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Kontroverse Debatte um Katholikentag in Leipzig

Kontroverse Debatte um Katholikentag in Leipzig

Beim LVZ-Leserforum zum Leipziger Katholikentag hat Stefan Vesper, der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), die Finanzierung des Laien-Treffens verteidigt.

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Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (l.) stellt sich beim beim LVZ-Leserforum Fragen von Olaf Majer, stellv. Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung, und des Auditoriums zum Katholikentag.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Zahlreiche Fragesteller aus dem Auditorium fühlten Vesper auf den Zahn - ein Rückblick auf den Diskussionabend.

Während der vom stellvertretenden LVZ-Chefredakteur Olaf Majer moderierten anderthalbstündigen Veranstaltung wurde der 58-jährige Gast nicht müde zu betonen, dass Katholikentage "für die Kommunen aus ökonomischer Sicht immer ein Erfolg gewesen sind". Im Laufe der teils hitzigen Debatte ging es vor allem um eins: ums liebe Geld.

Moderator Olaf Majer: Herr Vesper, vielleicht erläutern Sie uns zunächst einmal kurz, was es mit dem Katholikentag auf sich hat.

Stefan Vesper:

Ein solches Forum im Vorfeld eines Katholikentages ist für mich eine Premiere. Danke für die Einladung. Zunächst einmal: Katholikentage gibt es seit 1848, seit dem Jahr der Revolution. Manche Bischöfe sagen, sie haben bis heute etwas Revolutionäres an sich. Bei Katholikentagen treffen sich die organisierten Laien, trifft sich das normale Kirchenvolk, tauscht sich über die Fragen der Zeit aus. Alle dürfen reden. Es gibt Podien, Foren, natürlich auch Gottesdienste. Ein Katholikentag ist aber auch ein großes offenes Fest, ein Kulturereignis für Menschen aus ganz Deutschland.

Moderator Olaf Majer: Wir befinden uns hier in Sichtweite des Martin-Luther-Ringes. Daher gestatten Sie mir als Einstieg in die Diskussion zwei Thesenanschläge. These eins - Leipzig, stolze Bürgerstadt und überwiegend atheistisch geprägt, fremdelt mit dem Katholikentag. Es wäre besser gewesen, mit der 100. Auflage in eine katholische Hochburg zu gehen. Was halten Sie dagegen?

Stefan Vesper: Wir wollten endlich mal wieder in den Osten, waren zuletzt 1994 in Dresden. Und diesmal sollte es Leipzig sein, eine quirlige, unruhige und kritische Stadt. Der Dialog über die Themen der Gesellschaft verspricht gerade in Leipzig spannend und interessant zu werden.

Moderator Olaf Majer: These zwei - eine Million von der Stadt Leipzig, drei Millionen vom Freistaat Sachsen, 500 000 Euro vom Bund: Mancher empfindet die Zuschüsse durch die öffentliche Hand als schlechten Witz angesichts des Vermögens der katholischen Kirche, das gern mit rund 200 Milliarden Euro taxiert wird. Wie lautet hier Ihr Gegenargument?

Stefan Vesper: Das sind zwei ganz unterschiedliche Themen. Die Schätzung des Kirchenvermögens kenne ich, aber ich halte sie für unseriös. Katholische Kirche, das sind in Deutschland 27 Bistümer, mehrere hundert Ordensgemeinschaften, dazu viele andere Institutionen. Da komme ich schnell auf Milliarden-Beträge, doch wir katholischen Laien haben auf dieses Geld keinen Zugriff. Wir sind als Zentralkomitee vielmehr die Kirchensteuer-Zahler.

Moderator Olaf Majer: Aber von der bisher praktizierten Drittelfinanzierung - kirch- liche Zuschüsse, Gelder der öffentlichen Hand und Eigenmittel zu gleichen Teilen - haben Sie sich verabschiedet. Bund, Land und Stadt zahlen für Leipzig 2016 zusammen fast die Hälfte. Warum?

Stefan Vesper: Ich bin so etwas wie der Vater des Drittel-Gedankens und im Fall Leipzig ein unglücklicher Vater. Denn das Bistum Dresden-Meißen ist ein kleines, armes Bistum. Wir bekommen von Bischof Heiner Koch trotzdem 600 000 Euro. Zum Vergleich: Für den 99. Katholikentag in diesem Jahr in Regensburg hat das Bistum Regensburg 1,5 Millionen Euro bezahlt. Daher haben wir das Land Sachsen um etwas mehr Unterstützung gebeten. Von den Städten gab es 2014 in Regensburg eine Million, in Mannheim 2012 1,5 Millionen Euro. Um eine solch hohe Summe wollten wir Leipzig aber nicht bitten. Der Zuschuss in Höhe von einer Million Euro, den der Leipziger Stadtrat gebilligt hat, ist gut investiertes Geld. Ein Ereignis wie der Katholikentag mit 50 000 und mehr Teilnehmern stellt eine riesige Wirtschaftskraft dar. Mannheim zum Beispiel hat durch den Katholikentag neun Millionen Euro eingenommen. Ein Teilnehmer lässt täglich 35 Euro in der Gastgeber-Stadt.

Leser Helmut Bittner (76): Sind Sie, Herr Vesper, bereit sich dafür einzusetzen, dass 100 Bischöfe jeweils ein Montagsgehalt nach Leipzig überweisen. Dann haben wir die Million zusammen.

Stefan Vesper: Ich möchte gern mit der Leipziger Linken-Stadträtin Naomi-Pia Witte antworten. Die hat für die Zuwendung gestimmt. Und das wie folgt begründet: Ökonomisch gesehen ist der Katholikentag für die Stadt ein riesiger Gewinn. Und die Christen, evangelische wie katholische, leisten viel für unser Gemeinwohl. Das sehe ich genauso.

Piraten-Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann, Initiatorin des Bürgerbegehrens "(K)eine Million" (33): Seit mehr als 20 Jahren zieht das Wave Gothic Treffen Zehntausende Menschen aus dem In- und Ausland nach Leipzig. Das WGT bekommt kein Geld von der Stadt, unterhält keine teure Geschäftsstelle, hat kein eigenes Personal, das Sie, Herr Vesper, aus Regensburg mitgebracht haben, weshalb ich gern vom Katholikentagswanderzirkus spreche. Warum überlassen Sie die Million-Entscheidung nicht einfach den Leipzigern?

Stefan Vesper: Ihre Bemerkung zum Personal ist Unsinn. Ein kleiner Stamm von fünf, sechs Mitarbeitern ist aus Regensburg mitgekommen, ansonsten bauen wir die Besetzung des Katholikentagsbüros neu auf. Viele bekommen so Arbeit. Sie argumentieren auf Ihrer Website, nach dem Evangelischen Kirchentag 2009 in Bremen habe es Klagen gegeben, weil niemand gekommen sei. Auch das ist falsch: Tatsächlich hat die Hansestadt 20 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.11.2014

Dominic Welters

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