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Albert von Zahn - Grenzgänger zwischen Kunst und Wissenschaft

Kunsthistoriker, Künstler oder beides? Albert von Zahn - Grenzgänger zwischen Kunst und Wissenschaft

Wer war Albert von Zahn: Kunsthistoriker, Künstler oder gar beides? Dieser Frage will die Kabinettausstellung "Albert von Zahn - Grenzgänger zwischen Kunst und Wissenschaft" vom 8. September 2016 bis zum 8. Januar 2017 im Museum der bildenden Künste auf den Grund gehen.

"Lararium" von Albert von Zahn.

Quelle: Museum der bildenden Künste

Zahn, 1836 in Leipzig geboren, war Student an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden. Doch nach Abschluss seines Studiums 1858 schlug er nicht die Laufbahn eines Künstlers ein, sondern studierte an der Universität Leipzig Ästhetik und Philosophie mit Schwerpunkt auf der Kunstgeschichte. 1863 promovierte er und 1866 habilitierte er in Leipzig mit der Arbeit "Dürer's Kunstlehre und sein Verhältnis zur Renaissance".

Zahn war von 1860 bis 1868 Kustos des Leipziger Kunstvereins im Städtischen Museum (heute Museum der bildenden Künste Leipzig). Im Anschluss wurde er zum ersten Direktor des Großherzoglichen Museums in Weimar und 1870 zum Referenten der Generaldirektion der Königlichen Sammlungen in Dresden ernannt. Zahn, der zu den vielversprechendsten Kunsthistorikern des 19. Jahrhunderts zählte, löste zusammen mit anderen Gelehrten den sogenannten Holbein-Madonnen-Streit aus – ein Markstein in der Etablierung der Kunstgeschichte als ein eigenständiges Universitätsfach.

Wäre er nicht 1873 mit nur 37 Jahren verstorben, würde sein Name heute zweifellos bekannter sein.

Raum 1

Der erste Kabinettraum ist dem Holbein-Madonnen-Streit gewidmet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Hans Holbein d. J. – neben Albrecht Dürer einer der bedeutendsten Renaissancemaler nördlich der Alpen – zwei identische Marienbilder zugeschrieben. Eine Fassung befand und befindet sich in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden und die andere war im Besitz des Großherzogtums von Hessen-Darmstadt und ist seit 2011 in der Sammlung Würth. Um die Frage, welches der beiden Gemälde nun das Original sei, entzündete sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein Forscherstreit von nationalem kulturpolitischem Interesse. Zu einer Lösung kam es, als beide Bilder erstmals zusammen in der Holbein-Ausstellung von 1871 in Dresden gezeigt wurden.

Dabei stellte sich heraus, dass die Dresdner Holbein-Madonna eine Fälschung und die Darmstädter Holbein-Madonna das Original ist. Das Urteil basierte nicht, wie bis dahin sonst üblich, auf einem ästhetischen Geschmacksurteil, sondern auf wissenschaftlichen Kriterien: Stilanalyse und Provenienz. Albert von Zahn, der zu den Organisatoren der Ausstellung gehörte, spielte bei der Klärung dieses kunsthistorischen Rätsels eine maßgebliche Rolle.

Gezeigt werden in diesem Zusammenhang Reproduktionsgraphiken, seltene Lichtdrucke des 19. Jahrhunderts nach den beiden Holbein-Madonnen und als Höhepunkte zwei Pausen, die Zahn nach der Dresdner Holbein-Madonna anfertigte. Unter den ausgestellten Archivalien sei ferner auf ein Besucherbuch hingewiesen, welches während der Holbein-Ausstellung 1871 auslag und in dem das Publikum über die Echtheitsfrage der beiden Bilder mit Ja oder Nein abstimmen konnte.

RAUM 2 und 3

In den sich anschließenden zwei Kabinetträumen sind Zahns Landschaftszeichnungen ausgestellt, die während seines Italienaufenthaltes von 1866 bis 1867 entstanden. Diese Arbeiten sind gänzlich unbekannt und wurden in der Graphischen Sammlung des Museums in einem Zeichnungskonvolut entdeckt. Dank dieses Fundes ist es erstmals möglich Zahn nicht nur als Wissenschaftler sondern auch als Künstler vorzustellen.

Nach seiner Ankunft in Rom im April 1866 unternahm Zahn eine Rundreise, die ihn zunächst in den Süden, nach Neapel, Pompeji und Paestum, und dann, auf der Rückfahrt, in das Sabiner-Gebirge führte. Es entstanden zahlreiche Landschaftszeichnungen, die Zahns Rückkehr ins Künstlertum eindrucksvoll dokumentieren. Im Gebirgsdorf Olevano – seit Ende des 18. Jahrhunderts der beliebteste Ausflugsort für die in Rom verweilenden deutschen Künstler – erfuhr dieser biographische Ausbruch seinen Höhepunkt.

Zahn wohnte hier für drei Wochen in der Künstlerherberge Casa Baldi, die heute von der Deutschen Akademie Rom (Villa Massimo) als Künstlerstipendiatenhaus betrieben wird. In dieser Zeit zeichnete er Landschaftsausblicke, die sich im Stil und in der Motivauswahl eng an seinen Vorbildern, den Nazarenern, orientieren. Zahns Zeichnungen könnten daher, wenn sie nicht datiert und signiert wären, ebenso gut aus der Zeit um 1800 stammen. Man merkt ihnen nicht an, dass sie einer technischen und industriellen Umbruchszeit angehören, in der die Eisenbahn die Postkutsche verdrängte und die Fotografie als Reproduktionsmedium ihren Siegeszug antrat.

PM

"Albert von Zahn - Grenzgänger zwischen Kunst und Wissenschaft"
vom 8. September 2016 bis zum 8. Januar 2017
im Museum der bildenden Künste Leipzig

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