Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Legida und Proteste
Google+ Instagram YouTube
Ein Jahr Legida: So entwickelten sich die Teilnehmerzahlen

Leipziger Forschergruppe Ein Jahr Legida: So entwickelten sich die Teilnehmerzahlen

Wie viele Teilnehmer waren es wirklich? Diese war eine der Fragen, die Leipzig in der Hochphase von Legida Anfang 2015 bewegte. Die Forschergruppe „Durchgezählt“ brachte damals wissenschaftlich Licht ins Dunkel. Nun hat sie die Statistik für ein Jahr Legida veröffentlicht.

Legida marschiert seit einem Jahr durch Leipzig. Die Teilnehmerzahlen sind seit Beginn der Demos immer weiter gesunken. (Archivfoto)

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Als Legida und der Gegenprotest Anfang 2015 tausende Menschen auf die Straße brachten, entbrannte in Leipzig nicht nur die Diskussion um die politischen Inhalte. Immer wieder wurden die Teilnehmerzahlen zum Streitpunkt – nicht zuletzt als Messlatte für den mutmaßlichen Erfolg der jeweiligen Seite. Die Debatte wurde besonders hitzig geführt, als Zweifel an den offiziellen Angaben der Polizei aufkamen. Eine sachliche Grundlage lieferte erst die Forschungsgruppe „Durchgezählt“ von der Universität Leipzig. Mit wissenschaftlichen Methoden registrierte sie, dass die Teilnehmerzahlen zum Teil deutlich unter den Behördenschätzungen lagen. Nun hat das Team um Dozent Stephan Poppe die Statistik für ein Jahr Legida vorgelegt.

Auf den ersten Blick wird klar: Die „Leipziger gegen die Islamisierung des Abendlandes“ können auf der Straße immer weniger Anhänger mobilisieren. Ihren Höhepunkt erreichte die Bewegung gleich zu Beginn. Am 21. Januar 2015 – zur zweiten Demo – kamen 3800 bis 5000 Menschen. Zuletzt war es den Schätzungen zufolge mit 270 bis 320 (4. Januar 2016) nicht einmal mehr ein Zehntel davon.

Legida-Demo als wöchentliches Ritual

Im Januar und Februar 2015 brachen die Zahlen regelrecht ein. Später stabilisierten sie sich etwas, fielen – bei Schwankungen um einige hundert Teilnehmer – langfristig jedoch weiter ab. Mittlerweile habe sich ein fester Kern herauskristallisiert, berichtet Poppe von seinen Beobachtungen. Dazu gehörten etwa 300 bis 600 Menschen. „Für viele ist es auch zu einer Art Ritual geworden. Sie gehen einfach jeden Montag da hin“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter am Uni-Institut für Soziologie.

Die Forschergruppe "Durchgezählt" hat die Legida-Teilnehmerzahlen über ein Jahr zusammengetragen.

Die Forschergruppe "Durchgezählt" hat die Legida-Teilnehmerzahlen über ein Jahr zusammengetragen.

Quelle: Durchgezählt

Darüber hinaus gebe es eine variable Anhängerschaft, die nicht immer dabei ist. Ob sich mehr oder weniger Demonstranten bei Legida einfinden, hängt demnach von verschieden Faktoren ab. „Man darf das Wetter nicht unterschätzen“, sagt Poppe und macht für die niedrigen Zahlen der vergangenen Wochen auch die kalten Temperaturen verantwortlich. Des Weiteren spielten Urlaubszeiten und Führungskrisen, wie sie die Gida-Bewegungen bereits erlebt haben, eine Rolle. Als Markus Johnke Legida-Chef wurde, habe das beispielsweise zu einer gewissen Stabilisierung beigetragen.

Für einen Anstieg von Teilnehmerzahlen sind auch bestimmte Anlässe von Bedeutung, wie etwa das einjährige Bestehen am Montag. „Das gilt übrigens auch für die andere Seite“, erklärt der Wissenschaftler. „Wenn noch andere Bündnisse zum Protest aufrufen, wie zur Lichterkette, werden noch mehr Menschen mobilisiert.“ Eine Jahresstatistik zu den Teilnehmerzahlen der Gegendemonstrationen hat „Durchgezählt“ bislang nicht vorgelegt. Poppe verortet sie aber mittlerweile auf einem ähnlichen Niveau wie Legida: Im Kern bestünden die Demos ebenfalls aus 300 bis 600 Personen.

Teilnehmer werden einzeln gezählt

Im Verlauf der vergangenen Monate haben der Statistiker und sein Team ihre Zählmethoden angepasst. In der Hochphase der Demonstrationen wurde beispielsweise ein hochauflösendes Fotos aus der Vogelperspektive verwendet, anhand dessen die Polizei- und Stadt-Schätzungen von 15.000 Legida-Anhängern deutlich nach unten korrigiert werden mussten. Da es derzeit nur noch einige hundert Teilnehmer sind, erklärt Poppe, können ein oder zwei Wissenschaftler pro Kundgebung jeden Demonstranten einzeln zählen.

Nach Verlegung und Pausen rings um die Weihnachtszeit zog Legida am Montag (04.01.0216) wieder über den westlichen Innenstadtring. Gegenprotest formierte sich vor allem am Richard-Wagner-Platz. Fotos: Dirk Knofe

Zur Bildergalerie

Die Gruppe veröffentlicht im Anschluss bestimmte Intervalle zwischen einer oberen und einer unteren Schätzung. „Das geschieht auch deshalb, weil immer wieder Teilnehmer zur Demo hinzukommen oder sie verlassen“, weist Poppe auf die Fluktuation über den Abend und damit verbundene Unschärfen in der Zählung hin. Später werden noch Videoaufnahmen ausgewertet, um die Schätzung zu überprüfen. „Diese Ergebnisse liegen meist innerhalb des Intervalls, selten knapp daneben.“

Bei allen Daten, die „Durchgezählt“ in den vergangenen Monaten gesammelt hat: Auf eine Prognose will sich der Leiter der Forschergruppe nicht festlegen. „Es lässt sich wissenschaftlich nicht seriös sagen, wie sich Legida weiterentwickelt. Es gibt sehr langlebige Formen von Demonstrationen, die nur sehr langsam auslaufen. Aber es kann auch ganz schnell vorbei sein“, sagt Poppe. „Für Legida sind beide Szenarien denkbar.“

Von LVZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Legida
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Sehen Sie hier einen Rückblick auf das LVZ Sommerkino im Scheibenholz vom 14. Juli - 3. August 2016. mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig geht in die nächste Runde. Alle Infos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Live
    Leipzig Live

    Das Veranstaltungsmagazin der Leipziger Volkszeitung. Alle Infos, alle Specials, alle Starts, alle Tickets - hier. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Finerio
    finerio

    Das Genussportal für Leipzig mit allen Restaurants, Cafés und Kneipen, dazu Events, Aktionen und interessante Infos rund ums Thema Essen und Trinken. mehr