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Fernes, nahes Land

Literaturlandschaft Litauens präsentiert sich in Leipzig Fernes, nahes Land

Zur Leipziger Buchmesse vom 23. bis 26. März 2017 präsentiert sich die Literaturlandschaft Litauens modern und selbstbewusst – ohne die schwierige Geschichte zu vergessen.

Blick von der St. Bernardino Church, Vilnius (Litauen)

Quelle: Lithuanian Culture Institute

In der Literatur-Geschichte eines Landes sind 15 Jahre eine verhältnismäßig kurze Zeit, vielleicht ein Wimpernschlag. Blickt man auf den komplizierten Prozess der Neu- und Wiederentdeckung der litauischen Literaturlandschaft für den deutschsprachigen Raum, scheinen die Uhren langsamer zu ticken. Fast 15 Jahre ist es her, dass sich Litauen als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2002 mit großen Lettern auf die europäische Literaturlandkarte einschrieb. Wenn sich der südlichste der drei baltischen Staaten nun als Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse präsentiert, muss die Geschichte nicht mehr von Anfang an erzählt werden. Man kann an bestehende Netzwerke anknüpfen. Heute, so erklärt Aušrinė Žilinskienė, Direktorin des Lithuanian Culture Institute und Kuratorin des Leipzig-Auftritts, geht es darum, „zu zeigen, wie genau wir anders sind im gemeinsamen Haus Europa“.

Während etwa in Deutschland aktuell die Flüchtlingskrise die gesellschaftliche Debatte bestimmt, leidet Litauen unter massiver Migration ins westliche Ausland: Seit der Unabhängigkeitserklärung von 1990 hat fast eine Million Litauer die Heimat verlassen – alarmierend für ein Land mit knapp drei Millionen Einwohnern. Nicht erste literarische Probebohrungen also, sondern Differenzierung und Vielfalt sind angesagt. Als Gastland in Leipzig will sich Litauen, das seit 2004 Mitglied der EU und der Nato ist und seit 2015 zum Schengen-Raum gehört, als moderner Staat mit 100jähriger Geschichte präsentieren. „Litauen: Fortsetzung folgt“ lautet konsequenterweise das Motto des Auftritts. 2018 begeht das baltische Land den 100. Jahrestag der Wiedergründung des litauischen Staates – über 100 Jahre auf dem Weg in die Moderne wird eine eigens für Leipzig vorbereitete Messe-Anthologie berichten: 25 Autorinnen und Autoren beleuchten dort mit ganz individuellem Blick schlaglichtartig Entwicklungen in Kultur, Wirtschaft, Architektur und Wissenschaft.

Mit dem Tod zweier berühmter Schriftsteller – des Lyrikers Bernardas Brazdžionis und des Prosaisten Ričardas Gavelis – ging 2002 das 20. Jahrhundert in der litauischen Literatur zu Ende: Ein Jahrhundert, das von Exil, Unterdrückung, von der erzwungenen Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus und mehreren Neuanfängen geprägt war. Seither haben es Jahr für Jahr nur eine Handvoll litauischer Autoren auf den deutschsprachigen Buchmarkt geschafft. Das wird sich 2017 gründlich ändern: 26 Neuerscheinungen werden in Deutschland und, Österreich und der Schweiz zu entdecken sein. Die Liste der engagierten Verlage reicht von Suhrkamp bis Wieser, der thematische Zugriff von der Auseinandersetzung mit der litauischen Geschichte bis in die unmittelbare Gegenwart.

Viele litauische Schriftsteller von Rang, die das Inferno des 2. Weltkrieges überlebten, gingen in den Westen. Antanas Škėma etwa emigrierte 1949 in die USA; sein berühmter Roman „Das weiße Leintuch“, in Litauen Schullektüre, wird nun von dem auf literarische Wiederentdeckungen spezialisierten Guggolz Verlag zwischen Buchdeckel gebracht. Bei Suhrkamp erscheint ein neues Buch des in Klaipėda geborenen Lyrikers und Essayisten Tomas Venclova, der Litauen 1977 verließ. Venclova lehrte seither in Yale slawische Literaturen und hat sich mit seinen engen Kontakten zu den Nobelpreisträgern Joseph Brodsky und Czeslaw Milosz in eine übernationale osteuropäische Kultur eingebürgert.

Mit seinem bewegenden Roman „Mein Name ist Marytė“, der das lange in Vergessenheit geratene Schicksal der ostpreußischen „Wolfskinder“ nach dem Einmarsch der Roten Armee aufgreift, hat der Autor und Regisseur Alvydas Šlepikas bereits zahlreiche deutsche Leser gefunden. Von ihm legt der Mitteldeutsche Verlag nun den Erzählband „Der Regengott und andere Erzählungen“ nach. Im Roman „Fische und Drachen“ (Residenz), der 2015 den Literaturpreis der EU gewann, verwebt Undinė Radzevičiūtė kunstvoll zwei Erzählstränge, die uns ins China des 18. Jahrhunderts und den modernen Großstadtalltag von vier Frauen führt. Vom Lyriker und Essayisten Eugenijus Ališanka, einem der meistübersetzten litauischen Gegenwartsautoren, dem wir wunderbare Gedichtbände bei DuMont und Suhrkamp verdanken, erscheint im kleinen Berliner Klak Verlag ein hochspannender autobiografischer Essayband. Der Autor und Übersetzer Laurynas Katkus, der 1995 mit einem Erasmus-Stipendium nach Leipzig kam, hat diesmal ebenfalls ein Essaybändchen im Gepäck; „Moskauer Pelmeni“ (Leipziger Literaturverlag) kreist um das schwierige Verhältnis von Litauern und Russen – und die „postkommunistischen Masern“ in Katkus’ Heimat.

Der litauische Buchmarkt, der sich vom mit der Weltwirtschaftskrise 2008 einhergehenden Einbruch noch nicht vollends erholt hat, erwartet sich einiges vom „Schaufenster“ Leipzig. Rund 100 Verlage gibt es, etwa 2000 Bücher erscheinen pro Jahr. Kleine, unabhängige Verlage wie Kitos Knygos („Andere Bücher“) haben einen schweren Stand gegen Konzerne wie Alma Littera – die größte Verlagsgruppe des Baltikums betreibt zugleich Litauens größte Buchhandels-Kette und einen Buch-Club. Zu den Independent-Buchhändlern, die trotz Gegenwind neu gestartet sind, gehören die Karl-May-Fans von Mint Vinetu in der Altstadt von Vilnius: Gute Musik, starker Kaffee, kostenloses W-Lan, neue und gebrauchte einheimische und fremdsprachige Bücher – dieses Schmöker-Paradies könnte so auch in Helsinki, Berlin oder Brooklyn zu finden sein. Selbst die litauische Staatspräsidentin Dalia Grybauskaitė, die in der Altstadt von Vilnius zur Schule ging, brachte schon ein paar ausgelesene Lieblingsbücher mit, um sie gegen neuen Lesestoff einzutauschen. Die Mietpreise im Herzen der Altstadt klettern, doch noch hält sich „Mint Vinetu“ tapfer gegen den Mainstream. „Wenn du in Vilnius eine Bar aufmachst, hast du zwei Jahre, um zu überleben – oder zu scheitern“, sagt Gründer Jonas Valonis. „Wir sind jetzt seit sieben Jahren hier.“ Kann man der Legende trauen, nach der im Paradies Litauisch gesprochen wird? Egal. Fürs neugierige Lesepublikum, das im Spiegel des Fremden mehr über sich selbst erfahren will, brechen paradiesische Zeiten an. 

Alle Informationen zur Leipziger Buchmesse finden Sie in unserem Special!

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