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Wise Guys: „Bei den Leipzigern geht eine richtige Party ab“

Konzert auf dem Augustusplatz Wise Guys: „Bei den Leipzigern geht eine richtige Party ab“

Die Wise Guys spielen beim Katholikentag in Leipzig. Band-Mitgründer Daniel „Dän“ Dickopf erklärt die Erfolgsgeschichte – und warum sich die Gruppe 2017 auflöst

Die Wise Guys singen beim Katholikentag in Leipzig. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Zum Katholikentag spielen die Wise Guys am Freitag live auf dem Augustusplatz. Im Interview erklärt Band-Mitgründer Dän, warum sie ein so großes Publikum auf Kirchentagen haben und was sie nach ihrer Zeit als A-cappella-Band vorhaben.

Sie kommen zum 100. Deutschen Katho­likentag nach Leipzig. Haben Sie dafür eine besondere Show geplant?

Wir planen nie eine besondere Show, wenn wir auf Kirchentagen sind, sondern packen zum aktuellen Programm noch ein paar von den Hits rein, die die Fans auf jeden Fall hören wollen. Die Stimmung ist auf den Katholikentagen immer großartig und das wollen wir unter­stützen, damit das eine richtig schöne ­Feier wird.

Woher kommt das Interesse, bei Kirchentagen aufzutreten?

Das ist irgendwie so ein bisschen von selber entstanden. Eingeladen worden sind wir von der Kindernothilfe, 2005 nach Hannover zum Evangelischen Kirchentag. Wir fuhren dahin und dachten: „Naja, mal gucken, da werden schon so zwei- bis dreitausend Leute hinkommen.“ Als das Konzert anfing, standen da sogar 35 000 Menschen. Was noch besser war als die reine Menge an Menschen, das war die Stimmung. Jeder hat mitgesungen. Zwei Jahre später war der Evangelische Kirchentag in Köln, ein Heimspiel für uns. Da kamen sogar 70 000 Menschen hin. Wir haben bei den Kirchentagen gemerkt, dass eine große Kompatibilität besteht. Wir sind keine christliche Band, wir wollen niemanden missionieren. Aber die grundsätzlichen Werte, also dass man offen miteinander umgeht, die Schöpfung achtet, sich schwächerer Leute annimmt, gerne Gutes tut, Lebensfreude hat, verbindet uns und die Besucher.

Katholikentag I

Fast 2000 Veranstaltungen zum Katholikentag. Ist da was für Sie dabei?

Spielen Sie auch noch beim Reformationsjubiläum 2017? Sie wollen sich nächstes Jahr ja auflösen.

Das ist zumindest im Gespräch, ich weiß nicht, ob das schon wirklich in trockenen Tüchern ist.

Was fasziniert Sie an Kirchentagen?

Man trifft sehr spannende Leute, es gibt immer eine tolle Stimmung. Ich bin meist ein, zwei Tage länger geblieben. Das ist in Leipzig jetzt leider nicht möglich, weil wir davor und danach noch Konzerte haben. Ich finde es faszinierend, in die Messe­hallen zu gehen, in denen ja meist ­Hilfsorganisationen ihr Anliegen präsentieren.

Wie halten Sie es mit der Religion in der Band?

Das ist unterschiedlich. Wir haben seit Kurzem Björn Sterzenbach als Bass in unserer Band, er kommt aus Ost-Berlin. Er wurde nicht getauft, wie viele aus seiner Generation. Ich glaube aber, dass Björn den ganzen Dingen grundsätzlich sehr offen gegenübersteht. Wir anderen vier sind in verschiedenen Abstufungen gläubig. Ich bin der einzige Katholik bei uns. Ich bin froh, dass wir den neuen Papst haben und den Kardinal Woelki in Köln, da beide sehr viel Hoffnung machen, dass sich langsam Dinge modernisieren. Es gibt vieles, dass ich kritisch sehe und ich kann vielen Wünschen der Amtskirche nicht folgen. Aber es gibt auch viele Sachen, die ich an der katholischen Kirche gut finde, dazu gehört das Hilfswerk Misereor, mit dem wir zusammenarbeiten.

Waren Sie schon mal in Leipzig?

Wir sind jedes Jahr hier, mal im Ge­wandhaus und mal im Werk II zum Stehkonzert. Das sind immer die Kon­zerte, die mir am meisten Spaß machen, weil die Leip­ziger gut drauf sind. Bei denen geht eine richtige Party ab. Wir finden Leipzig auch alle als Stadt sehr schön.

Was gefällt Ihnen besonders an Leipzig?

Ich finde, dass da sehr früh in meiner Wahrnehmung Ost und West zusammengewachsen sind. Viele aus dem Westen sind nach Leipzig gegangen zum Studieren. Es wurde viel zügig angepackt, modernisiert. Man sieht viele Dinge, die in einer schon restaurierten Art an früher erinnern, und viel Modernes. Ich habe die Menschen als freundlich erlebt und halte mich einfach gern in Leipzig auf.

Das Konzert in Leipzig ist ein Open-Air-Konzert – was mögen Sie an solchen Konzerten?

Wir spielen die gerne, wenn das Wetter mitspielt. Wir hatten ein Open-Air-Konzert beim Ökumenischen Kirchentag in München 2009. Das war im Mai mit neun Grad, Regen, Wind. Es war trotzdem ein tolles Konzert. Wir sind sehr gerne draußen, die Leute haben viel Platz, und wenn ein paar tausend Menschen zusammenkommen, ist das einfach großartig. Dann können wir zusammen eine Riesenparty feiern.

Was war Ihr größter Erfolg mit den Wise Guys?

Das kommt drauf an, wie man es sieht. Wir haben fünf goldene Schallplatten bekommen. Jede einzelne davon ist ein Riesenerfolg, die Verkäufe haben wir unserem Konzertpublikum zu verdanken. Wir haben für die CD „Zwei Welten“ sogar den Echo gewonnen. Die ganz großen Konzerte sind Riesenerfolge, wir hatten 70 000 Zuschauer in Köln, 65 000 in Bremen. Wir machen jedes Jahr ein Open-Air in Köln, zu dem zehn- bis zwölftausend Menschen kommen. In der Größenordnung gibt es keine andere A-cappella-Band weltweit.

Sie haben schon den neuen Bass erwähnt, Björn Sterzenbach, der für Andrea Figallo dabei ist. Wie wählen Sie neue Musiker aus? Und muss die Entscheidung einstimmig sein?

Es gibt mehrere Kriterien, aber auf jeden Fall muss es einstimmig sein. Wir mussten für Andrea Figallo sehr schnell einen Ersatz finden. Mittlerweile haben wir zum Glück so viele Kontakte, dass wir es geschafft haben, sechs Kandidaten einzuladen. Innerhalb einer Woche kamen die alle zu uns in den Probenraum, um mit uns zu singen. Von den sechs Kandidaten waren fünf so gut, dass sie den Job machen konnten, drei davon waren musikalisch überragend. Wir haben in kurzer Zeit geschaut, wie es menschlich passt, wie die Einstellung zur Sache Wise Guys ist. Zwei Sänger hätten wir aus ihren Bands reißen müssen für 18 Monate, das wollten wir nicht. Björn hat schon in zwei Bands gesungen, aber im letzten Jahr war er Radiomoderator in Dresden. Und er war spitze in der musi­kalischen Per­formance und machte von Anfang an einen wahnsinnig netten Eindruck.

Sie haben gerade schon gesagt, dass Sie einen Bass für nur 18 Monate gesucht haben. Danach lösen sich die Wise Guys auf. Warum?

Eddi Hüneke hat uns Anfang 2015 mitgeteilt, dass er aussteigt. Er hat zwar immer gesagt, dass er mal was anderes machen will, aber der Zeitpunkt kam doch sehr überraschend. Wir anderen vier haben zuerst gesagt, dass wir uns für Eddi einen neuen Mann suchen. Die Chemie bei uns vieren hat aber leider nicht so gestimmt, was im Endeffekt zum Ausstieg von Andrea Figallo geführt hat. Da haben wir gesagt: Die Wise Guys sind eine so große und schöne Geschichte, die wollen wir nicht beliebig umbauen. Darum beenden wir es lieber mit einem Paukenschlag, sodass die Leute sagen: „Mensch, das ist schade, das ist zu früh“, als dass es langsam den Bach heruntergeht.

Was haben Sie nach den Wise Guys vor?

Ich habe momentan mit Nils Olfert zusammen den Plan, eine neue A-cappella-Band zu gründen. Die Formation wird im Geiste der Wise Guys weitergehen, weil ich bei der Band etwa 90 Prozent der Texte und Kompositionen schreibe und das auch für die neue Gruppe machen werde. Es wird reizvoll sein, ein paar Dinge neu zu machen. Ich habe das Gefühl, dass die Wise Guys vielleicht ein bisschen zu groß geworden sind, wir uns zu viel über Geschäftliches unterhalten haben als über Musik. Mich reizt eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte. Wir müssen schauen, wer noch dabei ist. Eddi macht was ganz anderes, Sari zieht sich erst mal ins Privatleben zurück, und Björn lernen wir ja gerade erst richtig kennen. Aber wir werden mit Sicherheit eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen.

Bleiben Sie der A-cappella-Richtung treu, wenn Sie weiter Musik machen, oder wollen Sie auch andere Stilrichtungen ausprobieren?

Die neue Formation von Nils und mir wird a cappella sein. Wir machen gleichzeitig noch Kinderlieder, die wir als Kinderkonzert anbieten wollen. Dabei spiele ich Gitarre, Nils Keyboard. Aber der Kern wird die neue A-cappella-Band. Ob wir da überhaupt keine Instrumente dazunehmen, müssen wir noch schauen.

Worauf freuen Sie sich für die Zukunft am meisten?

Bewusst den Abschied zu feiern und mir klarzumachen, was für Erfolge wir hatten. Wir waren so viel unterwegs, und es kam immer wieder ein neues Album, neue Aufnahmen, es ging immer weiter, dass ich mir manchmal gewünscht hätte, innezuhalten. Einfach mal zu sagen: „Mensch, Junge, wir haben da richtig was auf die Beine gestellt.“ Eine Journalistin aus Köln schreibt gerade eine autorisierte Biographie, dafür werden Interviews geführt. Bei denen reflektiere ich gerade sehr viel über die Vergangenheit. Ich wünsche mir, dass ich einen guten Abschluss finde für die Sache Wise Guys, die irgendwie mein Lebenswerk gewesen ist. Für danach hoffe ich für Nils und mich, dass wir den Fokus auf die Musik, den Spaß auf der Bühne und am Schreiben von Songs legen können. Wir wollen uns bewusst so aufstellen, dass wir mit dem Geschäftlichen möglichst wenig zu tun haben, damit wir einfach Musiker sein können. Da freue ich mich riesig drauf.

Interview: Andrea Schulze

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