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Entspannter Howard Carpendale in der LVZ-Kuppelhalle

Sänger bei der Buchmesse Entspannter Howard Carpendale in der LVZ-Kuppelhalle

Er gehörte zu den Stars, die am Donnerstag auf der Leipziger Buchmesse zu Gast waren: Howard Carpendale stellte in der Autorenarena der Leipziger Volkszeitung sein Buch „Das ist meine Zeit“ vor – und sprach am Abend ausführlich in der LVZ-Kuppelhalle über sein Leben.

Freudige Begrüßung: Howard Carpendale am Donnerstagabend in der LVZ-Kuppelhalle.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Wohnzimmer-Atmosphäre im Saal über den Dächern am Einfallstor der Leipziger Südvorstadt. Dass sich Howard Carpendale vor den rund 200 Zuschauern wohl fühlt, ist offensichtlich. Es ist etwas passiert mit diesem Mann. Besonders offen, entspannt und herzlich ist er. Es scheint, als habe das Schicksal den nun 70-Jährigen weicher, verletzlicher und nachdenklicher gemacht, ohne dass sein Humor darunter verschwand.

Unverblümt berichtet Carpendale am Donnerstagabend von den Depressionen, die sich drei Jahre nach seinem Bühnenabschied 2003 anschlichen und sich immer fester um seine Seele klammerten – begünstigt durch eine wachsende Entfremdung von seinem damaligen Nobel-Wohnort in den USA, wo er sich innerlich von der Oberflächlichkeit mancher schwerreicher Nachbarn distanzierte; hinzu kamen die Erkrankung seiner Frau Donnice und der Vertrauensmissbrauch eines Menschen, den er als seinen Freund ansah und der ihn finanziell über den Tisch zog. Carpendale spricht ohne Scheu von Selbstmord-Plänen, von Therapie, von vielen Tränen.

Das Buch „Das ist meine Zeit“, gemeinsam geschrieben mit dem Journalisten Stefan Alberti, bedient sich vorrangig des Interview-Stils – das mag Freunde literarischer Prosa enttäuschen, schafft aber durch den O-Ton in Druckform viel Nahbarkeit. Carpendale findet klare Worte und nimmt in Kauf, dass er nicht jeden seiner Fans mitnehmen kann, wenn er entschieden die Pflicht Deutschlands und Europas anmahnt, sich um Flüchtlinge zu kümmern, die vor Bomben und Mord ihre Existenz aufgeben, nur um das nackte Leben zu retten – oder wenn er die Homo-Ehe befürwortet, die Sterbehilfe.

Mit Witz und Selbstironie kommentiert Carpendale an die Wand projizierte Fotos aus dem Buch. „Oh je, das tut mit leid“, entfährt es ihm beim Bild aus den 1970ern mit besonders auffälliger Föhnwelle über lila Tuch und roter Lederjacke. Und wieso er auf einer alten Schwarzweiß-Aufnahme in weißem Bademantel durch die Szenerie läuft, weiß er selbst nicht mehr.

Nicht zum ersten Mal erklärt der populäre Sänger, dass ihn an der Verkürzung „Howie“ die Verniedlichungsform stört – durchaus im Wissen, dass sie nicht despektierlich gemeint ist. Amüsiert ruft er den Tag in Erinnerung zurück, an dem er Stefan Alberti überlistete, mit ihm eine Partie Golf zu spielen – bei strömendem Regen.

Die 60 Minuten, in denen auch Alberti über die Zusammenarbeit mit Carpendale spricht („Wenn ihm was besonders Wichtiges zum Buch einfiel, rief er auch öfter nachts an“), fliegen vorbei. Aus der angekündigten Autogramm-Viertelstunde wird eine gute halbe, obwohl der Künstler noch am späten Donnerstagabend nach Köln fahren muss, um wenig später zurück in den Osten des Landes, nach Magdeburg, zurückzudüsen. Das Publikum, unerstaunlicherweise zu etwa vier Fünfteln weiblich, ist jedenfalls beseelt. „Das war ein toller Abend“, schwärmt eine Zuschauerin zum Abschied, ein signiertes Buch unter dem Arm.

Von Mark Daniel

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Öffnungszeiten:
17. bis 20. März 2016, täglich 10 bis 18 Uhr

Tickets:
Tageskarte im Vorverkauf 16 Euro (ermäßigt 12,50 Euro)
www.leipziger-buchmesse.de/ticket

Programm:
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