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Linksextreme bekennen sich zu Randalen in Leipzig – Polizei beschlagnahmt Handys

Linksextreme bekennen sich zu Randalen in Leipzig – Polizei beschlagnahmt Handys

Zerstörte Fensterscheiben, demolierte Polizeifahrzeuge und Graffiti an Gerichtsgebäuden: Nach den Randalen am Donnerstagabend in Leipzig ist im Internet ein Bekennerschreiben aus der linken Szene aufgetaucht.

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Ein Großaufgebot der Polizei kesselte rund 200 Teilnehmer der Demo an der Feinkost ein. Zuvor war es zu Randalen in der Leipziger City gekommen.

Quelle: dpa

Leipzig. Die von Ausschreitungen begleitete Spontandemo mit mindestens 600 bis 800 Teilnehmern wird dort als Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Asylbewerbers Khaled I. in Dresden begründet. Die Polizei ermittelt inzwischen wegen schweren Landfriedensbruchs. Die Initiatoren der NoLegida-Proteste sowie Politiker aller Parteien reagierten am Freitag wütend bis enttäuscht.

Zwei 26 und 30 Jahre alte Tatverdächtige aus Markkleeberg und Leipzig waren am Donnerstagabend vorläufig festgenommen worden. Insgesamt 204 teilweise vermummte Teilnehmer der Demo konnte die Polizei zuvor am Feinkost-Gelände in der Karl-Liebknecht-Straße einkesseln. Aufgrund eines "Kommunikationsfehlers" bei der Polizei war zuvor von drei Festnahmen die Rede. Dies wurde am Freitag korrigiert.

Wie Polizeisprecher Andreas Loepki am Freitag gegenüber LVZ-Online bestätigte, wurden auch alle Handys der Teilnehmer beschlagnahmt. Die Ermittler versprechen sich davon, unter anderem Video- und Fotoaufnahmen von den Randalen zu finden. "Das sind Beweismittel, die im Zuge der Strafverfolgung ausgewertet werden", erklärte Loepki.

Demo sollte „Zorn auf die Straße“ tragen

Zuvor hatten die Chaoten ab 20 Uhr eine Spur der Verwüstung vom Musikviertel über den Dittrichring und den Augustusplatz in der City bis in die Südvorstadt gezogen. Allein am Amtsgericht in der Bernhard-Göring-Straße wurden rund 40 Fenster eingeworfen, Verkehrsschilder am Augustusplatz herausgerissen, Privatautos beschädigt, Polizeiwagen mit Steinen beworfen sowie Feuerwerkskörper gezündet. Auch am Trias-Hochhaus am Dittrichring sowie einem Friseurgeschäft nebenan wurden Schreiben zerstört. Der Schaden dürfte laut Polizei deutlich mehr als zehntausend Euro betragen.

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Am Amtsgericht in der Bernhard-Göring-Straße wurden Scheiben eingeworfen.

Quelle: LVZ .

„Die Demo war laut und kraftvoll. Sie trug den Zorn über den Mord an Khaled sowie die anhaltende rassistische Mobilmachung seitens Legida und Pegida sowie der Bundesregierung auf die Straße“, brüsteten sich die Verfasser eines anonymen Schreiben noch in der Nacht mit der Aktion. Sie bekannten sich auf dem linken Internetportal Indymedia sowohl zu den Graffiti und den „Entglasungen“ am Amtsgericht als auch zum Angriff auf Polizisten. „Anrückende Bullenfahrzeuge wurden mit Steinangriffen vertrieben“, hieß es. Die Polizei hält das Schreiben für authentisch.

Doch mit den Ausschreitungen identifizierten sich offenbar nicht alle der anfangs 500, später nach eigenen Angaben 1200 Teilnehmer des unangemeldeten Protestmarsches. „Auf der Demo war diese Art des politischen Ausdrucks nicht allen Menschen recht – manche verließen sie daher frühzeitig“, berichten die mutmaßlichen Initiatoren bei Indymedia. Aus der Menge waren zuvor Sprechchöre wie „Nationalismus raus aus den Köpfen“ gerufen worden, die häufig auf linken Demonstrationen, aber auch am Montag beim Protest gegen den Legida-Aufmarsch zu hören waren.

Graffiti mit Bezug zu Legida und Pegida

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Graffiti am Landgericht in Leipzig: Nach einer Spontandemo kam es zu diversen Schäden in der City und in der Südvorstadt.

Quelle: LVZ .

Am Bundesverwaltungsgericht und am Augustusplatz hinterließen die Randalierer auch Graffiti mit dem Namen des Flüchtlings Khaled I. und dem Zusatz "das war Mord". Zudem gab es Schriftzüge gegen den dort am Mittwoch geplanten Legida-Aufzug. An das Landgericht in der Harkortstraße wurden die Aufschriften „No Nazis“ sowie „ACAB“ gesprüht. Im weiteren Bereich des Simsonplatzes stellte die Polizei unter anderem auch Schriftzüge „Stoppt PEGIDA", „ANTIFA“ und „Stoppt Deportation“ fest. Ziel der Demonstranten war möglicherweise das Connewitzer Kreuz – doch dort kamen sie nicht mehr an.

Die Polizei hatte noch am Abend einen Führungsstab eingerichtet und Unterstützung aus Dresden, Chemnitz sowie Sachsen-Anhalt und Brandenburg angefordert. Im Einsatz waren mehrere Hundertschaften. Auch das SEK wurde nach Informationen von LVZ-Online aus Vorsichtsgründen alarmiert. Mit zwei Polizeiketten und mehreren Fahrzeugen umstellten die Einsatzkräfte die Demonstranten gegen 21.20 Uhr schließlich in der Braustraße an der Feinkost. Anschließend wurden die Personalien der Teilnehmer aufgenommen und diese durchsucht. Die Aktion dauerte bis in die frühen Morgenstunden an. Die Polizei hatte in der Zwischenzeit eine Umzäunung errichtet und die Straße komplett abgeriegelt, so dass keine Personen hinein oder hinaus kamen.

Verbindung zu Anschlagsaufruf im Dezember

Ein Zusammenhang zu einem Aufruf zu Anschlägen auf 50 Ziele im gesamten Stadtgebiet, der im Dezember im Internet aufgetaucht war, ist laut Polizeisprecher Loepki "nicht von der Hand zu weisen". Auf der Liste hatte sich unter anderem auch das Amtsgericht befunden. Der anonyme Aufruf wird ebenfalls der linksextremen Szene zugeordnet.

Ob die Ausschreitungen vom Donnerstag auch mit dem Anschlag auf den Polizeiposten in Leipzig-Connewitz in Verbindung stehen, wird noch ermittelt. Am Mittwoch vergangener Woche hatten rund 50 Autonome die Fassade der Außenstelle in der Wiedebach-Passage mit Steinen und Farbbeuteln beworfen. Auch ein Polizeiauto wurde dabei angezündet. Später war ebenfalls im Internet ein Bekennerschreiben aus der linksextremen Szene aufgetaucht und Bezug auf den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh 2005 in Dessau genommen worden.

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