, so fragt der Leipziger erstaunt: „Ach, Katholik? Aber zu Hause ist alles in Ordnung?“

 

Doch, lieber Katholikentags-Gast, lassen sie sich nicht beirren. Wir Leipziger sind vollendete Gastgeber und unsere maulige Herzlichkeit ist echt! Außerdem sind wir neugierig und freuen uns immer, wenn in der Stadt was los ist. Mit uns ins Gespräch zu kommen, ist keine Kunst, nicht ins Gespräch zu kommen, ist eine. Wir reden gerne über Gott und die Welt. Gut, was Gott betrifft, seid Ihr uns einen Schritt voraus.

Wenn sie dem Leipziger schmeicheln wollen, loben Sie die Schönheit seiner Stadt. Spätestens dann haben Sie uns. Denn der Leipziger ist stolz – auf seine Stadt, die Bauten, das Grün, die Seen. Aber tun Sie sich einen Gefallen: Erwähnen Sie nicht die neue katholische Kirche. Über deren Ästhetik geht die Leipziger Meinung nur in eine Richtung. Unserm Oberbürgermeister Burkhard Jung – Sie werden ihn sicherlich alle noch persönlich kennenlernen – gefällt sie gut. Und der hat den Durchblick, vielmehr die Draufsicht. Residiert unser OBM doch vis à vis der neuen Propsteikirche St. Trinitatis. Hier manifestiert sich die Trennung von Staat und Kirche nur durch den Martin-Luther-Ring.

Fragen Sie uns nach dem Weg! Sie bekommen einen Kurzvortrag über die Geschichte der Stadt, über RB Leipzig, über unsern Babyboom und über die weitere Entwicklung des Leipziger Wetters in den nächsten drei Wochen unter Berücksichtigung des Klimawandels und der Erdachsenverschiebung.

Wollen Sie uns richtig kennenlernen, laden Sie den Leipziger auf einen Kaffee ein! Kaffee ist unser Lebenselexier. Besteht der normale Mensch zu 80 Prozent aus Wasser, so besteht der Sachse zu 95 Prozent aus Coffein. Eigentlich sind wir ständig am „Kaffee-Nibbeln“, das nur hin und wieder durch lästige Tätigkeiten wie Umrühren, Lenken beim Autofahren oder Umblättern der Zeitung unterbrochen wird. Ein Satz prägt unser Leben: „Ohne Gaffee gönn mir nich gämpfen!“ Deswegen war das im Herbst ’89 auch eine „friedliche“ Revolution. Versuchen Sie das mal mit Muckefuck und Rondo ...

Sind Sie wirklich fest im Glauben, empfehle ich Ihnen den Besuch von Auerbachs Keller oder der schönen Mephisto-Bar. Hier hat schon der alte Doktor Faustus mit dem Teufel gebechert und darüber fabuliert, was die Welt im Innersten zusammenhält. Vielleicht kommt es ja auf diesem Wege zu einer Familienzusammenführung?

Wie dem auch sei. Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen. Wir freuen uns auf fünf ereignisreiche Tage. Wir freuen uns auf die „komischen Katholiken“. Der Sachse ist zwar helle, aber ein bisschen Erleuchtung kann niemals schaden. „Seht, da ist der Mensch“ – oder wie wir sagen würden: „Gugge da!“

Von Meigl Hoffmann (Leipziger Kabarettist, Sänger und Entertainer, der weit über die Stadt hinaus für seinen Humor bekannt ist)

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