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Neues Augusteum zeigt Galerie mit barocken Professorenbildnissen

Geschichte auf 60x50 Zentimetern Neues Augusteum zeigt Galerie mit barocken Professorenbildnissen

Das Neue Augusteum am Campus Augustusplatz der Universität Leipzig ist um eine künstlerische Attraktion reicher: Auf der Empore im ersten Obergeschoss des Foyers wird vom 20. Juni 2016 an eine historische Galerie von Professorenbildnissen in einem Vitrinenband gezeigt.

Die Professorengalerie im Neuen Augusteum

Quelle: Foto: Swen Reichhold/Universität Leipzig

Die der Öffentlichkeit bislang weitgehend unbekannte Gemäldegalerie des Barock schmückte bis 1894 die noch von den Dominikanern errichteten Bibliotheksräume auf dem Campusareal, ab 1543 Keimzelle der Universitätsbibliothek. Nach über 120 Jahren kehren die Bildnisse nun an den Augustusplatz zurück. Gezeigt werden 21 ausgewählte Bildnisse, wie früher nach Fakultäten geordnet.

Der heute von der Kustodie der Universität Leipzig betreute Bestand zeigt Professoren des 17. und 18. Jahrhunderts, die an der Alma mater lehrten, forschten - und sich auf eigene Kosten vom Maler ihrer Wahl malen ließen. Um für die kostbaren Kunstwerke das passende Raumklima mit möglichst konstanter relativer Luftfeuchte um 55 Prozent zu schaffen, werden die sehr weitgehend abgedichteten Vitrinen kontinuierlich klimatisiert.

Die Idee hinter dem Projekt

Die Idee zu dem Projekt entstand im Wintersemester 2010/2011 bei einem Projektseminar für Studierende des Masterstudiengangs Kunstgeschichte, das vom Kustos Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen und der Professorin am Institut für Kunstgeschichte, Prof. Dr. Nadja Horsch geleitet wurde. Für das Seminar wurden ausgewählte Gemälde, die viele Jahre verpackt in der Universitätsbibliothek gelagert hatten, ans Licht gebracht und konservatorisch in der Kustodie betreut. Aufgabe der Seminarteilnehmer war zunächst die materielle Erfassung der Bilder nach musealen Standards, inklusive der Maltechnik. Das Bildnis des Theologen Johann Adam Schertzer wurde dafür in der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universität Leipzig geröngt, was interessante Einblicke in die Malweise und den Entstehungsprozess ermöglichte.

In einem zweiten Arbeitsschritt wurden die Biografien der Dargestellten erforscht und die Zuschreibungen überprüft. Die jeweiligen Erkenntnisse flossen in die Inventareinträge der Kustodie ein. Außerdem trugen die Studierenden Informationen zur Entstehungsgeschichte und zur historischen Hängung zusammen. Ein Extrakt der Ergebnisse wurde von den Studierenden im Juni 2011 auf einer Tagung in Marburg vorgestellt.

Universitätsgeschichte auf 60 mal 50 Zentimetern

Die barocke Professorengalerie der Leipziger Universitätsbibliothek, die bis ins späte 19. Jahrhundert den mittelalterlichen Bibliotheksbau auf dem Areal des ehemaligen Dominikanerklosters schmückte, zeigt Vertreter der vier damaligen Fakultäten: der Artistenfakultät (heute Philosophische Fakultät), der Theologischen Fakultät, der Juristenfakultät sowie der Medizinischen Fakultät. Die Werke der Galerie weisen ein Standardformat von etwa 60 mal 50 Zentimetern und einen einheitlichen Bildaufbau als einfaches Brustbildnis ohne Hände, in Gelehrtentracht vor dunklem Hintergrund auf und sind vielfach mit einer schriftlichen Identifizierung des Porträtierten versehen, die teils aus der Entstehungszeit, teils aber auch aus späteren Jahrhunderten stammt. Aktuell nachweisbar sind derzeit 88 Werke des besagten Typs, von denen 69 in Leipzig und wohl ein weiteres in Wolfenbüttel erhalten sind, 18 gelten als Kriegsverluste. Die Bildnisse weisen erhebliche Qualitätsunterschiede auf, da jeder Professor sich vom Künstler seiner Wahl malen ließ. Viele der dargestellten Professoren sind auch mit einem Epitaph im Paulinum vertreten.

"Bei den Leipziger Bibliotheksporträts handelt es sich nicht um einen institutionellen Auftrag, wie er für andere Universitäten belegt ist, sondern um private Schenkungen der Porträtierten. Entstehungsgeschichte und Umfang der Professorengalerie sind historisch schwer zu greifen. Die Wurzeln liegen nach bisherigem Stand der Kenntnis im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts", sagt Kustos Hiller von Gaertringen. Die bislang jüngsten Werke der Serie sind aus den 1780er Jahren, darunter beispielsweise das Bildnis des Theologen Johann Gottfried Koerner von Ernst Gottlob. Anfangs wurde auf Holztafeln, dann zusehends auf Leinwand und im 18. Jahrhundert oft auch auf Kupferplatten gemalt.

Bedeutsam für die Ausweitung der Galerie war insbesondere eine Initiative des Bibliotheksdirektors Joachim Feller, der die Mitglieder des Lehrkörpers der Universität 1676 dazu aufrief, der Bibliothek ihr Bildnis zu stiften. "An diesem zentralen Ort fungierte die Professorengalerie als Kristallisationspunkt universitärer Selbstdarstellung. Die Hängung in der Bibliothek stellte eine für alle Besucher und Benutzer offenkundige Verdichtung universitären Selbstverständnisses dar. Die Gemälde erwiesen sich zugleich als Teil einer facettenreichen, umfassenden Erinnerungskultur", erklärt Nadja Horsch.

Die Professorengalerie im Neuen Augusteum auf der Foyerempore für alle Interessierten frei zugänglich. Die Exponatbeschriftung ist derzeit noch in Arbeit.

PM

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