Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Header Special Leipziger Museen
Google+ Instagram YouTube
Stasi-Gedenkstätte "Runden Ecke" feiert Geburtstag

Stasi-Gedenkstätte "Runden Ecke" feiert Geburtstag

Linoleumböden, Neonleuchten, Scherengitter an den Fenstern, Kabelkanäle und alte Heizkörper - wer die Räume in der "Runden Ecke" betritt, fühlt sich sofort ans Flair der DDR erinnert. Und das ist so gewollt.

Voriger Artikel
Kindermuseum wieder im Haus Böttchergässchen geöffnet
Nächster Artikel
Runde Ecke erinnert an DDR-Unrecht

Blick zurück in eine Zeit der Bespitzelung: Besucher informieren sich im Museum in der "Runden Ecke" über die Arbeitsweise der DDR-Staatssicherheit.

Quelle: André Kempner

Linoleumböden, Neonleuchten, Scherengitter an den Fenstern, Kabelkanäle und alte Heizkörper - wer die Räume in der "Runden Ecke" betritt, fühlt sich sofort ans Flair der DDR erinnert. Das ist gewollt. Das Bürgerkomitee Leipzig will in der  Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" Zeitgeschichte möglichst authentisch in Originalräumen erlebbar machen. In einem solch, auch abstoßenden Ambiente lässt sich schonungslos offensiv die Macht der Stasi darstellen. Die Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) residierte in dem Haus am Dittrichring, bevor engagierte Bürger es während der Montagsdemonstration am 4. Dezember 1989 besetzten.

Aus Wut über das berüchtigte Ministerium hatten einige in den ersten Wochen zwar viele Gegenstände zerstört. Allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, diese zu bewahren, um über die Funktionsweise der SED-Diktatur und ihres Geheimdienstes aufklären zu können. So öffnete das Bürgerkomitee bereits im Frühjahr 1990 eine erste Ausstellung zu Struktur und Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit in der ehemaligen Leipzig-Information auf dem Sachsenplatz. Dort standen die Leute regelrecht Schlange, um sich zu informieren. Am 31. August 1990 konnte dann die heutige Dauerschau in der "Runden Ecke" eröffnet werden. Aus diesem Anlass findet vom 29. bis 31. August ein Festwochenende zum 25. Geburtstag des Museums statt.

Dort ist der Andrang nach wie vor groß. "Zu uns kommen 130 000 Besucher pro Jahr - die Tendenz ist leicht steigend", sagt Tobias Hollitzer, der die Gedenkstätte leitet. Zu ihr gehören noch der ehemalige Stasi-Bunker inmitten des Naherholungsgebietes "Lübschützer Teiche", der als Ausweichführungsstelle im Krisenfall genutzt werden sollte. Und die ehemalige Hinrichtungsstätte in der Alfred-Kästner-Straße, in der 1960 bis 1981 alle in der DDR verhängten Todesurteile vollstreckt wurden. Wer gehört heute zu den Besuchern? "Neben Schulklassen und Touristen aus vielen Ländern sind das nach wie vor die Leipziger", erklärt Hollitzer. "Die zeigen ihren Gästen das Museum, einfach weil es zu Leipzig und ihrem Leben gehört." Für viele ist es längst ein symbolischer, emotionaler Ort geworden - beim Lichtfest werden spontan Kerzen abgestellt.

Manches in der Ausstellung wirkt heute grotesk oder gar antiquiert - etwa die falschen Bärte und Perücken, mit denen sich die "Beschatter" unkenntlich machten. Oder die Fototechnik, die für Aufnahmen für erkennungsdienstliche Zwecke genutzt wurden. Das Lächeln bleibt dem Besucher aber rasch im Halse stecken - etwa bei Besichtigung der gesammelten Geruchskonserven oder einer originalgetreu nachgebauten Zelle. Viele der Stasi-Geräte sind nur in Leipzig erhalten geblieben, wie beispielsweise jene zur Post- und Telefonkontrolle. Hinter den Kulissen wird intensiv an einer Weiterentwicklung des Museums gearbeitet, auch in Auswertung einer detaillierten Besucherbefragung. "Im Kern wird das authentische Umfeld so detailliert wie möglich erhalten, um die Leute etwas von der Arbeitsatmosphäre erahnen zu lassen, die bis 1989 bei der Stasi herrschte", sagt Hollitzer. Das wird eine Herausforderung. Denn es bedeutet, kaputte Dinge wie Schalter möglichst originalgetreu zu ersetzen. Doch wo gibt es beispielsweise noch das DDR-typische Linoleum? "Das ist eine klassische Frage für Restauratoren - im End-effekt wie in einem Barockschloss", sagt der Museumschef. Irgendwie ist die Ausstellung selbst schon zum Museumsobjekt geworden.

Darüber hinaus müsse die Ausstellung in einzelnen Punkten ergänzt, überarbeitet, erweitert werden. Letzteres ist schwierig, weil der Platz im Gebäude begrenzt ist. Das teilt sich das Bürgerkomitee Leipzig mit dem Schulmuseum. Wichtig wäre aber, wenigstens eine Garderobe für den Winter sowie Räume einzurichten, in denen auch mal eine Schulklasse unterkommt.

Um an "Orte der Friedlichen Revolution" in Leipzig zu erinnern, an denen bedeutende Aktionen stattfanden, hat das Bürgerkomitee zudem 20 Stelen an Originalschauplätzen aufgestellt. Dazu gibt es seit Mai mit der App "Leipzig '89" auch eine mehrsprachige Hörführung.

Das Museum in der "Runden Ecke", Dittrichring 24, hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Einstündige Führungen werden jeweils 15 Uhr (ab 5 Personen) angeboten. Dabei wird ein Obolus von vier Euro von Erwachsenen sowie drei Euro von Schüler/Studenten erhoben. Nach Absprache sind auch fremdsprachige Führungen möglich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.08.2015

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
Google-Karte mit Einträgen aller teilnehmenden Leipziger Museen

Alle Museen von A - Z: Adressen, Öffnungszeiten, Kontaktinfos finden Sie hier: mehr

Eintritt frei!

Einige Museen bieten an bestimmten Tagen kostenlosen Zugang zu ihren Austellungen. Eine aktuelle Übersicht finden Sie hier. Jetzt sparen!