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Inszeniert: Zeitgeschichtliches Forum zeigt "Deutsche Geschichte im Spielfilm"

Good Bye, Lenin! Inszeniert: Zeitgeschichtliches Forum zeigt "Deutsche Geschichte im Spielfilm"

Filme wie "Good Bye, Lenin!" oder "Bornholmer Straße" prägen das kollektive Geschichtsbewusstsein. Die populäre Aufbereitung von Fakten und Fiktion übertrifft an Reichweite alle anderen Vermittlungsformen. Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigt in "Inszeniert. Deutsche Geschichte im Film" bis zum 7. Januar 2018 über 500 Objekte.

Flüchtlinge und Vertriebene waren in der Nachkriegszeit selten Thema im Kino- und Fernsehfilm. Der ARD-Zweiteiler "Die Flucht" mit Maria Furtwängler führte 2007 zu großen Diskussionen in der Öffentlichkeit, da hier Vertriebene als Opfer dargestellt wurden und auch das Leid der von sowjetischen Soldaten vergewaltigten Frauen thematisiert wurde.

Quelle: ARD Degeto/UFA Fiction/Conny Klein

Unter den Exponaten befindet sich etwa die Jacke eines Häftlings aus dem DEFA-Film "Nackt unter Wölfen", den Frank Beyer 1963 nach dem Roman von Bruno Apitz drehte, aber auch die Uniform, die Tom Cruise als Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Film "Operation Walküre" (2008) trug. Es wird anschaulich, wie Spielfilme – auch durch Marketingmaßnahmen –öffentliche Debatten über bestimmte historische Themen anstoßen, manchmal neue Akzente setzen und die Sicht auf Personen und Ereignisse beeinflussen.

Spielfilme haben die öffentliche Diskussion zu Themen wie "Holocaust", "Widerstand" und "Zweiter Weltkrieg" in besonderer Weise geprägt, manche sogar unmittelbar beeinflusst: Beim Thema "Holocaust" schlägt die Ausstellung eine Brücke von der frühen DEFA-Produktion "Ehe im Schatten" (1947) von Kurt Maetzig bis hin zum unerwarteten Erfolg der amerikanischen Fernsehserie "Holocaust" (1979) und dem Kinofilm "Schindlers Liste" (1994).

Plakat zur Ausstellung "Inszeniert. Deutsche Geschichte im Spielfilm"

Filme wie "Good Bye, Lenin!" prägen das kollektive Geschichtsbewusstsein. Die populäre Aufbereitung von Fakten und Fiktion übertrifft an Reichweite alle anderen Vermittlungsformen. Das Zeitgeschichtlichen Forums zeigt in "Inszeniert. Deutsche Geschichte im Film" bis zum 7. Januar 2018 über 500 Film-Objekte.

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Spielfilme über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus konzentrieren sich in der Bundesrepublik in der Mehrzahl auf die Verschwörer des 20. Juli 1944. Die Filme "Es geschah am 20. Juli" und "Der 20. Juli" leisten Mitte der 1950er Jahre einen Beitrag zur Rehabilitierung des Widerstands gegen Hitler.
Bernhard Wickis "Die Brücke" (1959) zeigt mit drastischen Bildern die Realität des Zweiten Weltkrieges als Abbild des Grauens und ist damit eine Ausnahme in einer Fülle von Produktionen der 1950er Jahre wie die Trilogie "08/15" (1954/1955), die das Bild eines aufrechten, dabei unpolitischen Soldaten zeichnen, der Hitler dient, aber ihn gleichzeitig ablehnt.

Die suggestiven Bilder zeitgenössischer Unterhaltungsfilme der 1950er Jahre prägen bis heute die kollektive Erinnerung an die Zeit des Wirtschaftswunders. Filme wie "Wir Wunderkinder" (1958) von Kurt Hoffmann oder Wolfgang Staudtes "Rosen für den Staatsanwalt" (1959), die eine kritische Betrachtung wählen, bleiben Ausnahmen.

Bei den Themen "Flucht, Vertreibung, Integration" oder "Linksterrorismus" markieren Spielfilme einen spürbaren Perspektivenwechsel: Das allein schon durch die Zahl der Betroffenen bedeutsame Thema "Flüchtlinge und Vertriebene" findet im Spielfilm der Nachkriegsjahre zunächst kaum Widerhall. Seit der Jahrtausendwende nehmen sich Produktionen wie der zweiteilige Fernsehfilm "Die Flucht" (2007) mit Maria Furtwängler des Themas aus der Sicht der Flüchtlinge und Vertriebenen an.

"Der Baader Meinhof Komplex" (2008) rückt zehn Jahre nach der von der Roten Armee Fraktion verkündeten Selbstauflösung den Realitätsverlust innerhalb der RAF und deren Gewalt in den Mittelpunkt. Der Film setzt damit einen anderen Akzent als "Deutschland im Herbst" (1978) oder Margarethe von Trottas "Die bleierne Zeit" (1981), die eher den Absichten und Erklärungen der Täter nachspüren.

Mit der deutschen Einheit setzt eine breite öffentliche Diskussion über die "richtige" Erinnerung an die DDR ein. Hierzu trägt das Genre der Komödie – ein herausragendes Beispiel ist "Good Bye, Lenin!" (2003) − ebenso bei wie Produktionen, die sich mit der Struktur der SED-Diktatur beschäftigen: "Das Leben der Anderen" (2006) von Florian Henckel von Donnersmarck wird mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Die Ausstellung ist vom 5. April 2017 bis 7. Januar 2018 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. Der Eintritt ist frei.

"Inszeniert: Deutsche Geschichte im Spielfilm"
vom 5. April 2017 bis zum 7. Januar 2018
im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

PM

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