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Teil 20 der LVZ-Serie: Königshaus-Passage - Die optische Sackgasse

Teil 20 der LVZ-Serie: Königshaus-Passage - Die optische Sackgasse

Soviel vorweg: Die Königshaus-Passage hält auf den ersten Blick nicht so recht, was ihr Name verspricht. Denn wer sie besucht, um dort royalen Pomp und Glamour zu finden, wird wohl enttäuscht.

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Königshaus-Passage

Eher bodenständig und rustikal geht es zu hinter den Fensterscheiben der Geschäfte. Der Blick vom Markt durchs Königshaus bietet zudem die optische Täuschung, dass der Weg in eine Sackgasse führt. Doch das ist keineswegs der Fall. Wer den ersten Lichthof passiert und dort den Schriftzug „Königshaus-Passage“ entdeckt hat, erkennt schon bald, dass er nach links in die Mädler-Passage und nach rechts in die Petersstraße weiterbummeln kann.

Doch zurück zum Start: Wer in die Passage will, muss zunächst durch das am Markt 17 befindliche Königshaus. Das wiederum gehört zu den kulturgeschichtlich interessantesten Baudenkmalen im Zentrum und schmückte 1978 als Motiv sogar eine Zehn-Pfennig-Briefmarke der Deutschen Post der DDR. Das um 1560 errichtete Vorderhaus diente lange Zeit als Gästehaus des Rates der Stadt. Illustre Logierer gab es aber auch schon viel früher, darunter Zar Peter der Große, August der Starke sowie Preußenkönig Friedrich der II., Kaiser Napoleon und der Fabeldichter Christian Fürchtegott Gellert. Das damals noch unter dem Namen Apels Haus bekannte Renaissance-Gebäude wurde 1706/07 im Stile des Barock umgebaut. Nach der offiziellen Umbenennung in Königshaus 1904 erfolgte 1915/16 ein weiterer Umbau zum Messehaus durch den Architekten Gustav Pflaume. Schließlich fügte der Leipziger Architekt Curt Schiemichen 1932 zwischen den beiden denkmalgeschützten Gebäuden Markt 17 und Petersstraße 13 eine Passage ein.

Neben einem durchgängigen Passagenoberlicht enthielt diese ein Galeriegeschoss oberhalb der Ladenlokale im Erdgeschoss, wo sich Freisitze von Cafés befanden. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde auf Höhe dieser Café-Empore aber eine Zwischendecke eingezogen, so dass der ehemals weitläufige Passagenraum einem künstlich beleuchteten Durchgang weichen musste. Zudem wurde 1961 bis 1963 der Zugang zur Messehofpassage hergestellt.

Wer noch ein bisschen in der Vergangenheit verweilen will, sollte ruhig der Fielmann-Filiale einen Besuch abstatten, auch wenn er gerade keine Sehhilfe benötigt. Delfter Kacheln, Gemälde, Kamin und ein Blick von der Beletage auf den Markt, so wie ihn möglicherweise Napoleon hatte, gibt es da gratis. Hier schlummert manche Erinnerung an die Völkerschlacht, aber mit Filialleiter Ralf Heitjohann an der Seite werden sie rasch geweckt. Er erzählt nicht nur, dass 1813, während der Völkerschlacht, der sächsische König Friedrich August I. hier übernachtete. Er berichtet zugleich, dass ihn am 19. Oktober, nach verlorener Schlacht, der französische Kaiser Napoleon Bonaparte August I. im Königshaus besuchte, das danach zum Hauptquartier des verbündeten Generalgouverneurs von Sachsen, des russischen Fürsten Repnin-Wolkonski, wurde. Am 15. Oktober 1820 verstarb der Oberbefehlshaber der Verbündeten, Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg im Königshaus, woran eine Tafel erinnert.

Allerlei Entdeckungen heutiger Art erwarten den Besucher dann in der Passage. Da gibt es aktuelle Zeitungen und Zeitschriften sowie mit Interart auch eine Buchhandlung für Exotisches, wie Inhaber Siegfried Jahn es auf seiner Web-Site formuliert. Kaffee- und Tee-Spezialitäten, Kleidung und Lederwaren werden feilgeboten. Mit einem kleinen Atelier ist seit reichlich fünf Jahren Solveig Rosenowski in der Passage präsent und fühlt sich sehr wohl. Dass (noch) nicht alles wie geleckt aussieht, stört sie nicht. Im Gegenteil: „Ich wäre froh, wenn nicht alles totsaniert würde. Es ist doch nicht uncharmant, dass einige Details an vergangene Zeiten erinnern“, meint die Modistin, die bereits für so manchen Leipziger Kopf die passende Bedeckung geformt hat. „Alles Unikate, die in meinem Atelier entstehen“, betont die Handwerkerin.  Cornelia Lachmann

Cornelia Lachmann

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