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Leipziger Buchmesse startet mit Aktion „Für das Wort und die Freiheit“

Festakt im Gewandhaus Leipziger Buchmesse startet mit Aktion „Für das Wort und die Freiheit“

Die Leipziger Buchmesse ist eröffnet. Beim Festakt an Mittwochabend im Gewandhaus schickten die Redner nicht nur mahnende und Mut machende Worte in die Welt, sondern auch ein starkes Bild: Mit dem Plakat „Für das Wort und die Freiheit“ setzten knapp 1900 Gäste ein Zeichen für Meinungsfreiheit.

Mit der Aktion setzt sich der Börsenverein des deutschen Buchhandels für die einzigartige Verlags- und Literaturlandschaft in Deutschland und für Meinungs- und Pressefreiheit als Grundpfeiler der Demokratie ein.

Quelle: dpa-Zentralbild

Leipzig. Es ist ein starkes Bild. Am Ende seiner Eröffnungsrede bittet Heinrich Riethmüller die Gäste, sich von den Plätzen zu erheben und mit dem Plakat „Für das Wort und die Freiheit“ ein „Zeichen der Kultur- und Buchbranche für Meinungs- und Publikationsfreiheit in die Welt schicken“. Ein kurzer Moment nur, der in seiner Symbolkraft jedoch den gesamten Abend abbildet, an dem es um eine Variante der Selbstvergewisserung geht, die diesmal eher das gemeinsame Eintreten für zu Schaffendes meint als die gemeinsame Freude über Erreichtes.

Traditionell wird bei dieser Eröffnungsfeier der Leipziger Preis zur Europäischen Verständigung vergeben. Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung nahm am Mittwochabend der Historiker Heinrich August Winkler entgegen für sein vierbändiges Opus magnum „Die Geschichte des Westens“. Ein Werk, „umsichtig im Urteil und zupackend in den Formulierungen“, wie es zur Begründung heißt, das zudem „wertvolle Orientierungshilfe leistet“.

Orientierungshilfe in einer Zeit der Unsicherheiten und Fragen. Und so wird Winkler in seiner Rede deutlich, als er sagt, zur Selbstgerechtigkeit bestehe kein Anlass. „Das gilt auch für die Asyl- und Flüchtlingsfrage“. Das wirtschaftlich starke Deutschland sollte „auch dann Flüchtlingen nach besten Kräften helfen, wenn es damit in der Europäischen Union in der Minderheit bleibt.“

Nach besten Kräften, sagt er, „das heißt auch, dass eine humanitäre Asylpolitik, die nachhaltig sein will, darauf achten muss, dass die Bedingungen ihrer Möglichkeit auch morgen und übermorgen noch gesichert sind. Zu diesen Bedingungen gehört nicht nur die Beachtung der Grenzen der Aufnahme- und Integrationsfähigkeit, sondern auch der politische Rückhalt in der Bevölkerung, auf den Regierungen und Parlamente in demokratischen Staaten geradezu existenziell angewiesen sind.“

Publizist Volker Ullrich hält Laudatio

Es sind die Gedanken und Forderungen eines Wissenschaftlers, der etwas Einmaliges geschaffen hat. Denn, so erklärt es in seiner Laudatio der Publizist Volker Ullrich, eine „Geschichte des Westens“, wie sie „hier präsentiert wird, gab es bislang nicht. In der Literatur wurden die europäische Geschichte und die Geschichte der Vereinigten Staaten zumeist getrennt behandelt. Winkler fügt zusammen, was zusammengehört.“ Und das in einer „eleganten, menschenfreundlichen Prosa“.

In der Fähigkeit des Westens zur permanenten Selbstkorrektur sehe Winkler eine besondere Stärke der westlichen Demokratien, die sie von autoritären und totalitären Systemen unterscheidet. „Freilich setzt sie einen funktionierenden Pluralismus und eine entwickelte Zivilgesellschaft voraus, in deren Rahmen der offene Streit um alternative Lösungen ausgetragen werden kann.“

Zivilgesellschaft, Streit und Meinungsbildung sind die Themen des Abends. Dass Grundlage für die Meinungsbildung eine unabhängige Verlags- und Buchhandelsstruktur ist, betont Heinrich Riethmüller. „Ohne unabhängige Verlage, ohne mutige Autoren, ohne eine freie, starke Presse, ohne die vielen kleinen und großen Buchhandlungen, die die Vielfalt der Meinungen erst sichtbar machen, hat es die Demokratie sehr schwer.“

Wir brauchen, sagt er, „Intellektuelle und Denker, die den Mut haben, öffentlich Stellung zu beziehen, wir brauchen Menschen, die etwas zu sagen haben und das dann auch laut und im richtigen Umfeld tun.“ Nicht zuletzt als „Gegengewicht zu denen, die politisch fordern, ohne Lösungen anzubieten, die plakativer Propaganda hinterherlaufen und dabei so viel lauter sind als die Nachdenklichen in der Gesellschaft.“

Der deutsche Historiker Heinrich August Winkler erhielt am Mittwoch im Gewandhaus Leipzig im Beisein des Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, den «Buchpreis zur Europäischen Verständigung». Mit dem Festakt wird gleichzeitig die Leipziger Buchmesse eröffnet.

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Ein Ort dafür ist die Buchmesse, ist Leipzig. „Wo den sonst?“, fragt Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). „Wir können mit Worten bewegen und die Dinge und Menschen verändern“. Denn: „Wir haben ein Problem. Und das Problem heißt nicht Flüchtlingskrise. Das Problem heißt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.“

Ein Problem, das für Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) den Einzelnen und dessen Verantwortung herausfordert. Die nämlich ende nicht „am heimischen Buchregal“. Es dürfe eben nicht sein, dass die Mehrheit schweigt. „Gerade in diesen Tagen ist es wichtig, deutlich Haltung zu zeigen.“ Das ist am Eröffnungsabend geschehen. Möge es die Buchmesse prägen.

Leipziger Buchmesse: 17. bis 20. März.

Heinrich August Winkler ist am 17. März, 14 Uhr, zu Gast in der LVZ-Autorenarena (Halle 5/ Stand C100)

Von Janina Fleischer

Leipzig, Neue Messe 51.396324 12.400847
Leipzig, Neue Messe
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Buchmesse auf einen Blick

Öffnungszeiten:
17. bis 20. März 2016, täglich 10 bis 18 Uhr

Tickets:
Tageskarte im Vorverkauf 16 Euro (ermäßigt 12,50 Euro)
www.leipziger-buchmesse.de/ticket

Programm:
Das Programm zu Leipzig liest ist hier online verfügbar.

Aktionen:
Familiensonntag: Kostenfreier Eintritt für alle Kinder bis 12 Jahre, die bis 10 Uhr mit ihrem Lieblingsbuch zur Messe kommen.