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Leipziger Buchmesse startet mit Schwerpunkt Flüchtlinge

2250 Aussteller aus 42 Ländern Leipziger Buchmesse startet mit Schwerpunkt Flüchtlinge

Von einem Skandal und einem Signal war am Mittwoch die Rede bei der Eröffnungspressekonferenz der Leipziger Buchmesse. Es geht um Meinungsfreiheit, Zuwanderung und das, was Bücher und Diskussionen leisten können. Eröffnet wird die Messe am Abend im Gewandhaus. Bis Sonntag werden rund 250.000 Besucher erwartet.

Jede Menge Literatur: Am Donnerstag öffnen sich die Türen zur Leipziger Buchmesse.

Quelle: dpa

Leipzig. So deutliche Worte gibt es nicht jedes Jahr auf der Eröffnungspressekonferenz der Leipziger Buchmesse. Es geht um die Meinungsfreiheit. „Wir sehen mit großer Sorge die Entwicklung weltweit“, sagte am Mittwoch Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Meinungsfreiheit dürfe nicht der Realpolitik unterworfen werden. Es sei beängstigend, wie schnell die Europäischen Union ihre „Werte über den Haufen wirft“, nur weil die Türkei ein Problem für sie regeln soll, sagte Skipis in Anspielung auf den geplanten Flüchtlingspakt mit der Türkei. Als „absoluten Skandal“ bezeichnete er, was Innenminister Thomas de Maizière der „Passauer Neuen Presse“ sagte: „Wir sollten nicht Schiedsrichter beim Thema Menschenrechte sein“.

Flüchtlingsthema als Messe-Schwerpunkt

Wirtschaftlich gesehen gehe die Branche „selbstbewusst und optimistisch“ in die Zukunft. Er herrsche – das sagt er sogar zwei Mal – der Geist: „Wir können das schaffen“. Rund 9,4 Milliarden Euro werden im Jahr umgesetzt, da störe der Rückgang von 1,7 Prozent 2015 nicht besonders, „weil wir genau wissen, dass das auch abhängig ist von Bestsellern, die zur Verfügung stehen – oder eben nicht“. Im Großen und Ganzen aber sei die Branche nach Schwierigkeiten in den zurückliegenden Jahren „zukunftsfähiger denn je“.

Ein Schwerpunkt dieser Buchmesse ist die Flüchtlingsbewegung. „Im Sommer war klar, dass die Zuwanderung ein großes Thema sein würde“, sagt Buchmessedirektor Oliver Zille. Das habe man nicht nur den Teilnehmern überlassen, sondern selbst prägen wollen. Er ist sich einig mit Messe-Chef Martin Buhl-Wagner, dass, sich der Diskussion zu stellen, einzige Möglichkeit sei, von der emotionalen auf eine sachliche Ebene zu kommen. Und so neue Blickwinkel und Einsichten zu schaffen.

„Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, entschieden für Meinungsfreiheit und für die Verfolgten in den jeweiligen Länder sich einzusetzen und gleichzeitig ihre Politik gegenüber den Ländern, die so eklatant gegen die Menschenrechte verstoßen, zu überprüfen.“ Darum wird der Börsenverein ein Signal senden, „Für das Wort und die Freiheit“ heißt die Aktion, mit der ein Zeichen der Solidarität mit verfolgten Autoren, Verlegern und Buchhändlern gesetzt werden soll. „Wir dürfen uns unsere Werte nicht abkaufen lassen“, sagt Skipis, und der Ort Leipzig ist für ihn dabei von doppelter Symbolkraft: als Ort der Buchmesse und als Ort der Friedlichen Revolution 1989.

Pressekonferenz mit ernsten Tönen: Buchmessedirektor Oliver Zille, Alexander Skipis (Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels), der Chef der Leipziger Messe Martin Buhl-Wagner und Agnieszka Surwillo-Hahn von der Robert-Bosch-Stiftung (v.l.).

Quelle: dpa

2250 Aussteller aus 42 Ländern

Dafür wurde das Programm „Europa21“ mit Gesprächsrunden zum Thema Zuwanderung und Integration kuratiert, ein Partner gesucht und in der Robert-Bosch-Stiftung gefunden. Auch deren Projektleiterin Agnieszka Surwillo-Hahn betont: „Wir möchten zur Versachlichung der Flüchtlingsdebatte beitragen durch Diskussionen. Nicht weil wir denken, dass das die Politik ersetzen kann“, sondern weil es wichtig sei, Dinge aus verschiedenen Perspektiven und aus erster Hand zu erfahren.“

Natürlich weiß Zille: „Die Welt retten können wir nicht. Und wollen wir auch nicht. Aber wir können klar Haltung zeigen. Die Buchmesse kann das.“ Und das mit einem Schwerpunkthema, „das wirklich jeden von uns betrifft“.

Auf der Leipziger Buchmesse präsentieren sich bis Sonntag 2250 Aussteller aus 42 Ländern. 250.000 Besucher werden erwartet, dazu gehört zum 25. Mal das Lesefestival „Leipzig liest“. Feierlich eröffnet wird die Buchmesse am Abend im Gewandhaus. Dann nimmt der Historiker Heinrich August Winkler den Buchpreis zur Europäischen Verständigung entgegen. Er erhält die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung für sein vierbändiges Mammutwerk „Geschichte des Westens“. Auf jedem der 1900 Plätze soll ein Plakat „Für das Wort und die Freiheit“ liegen, um gemeinsam zu mahnen – und ein Signal in die Welt zu senden.

Leipziger Buchmesse: 17. bis 20. März.

Von Janina Fleischer

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Buchmesse auf einen Blick

Öffnungszeiten:
17. bis 20. März 2016, täglich 10 bis 18 Uhr

Tickets:
Tageskarte im Vorverkauf 16 Euro (ermäßigt 12,50 Euro)
www.leipziger-buchmesse.de/ticket

Programm:
Das Programm zu Leipzig liest ist hier online verfügbar.

Aktionen:
Familiensonntag: Kostenfreier Eintritt für alle Kinder bis 12 Jahre, die bis 10 Uhr mit ihrem Lieblingsbuch zur Messe kommen.