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Falsches Leben, richtiger Film: Das war der Freitag in der LVZ-Autorenarena

Buchmesse 2017 Falsches Leben, richtiger Film: Das war der Freitag in der LVZ-Autorenarena

Von der Streitschrift bis zum Thriller: der Freitag in der LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse bot wieder Nachdenkliches und Unterhaltendes – mit Autoren wie Heiner Geißler, Marcel Reif, Hans-Joachim Maaz, Harald Martenstein, Sebastian Krumbiegel oder Martin Suter.

Wimmelbild mit Martin Suter (l.) und Peter Korfmacher in der LVZ-Autorenarena.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  An Tag zwei der Buchmesse nimmt Jochen Schmidt als Erster in der LVZ-Autorenarena platz. Sein Buch „Zuckersand“ bezeichnet Moderator Mathias Wöbking als klassischen „Papa-Sohn-Roman“, der mehr kann. Schmidts Protagonist Richard Sparka schaut mit Kinderaugen auf die Entwicklung seines Sohnes, bewahrt damit seine eigenen frühesten Erinnerungen und zeigt so Parallelen zum Autor. Der erklärt: „Ich wollte das Vater-Sein in seiner Schönheit beschreiben, auch wenn es anstrengend ist. Zuckersand hat etwa Märchenhaftes.“

Schmidts Nachfolger auf der Bühne ist Heiner Geißler , über Jahre meinungsstarker Generalsekretär der CDU. Der 87-Jährige stellt seine Streitschrift vor. In „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss? Fragen zum Luther-Jahr“ wirft er einen kritischen Blick auf die Rolle der Kirchen in den globalen Krisen, den Mathias Wöbking für seine „analytische Schärfe“ lobt. Die Frage „Wie ist der elende Zustand vieler Menschen auf der Erde mit dem gütigen, liebenden Gott der evangelischen und katholischen Kirche zu vereinbaren?“ sei, so Geißler, nicht der richtige Ansatz. „Die Menschen müssen dafür sorgen, dass allen, die in Not sind, geholfen wird.“

Soko-Leipzig-Star und Psychoanalytiker

Von einer besonderen Form der Hilfe berichtet Steffen Schroeder . Der Schauspieler – unter anderem durch die Krimi-Serie Soko Leipzig bekannt – engagiert sich als ehrenamtlicher Vollzugshelfer. In „Was alles in einem Menschen sein kann“ beschreibt er die Arbeit mit „Micha“, der wegen Mordes hinter Gittern sitzt. Im Gespräch mit Norbert Wehrstedt erläutert der Schauspieler die Gründe für sein Engagement: „Menschen, die lange in Haft sind, werden häufig nicht mehr besucht und vereinsamen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach ihrer Entlassung wieder straffällig werden. Dem wollen wir entgegenwirken.“

Auch Hans-Joachim Maaz ist komplizierte Schicksale gewohnt. Der Psychoanalytiker geht in seinem Buch „Das falsche Leben. Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“ dem „Phänomen Mitläufertum“ auf den Grund. Der Versuch, nicht ausgegrenzt zu werden, führe laut Maaz bei Menschen zu einer krankhaften Selbstentfremdung. Jeder könne selbst entscheiden, wie er lebt, erwidert Moderatorin Simone Liss. „Es wäre schön, wenn wir so frei wären“, entgegnet der Autor.

„Mit dem Schlusspfiff ist die Sache eigentlich erledigt“

Der Andrang ist groß, als Marcel Reif , den Moderator Dominic Welters als „jungen Mann mit 1500 kommentierten Fußballspielen auf dem Buckel“ vorstellet, die Bühne betritt. In „Nachspielzeit – ein Leben mit dem Fußball“ und im Gespräch blickt Reif zurück, auch auf die Entwicklung der Kommentatoren. Die seien, so Welters, durch Analysen im Studio und am Spielfeldrand immer unwichtiger. „Ich habe mich stets wichtig genug genommen“, kontert Reif und kann sich eine Spitze gegen das Brimborium nach den Spielen nicht verkneifen: „Wenn da noch Fragen bleiben, habe ich alles falsch gemacht. Mit dem Schlusspfiff ist die Sache eigentlich erledigt.“

Jostein Gaarder ist vor einigen Jahren mit dem Buch „Sofies Welt“ berühmt geworden. Auch in seinem neuen Werk „Ein treuer Freund“ schreibt der Norweger in Briefform. Gaarders Protagonist Jakop Jacobsen ist ein Einzelgänger, der gern auf fremde Beerdigungen geht und bei diesem „Hobby“ von Agnes erwischt wird. Über der schrägen Liebesgeschichte schwebt Jakops Faible für Indogermanischen Sprachen, welches er, so Gaarder, mit ihm teilt.

In „Brüder und Schwestern 1989–2001“ widmet sich Birk Meinhardt der Nachwendezeit. Die Fortsetzung seines 2013 erschienen Romans beschreibt erneut eine Familie und beginnt am 9. November 1989. „Ich selbst habe an dem Tag geschlafen“, gesteht der Autor. Im zweiten Teil von Brüder und Schwestern legt Meinhardt den Fokus auf die Kinder. Obwohl die Geschichte auf historischen Fakten basiert, verfolgt sie auch universelle Ansätze. Auf der Bühne stellt Meinhardt die Frage: „Wie verhält sich der Mensch, wenn er in Bedrängnis ist?“

Das Problem mit dem Schluss

Als „Zeit“-Kolumnist hat Harald Martenstein Kult-Status erreicht. „Im Kino“ hält, was der Titel verspricht, befasst sich umfänglich mit der großen Leinwand. Der Kenner erklärt Moderator Björn Meine seine Thesen. Im Buch heißt es sinngemäß: „Filme werden am Ende meistens schlechter“. Martensteins Begründung: „In den ersten 20 Minuten wird der gute Plot entfaltet, je länger der Film geht, desto geringer wird – ähnlich wie beim Schach – die Zahl der Optionen. Für einige Regisseure geht es dann nur darum, seriös aus der Sache rauszukommen.“

Obwohl Sebastian Krumbiegel nach erfolgreicher Musikkarriere niemandem etwas beweisen müsste, hat der Sänger selten den Kopf eingezogen. In „Courage zeigen. Warum ein Leben mit Haltung gut tut“ gibt der Sänger intime Einblicke in sein Leben, beschreibt unter anderem die Zeit beim Thomanerchor und sein soziales Engagement. Letzteres konnte der Autor in seinem Buch nicht vermeiden. Obwohl sehr persönlich geschrieben, spielen gesellschaftliche Fragen eine Rolle: „Es ist viel politischer geworden, als ich eigentlich wollte“, sagt Krumbiegel.

Ein Sprung in die Fiktion: „Was wäre, wenn es eine Todes-Lotterie gäbe, bei der jeder einen gehassten Menschen nominieren kann?“ Diesem sozialen Experiment stellt sich Sebastian Fitzek in seinem neuen Thriller „AchtNacht“ und erläutert im Gespräch mit Andreas Debski seine realen Bezugspunkte. Der Autor sieht unter anderem im Umgang mit sozialen Netzwerken und der fortschreitenden Selbstüberwachung Parallelen zur Geschichte: „Ich habe weniger Angst vor einer Überwachungskamera als vor den Daten, die wir selber freigeben.“

„Spannende Geschichte mit einem Geheimnis“

Wie Fitzek ist auch Martin Suter LVZ-Stammgast auf der Leipziger Buchmesse. Er stellt seinen neuen Roman „Elefant“ vor. Ob es ein Thriller oder doch ein Märchen sei, wird er von Moderator Korfmacher gefragt und antwortet knapp: „Eine spannende Geschichte mit einem Geheimnis.“ Im Mittelpunkt der Handlung steht ein kleiner genetisch veränderter rosa-roter Elefant. Er ist – bei aller Fiktion – ein Symbol für Suters kritischen Blick auf Eingriffe in die Natur.

Mit Hans-Werner Honert setzt ein Leipziger den Schlusspunkt. Honert ist Filmemacher und gilt unter anderem als Erfinder der MDR-Erfolgsserie „In aller Freundschaft“. Mit „Maria und der Patriot“ wagt sich Honert unter die Romamautoren. Protagonistin ist eine junge Frau, die einen Dokumentarfilm über den berüchtigten Rohwedder-Mord drehen soll. Mit dem Buch verfolgt Honert ein klares Ziel: „Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass die Wahrheit über den Fall herauskommt.“

Von Anton Zirk

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Buchmesse auf einen Blick

Öffnungszeiten:
23. bis 26. März 2017, täglich 10 bis 18 Uhr

Tickets:
Tageskarte im Vorverkauf 16,50 Euro (ermäßigt 13 Euro)
www.leipziger-buchmesse.de/ticket

Programm:
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Foto: dpa

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