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Hummeln, Blut und Magie bei der Langen Leipziger Lesenacht

Moritzbastei Hummeln, Blut und Magie bei der Langen Leipziger Lesenacht

Jung und Alt und alles dazwischen strömten am Donnerstagabend in die Moritzbastei zur Langen Leipziger Lesenacht, um spannenden, meist jungen Autoren beim Lesen aus ihren aktuellen Veröffentlichungen zu lauschen. Ein Gute- Nacht-Geschichten-Marathon für Erwachsene, der seit 2005 zum Programm von „Leipzig liest“ gehört.

Drei von insgesamt 50 Schriftstellern der Langen Leipziger Lesenacht: Moritz Schlenstedt, Jing Wu und Laura Irmer (von links).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Pünktlich um 19 Uhr beginnt die Tirolerin Friederike Gösweiner in der Ratstonne, gleich am Eingang, aus ihrem Roman „Traurige Freiheit“ zu lesen. Sie erzählt von der Protagonistin Hannah, die verzweifelt versucht, als Journalistin ihr Geld zu verdienen, und erklärt: „Wenn man den Berufseinstieg nicht schafft, ist das ganze Leben ein Assessment-Center“. Der Blick auf die Zuschauer ist dabei nicht uninteressant: Zu Beginn sitzen auf einer Seite vor allem die Älteren, die Babyboomer, auf der anderen dafür die sogenannte Generation Y. Jung und Alt und alles dazwischen fanden sich am Donnerstag Abend in der Moritzbastei zur Langen Leipziger Lesenacht ein, um spannenden, meist jungen Autoren beim Lesen aus ihren aktuellen Veröffentlichungen zu lauschen. Früh vor Ort zu sein, lohnte sich, denn die Plätze waren schnell weg.

Während sich Gösweiners Stil durch eine starke Introspektion auszeichnet, überzeugt die Sprache von Markus Mittmansgruber, der aus „Verwüstung der Zellen“ liest, durch eine ausgeprägte Körperlichkeit. Die Beschreibungen von Blut, Schleimhäuten und Kot sind vielleicht für manche ältere Semester etwas viel. Die Jüngeren sind da dank Zombie-Filmen abgehärtet und können die direkte, aber dennoch schöne Sprache und das Beklemmungsgefühl, das Mittmansgruber zu verursachen weiß, voll genießen.

Freunde der Dichtkunst, die sich durch das immer dichter werdende Gedränge ins Schwalbennest vorkämpfen, können dort Stefan Heuer lauschen, der erzählt, erst letztens als Naturdichter bezeichnet worden zu sein. Selbst findet er aber nicht, dass Mücken, Wachteln und Hummeln seine Gedichte abwerten. Trotzdem betont er: „Ich hab aber auch Texte ohne Tiere“, was er in Form von Liebesgedichten unter Beweis stellt.

„Der Wedding ist voller Romanfiguren“

Die Lesung des Leipzigers Carl-Christian Elze dagegen hat schon etwas Hypnotisches: Die bildreiche Sprache und seine angenehme Stimme versetzen fast in Trance, während er aus „diese kleinen, in der Luft hängenden, bergpredigenden Gebilde“ liest. Seine Lesung und die interessante Stimmung enden mit einem Gebet, dessen letzter Satz „Zeig uns das Leben hinter der Stille“ ist. Kurz nach der Stille und dem darauffolgenden Applaus setzt Max Czollek ein, der sozusagen von der Verlags-Ersatzbank für Asmus Trautsch eingewechselt wurde, diesen aber auch würdig mit Texten aus „Jubeljahre“ und „Druckkammern“ vertritt.

Gegensätzlich, aber gut harmonierend, geht es zeitweise im Oberkeller zu. Während Emanuel Bergmann in „Der Trick“ höchst unterhaltsam und eindrucksvoll mit der Magie spielt, erzählt Johannes Ehrmann von Weddinger Realitäten, wozu er passend anmerkt: „Der Wedding ist voller Romanfiguren“. Bergmann zeigt echte Entertainer-Qualitäten während er eine Reise in die Vergangenheit einer seiner Figuren, des Magiers Zabbatini wagt. Er steht auf, um die Figuren je lauter und leiser werden zu lassen, was die Erzählung noch lebendiger wirken lässt. Auch beim Publikum wird die Stimmung noch ausgelassener, und viele vertiefen sich in ihre eigenen Gespräche. Schön war er, der Gute-Nacht-Geschichten-Marathon für Erwachsene – wenn einen vielleicht auch nicht alle Geschichten des Abends gut schlafen lassen.

Von Miriam Heinbuch

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Öffnungszeiten:
17. bis 20. März 2016, täglich 10 bis 18 Uhr

Tickets:
Tageskarte im Vorverkauf 16 Euro (ermäßigt 12,50 Euro)
www.leipziger-buchmesse.de/ticket

Programm:
Das Programm zu Leipzig liest ist hier online verfügbar.

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