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Ein gutes Leipziger Leben auf Fotos

Leipzig-Album Ein gutes Leipziger Leben auf Fotos

Als er mit seinen Eltern von Markkleeberg nach Leipzig zog stand nur ein Pferdewagen zur Verfügung, kein Lkw, erinntert sich Martin Krauße. Auch wenn das Leben in Leipzig früher manchmal beschwerlich war, Krauße hat es geliebt.

Das Werk2 (l.) räumte Martin Krauße auf, nachdem er ein Leben lang beim VEB Bodenbearbeitungsgeräte in Leipzig (m.) gearbeitet hatte. Damals, lange vor der Wiedervereinigung, fuhren in Leipzig auch noch Oberleitungsbusse.

Quelle: Martin Krauße

Leipzig. Kurz vor dem Connewitzer Kreuz knirschte es laut und das Radlager des Pferdewagens war gebrochen. Ungünstig: Oben drauf stapelten sich die Möbel und alle andere persönliche Habe von Familie Krauße. Es war 1952, Sohn Martin zog mit seinen Eltern von Markkleeberg-Großstädteln in die Alfred-Kästner-Straße in der Südvorstadt. Heute erinnert sich der 76-Jährige mit einem Lachen daran, wie die Umzugshelfer ein neues Lager besorgten und einbauten, trotz der schweren Ladung oben drauf. Wenigstens die schon nächtliche Ankunft war einigermaßen bequem: Die neue Wohnung lag im Erdgeschoss. „Da haben wir den ganzen Kram durch das Fenster reingereicht, im Dunkeln“, erzählt er und lacht wieder.

Martin Krauße hat für das Leipzig-Album seine privaten Erinnerungsfotos durchsucht und ist dabei auf viele persönliche Erinnerung gestoßen.

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Fast sein ganzes Leben hat Krauße in Leipzig verbracht. Für das Leipzig-Album hat er seine Fotoalben nach Erinnerungen durchsucht, zum Beispiel an seinen Betrieb, die Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig, damals noch in Plagwitz beheimatet. Krauße war Reparaturschlosser, reparierte „Drehmaschinen, Fräsmaschinen, Bohrmaschinen – was eben so kaputt ging“, sagt er. „Wenn keine Ersatzteile da waren, musste man oft improvisieren. Das war mein Beruf, der war klasse.“

In der Freizeit machte er mit den befreundeten Kollegen viele Ausflüge, erinnert sich auch an lustige Stunden mit Arsenio, einem kubanischen Vertragsarbeiter, von dem er ein paar Brocken spanisch lernte.

Martin Krauße und seine Fotos.

Martin Krauße und seine Fotos.

Quelle: André Kempner

Einmal wurde er sogar auf Dienstreise nach Moskau geschickt. „Von dort kriegten wir eine Maschine aus dem Werk des roten Arbeiters, 18 Tonnen schwer“, erzählt er. Später seien seine Kollegen immer zu ihm gekommen, wenn die Maschine kaputt war. Dann sagten sie zu ihm: „Du warst beim doch Lehrgang, du musst wissen, wie das geht.“

Wer dem 76-Jährigen zuhört, merkt schnell: hier hat einer sein Leben fröhlich genossen, auch wenn es nicht immer ganz einfach war. Eine Zeit lang etwa lebte Krauße in der Connewitzer Roßmäßlerstraße. In der Gegend verfielen die Gebäude früh, auch gab es immer wieder Überschwemmungen. Als Krauße einmal 1989 mit seinem Fotoapparat wiederkam, waren viele Häuser schon eingestürzt. Er ist heute trotzdem nicht böse, wenn er die Fotos anschaut, erinnert sich stattdessen an seinen Neffen, der in der Biedermannstraße wohnte. „Der fand diese Fotos klasse, denn er kannte dort alles noch. Er wusste in welchem Haus ein Haushaltsladen war und so weiter“, sagt er.
Auch an die Zeit nach der Wende, als die Bodenbearbeitungsgeräte völlig umgekrempelt wurden, aus Plagwitz fortzogen und er, Krauße, als einer der letzten dort seine Arbeit verlor, erinnert er sich ohne Wut. „Ich war Brigadier und konnte die Maschinen reparieren. Also haben sie mich so lange wie möglich behalten. Aber 1993 wurde ich dann doch noch rausgeschmissen“, sagt er und lacht wieder.

Das Leipzig-Album

Besuchen Sie das Leipzig-Album bei Facebook. Senden Sie uns ihre Bilder von der Stadtgeschichte an Leipzig-Album@lvz.de oder per Post an Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft mbH & Co. KG, Vertrieb & Marketing, „Leipzig Album“, Peterssteinweg 19, D-04107 Leipzig . Aktuell suchen wir Aufnahmen vom Tagebau, aber auch von berühmten Hotels und Restaurants wie dem Astoria, oder Bilder von Leuchtreklamen, die es heute nicht mehr gibt.

Wie viele andere kam er später in geförderten Beschäftigungen unter. Dabei richtete er das unter anderem das Werk2 so her, dass es von einer Fabrik zum Kulturort wurde. Später pflanzte er Bäume an der Probstheidaer Straße, legte im Rosental einen Grillplatz an und zog Zäune am Strömthaler See. Auch hier hat er sich mit den Kollegen bestens verstanden, davon erzählen seine Erinnerungsfotos.

Später zog er mit seiner Frau zurück in seinen Geburtsort in Markkleeberg, wo er bis heute glücklich lebt. Nur von einer Begebenheit erzählt Kraußes Fotoalbum nicht: Von der Zeit, als links und rechts vom elterlichen Haus noch Braunkohle gefördert wurde, es Cospudener und Markkleeberger noch nicht gab. „Seltsam, die Tagebaue waren damals in beiden Richtungen. Trotzdem hat man kein Foto gemacht“, wundert er sich und lacht wieder.

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