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Museumsnacht Halle+Leipzig: Zauberhafte Grüße von einem bezaubernden Abend

Mehr als 20.000 Besucher Museumsnacht Halle+Leipzig: Zauberhafte Grüße von einem bezaubernden Abend

In der achten gemeinsamen Museumsnacht in Halle und Leipzig empfingen am Samstagabend 80 Museen und Sammlungen unter dem Motto „Zauber“ Besucher in beiden Städten. Mehr als 20.000 Menschen ließen sich treiben.

Schwingend: Tanzmeisterin Ilka Sieler (links) und zwei Tanzpaare bitten die Besucher im Festsaal des Alten Rathauses zum Barocktanz. Begleitet werden sie von Musikern der Gruppe Les Matelots, die auf Barockinstrumenten spielt.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Wer zauberhafte Grüße bekommt und diese nicht lesen kann, muss sich nicht wundern. Das Alphabet in Braille-Schrift ist aber zum „Enträtseln“ auf der Postkarte aufgedruckt. Die verschickten viele aus dem Postamt, das die Deutsche Zentralbücherei für Blinde eigens zur Museumsnacht eröffnet hat. Etwa 80 Sammlungen in Halle und Leipzig zauberten am Samstagabend tolle Aktionen. Tausende Gäste in beiden Städten ließen sich von der Magie berühren, die als Motto über dem Abend schwebte.

Kulturbürgermeisterin Judith Marquardt aus Halle versuchte, bei der Eröffnung auf dem Leipziger Markt viele Messestädter für Angebote an der Saale zu interessieren, wo auf der geheimnisumwitterten Burgruine des Giebichensteins Zauberflöte und Zauberduft warteten. „Ich selbst werde mich zunächst im Regenwaldmuseum umschauen“, sagte sie. Dort führte eine Gruppe von Indonesierinnen den Tari Saman, den Tanz der tausend Hände, auf. Sarah Neumann studiert Buchkunst auf der Burg Giebichenstein. Sie versuchte sich in der Blinden-Zentralbücherei mit Braille-Schrift. „Mein Thema ist Augenlicht, ich möchte ein eigenes Buch in Blindenschrift herausgeben“, verriet die 23-Jährige, die sichtlich Spaß am Ausprobieren hatte. Das Lehrerpaar Kristin Lauch und Holger Scharf – sie arbeitet in Leipzig, er in Halle – war mit den Kindern im Bildermuseum unterwegs. „Wir schauen uns vieles an, was für die Kinder empfohlen wird“, so der 33-jährige Berufsschullehrer.

Dem 23. April 2016 wohnte ein "Zauber" inne. 80 Museen und Sammlungen in Leipzig und Halle hatten zur jährlichen Museumsnacht eingeladen. 

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Tanzmeisterin Ilka Sieler hatte derweil im Alten Rathaus das Sagen. Mit zwei Tanzpaaren – darunter Cathrin Orzschig und Ann-Kathrin Reichenbach vom Team des Stadtgeschichtlichen Museums in Barockkleidern – ließ sie im Festsaal die Röcke schwingen. „Wir sind gecastet worden und haben mit unseren Tanzpartner viel geübt“, erzählte Cathrin Orzschig lächelnd. Der Barocktanz lebte freilich vom Mitmachen und viele Gäste ließen sich nicht lange bitten. Sieler hatte Tänze wie einen Gassentanz herausgesucht, die aus der Sammlung des englischen Musikpublizisten John Playford stammen. Herausgegeben hat er sie erstmals im Jahre 1651. Zwar wirken viele der Schreittänze einfach. Wer sich nicht konzentrierte, konnte aber schnell über die eigenen Füße stolpern ...

Zwei Performancekünstler aus Strasbourg zogen vom Grassi-Museum zum Augustusplatz und retour. In ihrem Kostüm aus leeren Dosen verunsicherten, faszinierten und erschreckten sie die Leute zugleich. „Ist das eine Demo gegen das Konsumverhalten“, fragte eine Passantin. „Das können Sie selbst überlegen“, so Christine Fischer , die die Leute für Angebote im Völkerkundemuseum rund um Ahnengeflüster, Geisterhäuser, Orakel, aber auch zum Nachdenken übers eigene Ich animierte. Einen Rat konnten sich die Gäste im Ägyptischen Museum holen, wo Dozentin Katharina Stegbauer und ihre Studenten anhand von Papyrus-Quellen zeigten, was gegen Skorpionstiche und Hundebisse, aber auch als Liebeszauber wirkt. Das Fazit vieler Gäste: „Wieder ein bezaubernder Abend, auch wenn das angesichts des Mottos ein wenig gestelzt klingt“, wie Ingrid Bergmann (57) aus Mockau, für die die Museumsnacht (fast) jedes Jahr ein Muss ist, resümierte.

Von Mathias Orbeck

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