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"Gespielte Sanität": Wie Ärzte und Schwestern in die Kinderzimmer kamen

"Gespielte Sanität": Wie Ärzte und Schwestern in die Kinderzimmer kamen

Großpösna. Das gab es noch nie: Unter dem Motto "Gespielte Sanität" widmet sich eine kleine Sonderschau im Lazarettmuseum Seifertshain bundesweit wohl erstmalig dem Thema, wie Ärzte, Krankenschwestern, Hospital und die medizinische Behandlung spielerisch den Weg in die Kinderzimmer fanden.

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Kurator Michél Kothe mit einigen Stücken vom Seiffener Sanitätszug (vorn) bis zum beweglichen russischen Arzt (hinten rechts), der nach Medizineinnahme leuchtet.

Quelle: André Kempner

"Ein Anfang", sagt Kurator Michél Kothe. Eine größere wissenschaftliche Aufarbeitung sei vielleicht einmal Aufgabe der großen Museen.

Die Idee für die kleine Sonderschau sei schon 2013 gereift, als das Museum in Seifertshain umgestaltet wurde, auch den Raum für die Kabinettschau erhielt, erzählt der 39-Jährige, den viele aus unzähligen Gefechtsdarstellungen der Völkerschlacht 1813 wiedererkennen würden. Ein Jahre lang habe er darauf gezielt gesammelt, was rund ums Thema Sanität an Spielzeug zu finden war: Auf Flohmärkten, im Internet bei der Auktionsplattform Ebay, in Antiquitätenläden - überall habe er gesucht, erzählt Kothe.

Parallel habe er Spielzeugmuseen kontaktiert, in Nürnberg und Sonneberg nach entsprechenden Produkten nachgefragt, bei den Playmobilherstellern im fränkischen Zirndorf um Mithilfe gebeten, aber auch beim erzgebirgischen Museum in Seiffen. "Das Kuriose überall war: Erstmal herrschte Schweigen am Ende der Leitung", beschreibt Kothe amüsiert seine Erfahrung. Eine Anfrage für eine solche Schau hätten alle noch nie gehabt.

Erst seit etwa 1850 bis 1870 gebe es Spielzeug, das in irgendeiner Form Verletzte oder Kranke widerspiegele, hat er herausgefunden. "Und das erste war wohl auch eher als Kriegsspielzeug gedacht", meinte er. Bis zum Ersten Weltkrieg drehe es sich vornehmlich um das Militärsanitätswesen. Aus der Zeit stammen auch die ältesten Exponate der kleinen Seifertshainer Schau: Ärzte und Schwestern, fast ein ganzes Lazarett als Seiffener Miniaturen.

Ab 1900 hätten die so genannten Massefiguren nach und nach die vorherrschenden Zinn- und Bleifiguren als Spielzeug verdrängt. Mit der Verwendung von Plastik im Spielzeug habe danach auch immer mehr das Thema Sanität Einzug in die Spielzimmer erhalten.

So fehlt der klassische Arztkoffer mit Plastik-Stethoskop ebensowenig in der Schau wie ein ganze Galerie von Playmobilärzten und -krankenschwestern. Die ostdeutschen MSB-Figuren sind vorhanden, aber auch der Markenführer Lego mit Krankenwagen und Co. "Die meisten Neuerungen sind erst in den letzten 40 Jahren entstanden", erzählt Kothe. Inzwischen gebe es eigene Spielewelten rundum Hospital und die "Götter in Weiß". Selbst ein "Notarztsimulator" als PC-Spiel wird ausgestellt.

"Das Sanitätswesen ist heute ein ganz normaler Teil der kinderlichen Spielewelten", sagt Kothe. "Vielleicht weil es seinen Schrecken verloren hat", mutmaßt er. Früher seien Verletzung und Tod allgegenwärtig gewesen, die Kranken meist zu Hause gepflegt worden. Da sei das Leid nahe, kein Grund zum Spielen gewesen. Inzwischen übernehme Spielzeug mehr und mehr pädagogische Aufgaben. Die kleine Sonderausstellung ist Teil des Museums, das an Wochenenden von 13 bis 17 Uhr geöffnet hat.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2015
Jörg ter Vehn

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