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Ruhrpott trifft Sachsen: Frank Goosen auf der Leipziger Buchmesse

„Förster mein Förster“ im Gepäck Ruhrpott trifft Sachsen: Frank Goosen auf der Leipziger Buchmesse

Förster heißt der Held im neuen Roman des Bochumer Kabarettisten und Autors Frank Goosen (49). Förster will ans Meer, und wir folgen ihm auf eine holprige Reise im VW-Bulli, getragen von einem speziellen U50-Lebensgefühl.

Autor Frank Goosen schreibt ebenso humorvolle wie lebenskluge Romane.

Quelle: dpa

Leipzig. Ferien-Trägheit liegt über Stadt. Kein Wunder, dass Förster sich ans Meer wünscht, in die Weite auf jeden Fall. Der Mann wird bald 50, und mit dem bevorstehenden Termin für eine Gewebeentnahme schleicht sich eine Ahnung von Vergänglichkeit in sein Leben. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ihm als Autor gerade die Weitsicht ein wenig abhanden gekommen ist.

Und so verlegt sich Förster aufs gepflegte Biertrinken und dem-Leben-Zuschauen. Da bekommt er so einiges zu sehen, von der Midlife-Krise seiner Schulfreunde Fränge und Brocki über die erste Liebe von Teenager Finn bis zur alten Frau Strobel, eine leicht demente Saxophon-Diva vor ihrem wohl letzten Comeback. Das Leben gleitet dahin, und irgendwie liegt Veränderung oder Tod in der Luft. Da macht Fränge zum Glück ein Schnäppchen: Einen alten VW Bulli, zweifarbig, oben weiß, unten blau.

Bis Goosen seine Schar auf eine holprige Reise ans Meer schickt, vergeht Zeit. Im Tempo eines Sonntagnachmittags und in der dösenden Hellsichtigkeit eines Erzählers, der mit halb geschlossenen Augen die Dinge einfach sein lässt, folgen wir den Frauen- und Liebesgeschichten, verdrängen den blutigen Auswurf des knackigen Ex-Bullen Dreffke genauso wie die Messi-Wohnung von Frau Strobel.

Der liebevolle Blick auf die Welt zeichnet Goosen aus. In „Förster, mein Förster“ hat er einen märchenhaften Kosmos geschaffen, in dem alles zur gleichen Zeit dieselbe Existenzberechtigung hat. Hamster heißen wie Hollywoodstars, die Wirklichkeit wird kommentiert von Musik- und Filmzitaten (oder umgekehrt). Selbst die Erzähl-Genres wechselt er wie Feinripp-Unterhemden, gleitet von der Prosa in Dialoge, den SMS- oder E-Mail-Roman.

Für alle, die das Ruhrgebiet kennen, sind Goosens Romane außerdem ein Heimspiel. Die anderen können mitbaden in diesem speziellen U-50-Lebensgefühl: Wir sind nicht mehr jung, aber wir fühlen uns oft noch wie Teenager. Wir gönnen uns ein wenig Angst vor dem Sterben, aber nicht zu viel, denn Bange machen gilt nicht. Und wenn es zu arg wird, dann fahren wir ans Meer. Oder lesen Goosen. Prost.

Frank Goosen liest am Freitag, 18.3.2016, um 13 Uhr in der LVZ-Autorenarena. Sein Roman „Förster, mein Förster“ ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Von Evelyn ter Vehn

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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17. bis 20. März 2016, täglich 10 bis 18 Uhr

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www.leipziger-buchmesse.de/ticket

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