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Universitätskirche St. Pauli: Kanzel-Korb im Grassimuseum zu sehen

Nach Restaurierung Universitätskirche St. Pauli: Kanzel-Korb im Grassimuseum zu sehen

Neue Attraktion im Leipziger Grassi Museum für Musikinstrumente: Erstmals seit 1968 ist der Korb der aus der Universitätskirche St. Pauli geretteten Kanzel wieder öffentlich zu sehen. Unter Leitung der Kustodie der Universität Leipzig wurden mehr als 200 Originalfragmente des Kanzelkörpers restauriert, verlorene Teile ergänzt.

Die Einzelteile der Kanzel vor (l.) und nach der Restaurierung.

Quelle: Michael Hempel, Marion Wenzel / Kustodie der Universität Leipzig

Für die Zeit der vorübergehenden Aufstellung im Grassi Museum für Musikinstrumente der Universität soll die barocke Kanzel auch thematisch in die dort bestehende Ausstellung integriert werden. Die Restaurierungsarbeiten am Rest der Kanzel (Schalldeckel und Treppenaufgang) werden inzwischen, soweit es die finanziellen Mittel zulassen, weitergeführt.

"Ich freue mich, dass die Kanzel nun zumindest zum Teil der Öffentlichkeit präsentiert werden kann", sagt Prof. Dr. Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig. "Diese Zwischenlösung war bekanntlich im vergangenen Februar verabredet worden, als die Expertenkommission zur Zukunft der Kanzel sich letztmals traf." Die Kommission hatte sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, das wertvolle Stück perspektivisch im Paulinum - Aula/Universitätskirche St. Pauli aufzustellen. Voraussetzung dafür sei jedoch ein positives Ergebnis des Monitorings im Paulinum, das die raumklimatischen Bedingungen und ihre Auswirkungen auf die Kanzel innerhalb der ersten drei Semester nach der Eröffnung des Gebäudes untersucht. Am Schluss soll ein Votum des Senats der Universität stehen.

"Es ist uns eine Ehre, die Kanzel zwischenzeitlich bei uns im Zimeliensaal zu zeigen", sagt Prof. Dr. Josef Focht, Leiter des im Grassi beheimateten Musikinstrumentenmuseums der Universität. Möglich werde das durch die Restaurierung einer Orgel, deren vakanten Platz die Kanzel vorrübergehend besetzt. "Bis die barocke Orgel spielfähig in den Zimeliensaal zurückkehrt, werden wir die Kanzel einbetten in unsere Ausstellung, Informationsmedien und spezielle Führungen anbieten - und dabei Themen wie die Verbindung von Wort und Musik, die Geschichte der öffentlichen Universitätsgottesdienste und die Leipziger Universitätsmusik beleuchten." Eine eigene Präsentationsveranstaltung werde es im April geben.

"Der plastische Eindruck, den man nun erhält, ist auf jeden Fall einen Besuch wert", erklärt Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen, Kustos der Kunstsammlung der Universität Leipzig. "Es ist ein wahres Glück, dass die Kanzel 1968 von einer Gruppe von Handwerkern aus der städtischen Denkmalpflege vor der Sprengung der Kirche gerettet wurde. Wie bei den geretteten Epitaphien entstanden auch bei der Kanzel schwere Schäden durch den - bedingt durch Zeitmangel - eher gewaltsamen Abbau und die über Jahrzehnte improvisierte, wenig fachgerechte Lagerung, was Fragmentierungen, Risse und Verformungen zur Folge hatte. Die Restaurierung durch Johannes Schaefer und Matthias Krahnstöver war und ist daher unheimlich aufwändig. Ich bin vom Ergebnis sehr angetan und freudig überrascht!"

Im Laufe ihrer Geschichte wurde die 1738 von Valentin Schwarzenberger geschaffene Kanzel mehrfach renoviert. Dabei erfuhren ihre farbigen Fassungen grundlegende Veränderungen: Ihr ursprüngliches Erscheinungsbild war von einer gemalten roten und grauen Marmorierung im Zusammenspiel mit Vergoldungen geprägt. Vermutlich seit dem Kirchenumbau von 1897/98 erstrahlte sie, eine monochrome braune Fassung ablösend, in dem bis heute sichtbaren Farbklang von Weiß und Gold, der nun gereinigt und gefestigt wurde. "Zugunsten einer nachvollziehbaren Geschichte werden Fehlstellen in der Malschicht und in den Ornamentkörpern bewusst in Kauf genommen", erläutert Hiller von Gaertringen.

Verlorene Teile seien ergänzt worden. "Sie sind im momentanen Zustand gut zu erkennen, weil sie noch keine Farbfassung tragen. Während man die Vergoldungen über die Zeit nur partiell überarbeitet hat, wurden die Flächen Ende des 19. Jahrhunderts eher grob überstrichen, wobei der Anstrich zwischenzeitlich stark vergilbte. Ob diese Fassung so künftig tatsächlich gezeigt werden kann, wird zu diskutieren sein." Wie lange die Kanzel im Musikinstrumentenmuseum zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Der Zeitraum sei abhängig vom Fortgang der Restaurierung der Kanzel selbst sowie jener der Orgel des Musikinstrumentenmuseums, sagt Museumschef Focht.

Noch nicht restauriert werden konnten bislang der Schalldeckel und der Treppenaufgang. Die Restaurierungsarbeiten werden fortgesetzt, soweit es die finanziellen Mittel zulassen. Die bislang entstandenen Kosten in Höhe von rund 55.000 Euro hat zum größten Teil die Universität aus ihrem Körperschaftsvermögen bestritten. 10.000 Euro kamen dank einer Zuwendung des sächsischen Wissenschaftsministeriums aus dem "Mauerfonds" des Bundesfinanzministeriums. Musikinstrumentenmuseum.

PM

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