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„Unsere Hände brennen“ - Solidarität mit türkischen Autoren

Meinungsfreiheit auf der Leipziger Buchmesse „Unsere Hände brennen“ - Solidarität mit türkischen Autoren

Die Meinungsfreiheit ist das Lebenselixier eines Schriftstellers. Die Buchmesse in Leipzig kämpft deshalb für das freie Wort in der Türkei.

Die Meinungsfreiheit ist das Lebenselixier eines Schriftstellers. Die Buchmesse in Leipzig kämpft deshalb für das freie Wort in der Türkei. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. „Leizpig grüßt Istanbul“, sagt der Moderator, und dann flimmert das Bild von Asli Erdogan über die Leinwand. Die türkische Autorin, Symbolfigur für den Kampf um die Meinungsfreiheit in der Türkei, darf nicht persönlich zur Buchmesse kommen - das ZDF holt sie per Videoschalte aufs Blaue Sofa. „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“, heißt der Titel von Erdogans neuem Essayband über die Situation in ihrem Land seit dem gescheiterten Putsch. „Ich bin Schriftstellerin. Ich habe nichts anderes getan als zu schreiben“, sagt die 50-Jährige. Und trotzdem drohe ihr nun lebenslange Haft. Für ihre Mitarbeit im Beirat der pro-kurdischen Zeitung „Özgür Gündem“ wird ihr Terrorismus vorgeworfen, nach einer vorübergehenden Inhaftierung hat der Prozess vergangene Woche begonnen.

Für die Leipziger Buchmesse gehört das Fern-Gespräch am ersten Tag gleich zu den Höhepunkten des Branchentreffs. Die deutsche Verlagsszene will demonstrativ Solidarität mit den verfolgten und unterdrückten Autoren in der Türkei zeigen. „Die Türkei ist auf dem Weg zu einem totalitären Unrechtsstaat mit einem Diktator Erdogan an der Spitze“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis. „In so einer Zeit ist Schweigen oder diplomatisches Leisetreten nicht angesagt.“

Lesungen mit Texten des inhaftierten Yücel

Eine Online-Petition des Börsenvereins, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein härteres Auftreten gegenüber Erdogan fordert, hat inzwischen fast 140 000 Unterstützer. „Erdogan wird es nicht schaffen, die Autoren mundtot zu machen. Das wollen wir zeigen“, sagt der Verleger Jörg Sundermeier vom Verbrecherverlag. Auf seine Initiative hin werden zahlreiche Messeveranstaltungen mit einer Lesung aus Texten des in der Türkei inhaftierten „Welt“-Journalisten Deniz Yücel eröffnet. „Wir wissen gar nicht mehr, wer alles mitmacht, weil es so viele sind“, sagt Sundermeier.

In der Leseinsel der Unabhängigen Verlage ist es am Donnerstag Verleger Christoph Links vom gleichnamigen Berliner Verlag, der unter dem großen Logo #Free Deniz liest. „Wie Yücel gibt es noch mehr als hundert inhaftierte Autoren, denen wir hier von der Buchmesse unsere Solidarität bekunden wollen und deren sofortige Freilassung wir fordern“, sagt er.

"Journalismus ist keine Spionage"

Nur wenige Meter entfernt leitet die bekannte türkische Fernsehmoderatorin Banu Güven eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wer ist das Volk“. Sie habe zwei Mal aus politischen Gründen ihre Arbeit verloren, berichtet sie. So wurde im vergangenen Jahr die Ausstrahlung des Senders IMC TV mitten in ihrem Live-Interview mit dem regimekritischen Kollegen Can Dündar gestoppt. „Ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die der Präsident als Volksverräter, Spione oder Terroristen bezeichnet“, sagt sie. „Aber Journalismus ist keine Spionage. Den Unterschied zwischen den beiden Begriffen werden wir dem Präsidenten noch klarmachen.“

Wieviel Mut zu solchen Äußerungen gehört, welches Durchhaltevermögen Journalisten und Autoren in der Türkei derzeit abverlangt wird, macht auch Asli Erdogan deutlich. „Man kann nicht schreiben, ohne sich seine Hand zu verbrennen. Und es ist wirklich so, dass unsere Hände und unsere Arme und unsere Haare brennen“, sagt sie. „Ich denke oft, was ändert das? Warum nehme ich dieses Risiko auf mich? Aber das ist genau Hoffnung.“

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