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Legida und Proteste
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Leipziger US-Generalkonsul Scott Riedmann: "Legida wirft schlechtes Licht auf Deutschland"

Leipziger US-Generalkonsul Scott Riedmann: "Legida wirft schlechtes Licht auf Deutschland"

Gegen Islamisierung, gegen Multikulti, gegen Einwanderung und gegen die USA: Die Forderungen der Legida-Demonstranten sind vielfältig und zeigen sich oftmals auch radikaler als die der Schwesterbewegung Pegida in Dresden.

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Scott Riedmann, seit August 2014 US-Generalkonsul in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Quelle: André Kempner

Leipzig. Bei der letzten Versammlung am vergangenen Mittwoch auf dem Augustusplatz schallten neben vielen anderen Rufen auch „Ami Go Home!“ in die Nachtluft. Das hat auch Scott Riedmann gehört. Der US-Generalkonsul in Leipzig reagiert auf den lauten Anti-Amerikanismus der Legida-Bewegung vor der nächsten Demo am Freitag aber mit Bedacht.

Herr Riedmann, als Generalkonsul und Vertreter der amerikanischen Regierung in Leipzig, was halten Sie von den Legida-Demonstrationen?

Scott Riedmann: Ich finde es nur schade, wenn dadurch ein schlechtes Licht auf Deutschland geworfen wird. Denn die Zahl der Demonstranten von Legida ist nicht repräsentativ für die Meinungen der gesamten Bevölkerung – Legida ist eine kleine Bewegung von wenigen Unzufriedenen, die nur einen kleinen Teil der Gesamtkultur repräsentieren. Deswegen wäre es traurig, wenn durch die internationale Berichterstattung der Anschein erweckt würde, diese Bewegung sei symbolisch für die deutsche Gesellschaft.

Sie nennen sich „Patrioten“ gegen den Islam – doch das Wort „Patriotismus“ kann unterschiedlich interpretiert werden. Was verstehen Sie darunter?

 

Patriotismus bedeutet für mich als Amerikaner etwas anderes, als für die Pegida/Legida Anhänger. In den USA steht eine patriotische Identität für Inklusivität, egal aus welchen Herkunftsländern oder zu welchen Religionen man gehört. Unserer Geschichte als Einwanderungsland zufolge steht Patriotismus für Offenheit und Vielfalt, schon konkretisiert in den berühmten Wörtern auf der Freiheitsstatue: „Give us your tired, your poor, your huddled masses…“ (Gebt uns Euere müden, armen und zusammengekauerten Menschenmassen.“)

Sehen Sie also diese Einstellung der Legida-Anhänger gegen Einwanderer und eine weltoffene Kultur als widersprüchlich für eine positive Entwicklung eines Landes?

 

Ja, denn ich kann diese Idee, dass Zuwanderung etwas Negatives sei, überhaupt nicht nachvollziehen. Wir US-Amerikaner sind stolz darauf, ein Land der Einwanderer zu sein und so sind wir immer gewesen. Das macht uns als Nation stark. 40 Prozent unserer 500 größten und erfolgreichsten Unternehmen heutzutage sind entweder von Einwanderern gegründet oder von ihren Nachfahren. Deutschland ist inzwischen auch ein Einwanderungsland, und wie man sieht, sind die meisten Deutschen genauso stolz darauf, dass sie für die Weltoffenheit stehen.

Neben den Themen Islamisierung und Einwanderung unterscheidet sich Legida von Pegida vor allem hinsichtlich des Anti-Amerikanismus. Neuerdings gibt es in Erfurt zudem die Initiative Pegada, die sich spezifisch gegen einen US-Einfluss in Deutschland wendet. Was sagen Sie zu dieser Ansicht?

 

Ich kann nur wiederholen: Meiner Erfahrung und der von meinen Kollegen nach ist diese Zahl von Menschen bisher sehr klein. In Erfurt waren weniger als 1000 Anhänger bei der Pegada-Demo. Die meisten Deutschen denken nicht so Schwarz-Weiß. Ihre Ablehnung ändert nichts an die Tatsache, dass unsere zwei Länder eine sehr tiefe Verbindung haben. Die deutsch-amerikanische Beziehung besteht seit langem, und sie ist stark. Daran wird sich nichts ändern, nur weil einige Demonstranten die Verbindung zu den Vereinigten Staaten am liebsten trennen würden.

 

Haben Sie es vor, bei der nächsten Gegen-Demonstration dabei zu sein?

 

Nein, das ist aber auch nicht meine Rolle. Ich bin zur Gast hier in Mitteldeutschland – meine Rolle ist vor allem zu beobachten und das Verständnis zwischen den zwei Kulturen und Ländern zu fördern. Ich fand es aber auch äußerst ermutigend, zu sehen, wie Leipzigs politische Würdenträger, so wie Oberbürgermeister Burkhard Jung, bei der ersten Demonstration so stark mit ihrer Botschaft für Toleranz aufgetreten sind. Ich hoffe nur, es wird genau dieses Bild von Deutschland sein, das sich auch künftig in den internationalen Medien durchsetzt.

Krysta Brown

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