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Konzert statt Kundgebung: Zehntausende feiern in Dresden Bürgerfest für Toleranz

Konzert statt Kundgebung: Zehntausende feiern in Dresden Bürgerfest für Toleranz

Bei einem Bürgerfest für Weltoffenheit und Toleranz haben Zehntausende in Dresden am Montagabend ein Zeichen gegen das seit Wochen von Pegida-Demonstrationen geprägte Bild der Stadt gesetzt.

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Zehntausende kamen am Montagabend zum Konzert "Offen und bunt - Dresden für alle" vor die Frauenkirche.

Quelle: dpa

Dresden. Die Veranstalter sprachen in einer ersten Schätzung von mehr als 25 000 Menschen, die auf den Neumarkt vor der Frauenkirche gekommen waren, um bei einem Konzert mit mehr als einem Dutzend Bands und Künstlern Herbert Grönemeyer, Wolfgang Niedecken, Gentleman, Silly und andere zu hören.

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Dresden. Das große Rätselraten geht weiter. Welche Musiker werden am Samstag, dem 28. März, beim zweiten Open-Air-Konzert auf dem Theaterplatz dabei sein? Andreas Bourani? Kraftklub? Oder wird Jan Josef Liefers seinen Auftritt nachholen, nachdem er beim ersten Konzert absagen musste? Die Veranstalter halten sich weiterhin bedeckt.

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Die Polizei zählte 22 000 Menschen. Einen Tag zuvor hatten die selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) mehr als 17 000 Anhänger in Dresden auf die Straße gebracht.  Grönemeyer zeigte auch Verständnis für die Politikverdrossenheit mancher Pegida-Demonstranten. „Wofür ich überhaupt nicht zu haben bin, ist, dass man sich als Zielscheibe und Projektion für diese Ängste, die man auch hat, plötzlich wieder eine Religion aussucht. Das hatten wir schon mal“, warnte der 58-Jährige aber zugleich.

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken nannte Pegida den „Aufstand der Ignoranten, der Unbelehrbaren“. Angesichts von nur wenigen Muslimen in Dresden könne doch nicht ausgerechnet dort eine solche Initiative gegründet werden. „Was für ein Quatsch. Das ist grauenhaft“, sagte er. „Es geht darum, keine Nazis und Rassisten zu tolerieren, und um einen respektvollen Umgang“, sagte Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen. Das sei wichtig, „weil Dresden so schräge Bilder sendet, die es geradezurücken gilt“. Toni Krahl, Frontmann der Ost-Band City sprach von Leuten, „die hier mit gepanzerten Herzen durch die Gegend laufen und falschen Parolen aufsitzen“. Er sei aber überzeugt, „dass das nicht alles Rassisten sind“.

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Herbert Grönemeyer bei Vorbereitungen für Konzert "Offen und bunt – Dresden für alle".

Quelle: dpa

Während das Gros der Zuschauer zur Musik tanzte, gaben sich unter den Konzertbesuchern vereinzelt auch Anhänger der Pegida mit Deutschland- und Sachsenfahnen zu erkennen. Aus einer kleineren Gruppe waren „Wir sind das Volk“-Rufe zu hören. Auf Plakaten stand „Der Islam gehört nicht zu Sachsen“. Das islamkritische Bündnis hatte zum Konzertbesuch ermuntert und seine eigene Montagsdemo kurzerhand um einen Tag vorverlegt.

Weil der Zustrom zum Neumarkt trotz einsetzenden Regens nicht abbrach, wurden Hunderte Menschen zum Theaterplatz vor der Semperoper umgeleitet, wo das Konzert auf einer Leinwand übertragen wurde. Die Polizei, die mit etwa 450 Beamten im Einsatz war, sprach von einem insgesamt „absolut friedlichen Verlauf“.

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Herbert Grönemeyer bei Vorbereitungen für Konzert "Offen und bunt – Dresden für alle".

Quelle: dpa

„Wir wollen zeigen, dass Dresden weltoffen, tolerant und bunt ist, und haben uns bemüht, dass es warm wird, vor allem ums Herz“, sagte Gerhard Ehninger vom Verein „Dresden - Place to be“, der das Konzert organisiert und aus privaten Mitteln finanziert hat.

Die Juden in Dresden hätten keine Angst vor Islamisierung, sagte der Rabiner der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, Alexander Nachama. Er rief die Zuschauer auf, ihre Herzen für ihr Gegenüber zu öffnen. Für Kritik sorgte die Nachricht, dass sich Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) entgegen der generellen Haltung der schwarz-roten Staatsregierung mit der Pegida-Führung getroffen hat. „Schade, dass Herr Ulbig der Staatsregierung und Herrn Tillich in dieser schwierigen Situation mit seinem nicht abgesprochenem Agieren in den Rücken fällt“, sagte SPD-Generalsekretär Dirk Panter.

„Der heutige öffentlich zelebrierte Schulterschluss des sächsischen Innenministers mit den Pegida-Köpfen ist ein Rechtsrutsch ohnegleichen“, kritisierte Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt. Die Grünen sprachen von einem „Kniefall vor Pegida“. Ulbig warb für Gespräche mit Pegida auf allen Ebenen. „Der Dialog kann auf der Straße beginnen, kann aber dort nicht als verständiger Austausch von Meinungen und Argumenten geführt werden.“

Ziel sei es, die Bürgerschaft - bei aller Meinungsverschiedenheit - wieder aufeinander zuzubewegen, so Ulbig. Der CDU-Politiker möchte in einigen Monaten Dresdner Oberbürgermeister werden. Gewählt wird am 7. Juni. Amtsinhaberin Helma Orosz (CDU) gibt ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen Ende Februar vorzeitig auf.

Unterdessen tauscht der Leipziger Pegida-Ableger Legida den wöchentlichen Demonstrationstermin. Statt am Mittwoch droht der Messestadt nun am kommenden Freitag erneut der Ausnahmezustand.

(dpa)

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