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Teil 24 der LVZ-Serie: Einem Messehaus um die Ecken geschaut

Teil 24 der LVZ-Serie: Einem Messehaus um die Ecken geschaut

Handeln können sie, die Leipziger! Höchste Zeit, das öffentlich kundzutun, müssen sich unsere Stadtväter von einst gedacht haben, als sie um 1908 nach einem Namen suchten.

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Der Handelshof in der Grimmaischen Straße Leipzig

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Einen, der den neuen Bau auch gebührend würdigt. Nach all den Messehöfen, die auf Architekten, Eigentümer, Kaufleute oder sogar auf Könige hinweisen, sollte deutlich werden: Hier werden Geschäfte gemacht! Hier wird gehandelt! Ein besserer Name als Handelshof konnte es gar nicht sein.

Genügend Platz für den künftigen Messepalast gab es auch, wurde doch zwischen Naschmarkt, Grimmaischer Straße, Salzgäßchen und Reichsstraße bis 1907 ein ganzes Quartier abgerissen. Vorgesehen war diese Fläche für einen Rathausneubau; er entstand an Stelle der alten Pleißenburg - das moderne Mustermessehaus konnte kommen. Weichen mussten dafür unter anderem der älteste öffentliche Bierausschank der Messestadt, der historische Burgkellerblock - abgebrochen wurde auch der Renaissance-Giebelbau der „Fleischbänke". Begonnen wurde der monumentale Bau für den Handelshof am 1. April 1908. Respekt verdienen Bauzeit und Kosten: „Trotz der umfangreichen Unterkellerung wurde der Handelshof bereits am 1. August 1909 vollendet. Die Bausumme betrug 2 790 000 M eine Überschreitung des Kostenanschlags fand nicht statt", heißt es lapidar in „Der Profanbau".

Aussteller und Besucher aus aller Herren Länder empfing das neue Handelshaus erstmals zur Herbstmesse 1909. Für sie gab es allerhand zum Staunen: „Zwei Lichthöfe, Erd-, Zwischen- und drei Obergeschosse sowie Ausgänge zu vier Straßen sind Markenzeichen des von den Architekten Georg Weidenbach und Richard Tschammer errichteten Monumentalbaus. Mit seiner 9000 Quadratmetern großen Ausstellungsfläche war der Handelshof der drittgrößte Messebau der Innenstadt", blickt die Leipziger Messe stolz auf ihr historisches Handelshaus zurück. Nach Jahren des Aufschwungs brannte der Handelshof bei den Bombenangriffen auf Leipzig in den Jahren 1943/44 bis auf das Erdgeschoss aus.

Aber schon zur Frühjahrsmesse 1947 wurde er wieder in Betrieb genommen. Bevorzugte Handelshof-Messegüter waren Schneiderwaren, Rundfunk- und Fernsehtechnik und Haushaltsgeräte. „Dicht umdrängt von weiblichen Besuchern, sind die Kojen mit den neuartigen Elektro-Waschmaschinen", heißt es in einem Pressebericht von 1954. Bis 1991 wurde der großzügige Bau von der Leipziger Messe genutzt; wenig später war er ein beliebtes Ziel für Kunstinteressierte, denn bis zur Fertigstellung des Bildermuseums war das Haus Interimsstätte für das Museum der bildenden Künste. Denkmalgerecht saniert wurde der Handelshof von 2007 bis 2011 durch die Leipziger Stadtbau AG.

Und wo sind nun die Passagen, die Durchgänge, für die Leipzigs Altstadt berühmt ist? Eine Passage soll geblieben sein. Doch wo? Vielleicht an der Grimmaischen Straße, wo der alte Schriftzug Handelshof über dem historischen Haupteingang freigelegt wurde. Aber nein, dort empfängt eine Chocolaterie die Neugierigen. „Touristen fragen oft nach der Geschichte, möchten mehr über den Handelshof wissen", erzählt die Verkäuferin, während sie hübsche kleine Pakete voll Naschwerk über die Ladentheke reicht. Also mal um die Ecke geguckt, wo man sich unter freiem Himmel durch allerlei Speisekarten naschen kann, so wie die Leipziger Jahrhunderte zuvor durch die Angebote der Nasch-marktstände. An der Handelshoffassade der historischen Stätte reihen sich Cafés und Restaurants aneinander - doch nicht alle Eingänge führen in Gaststätten: Da ist sie ja endlich, die Passage! Ein schmiedeeisernes Gitter rahmt ihr Portal, riegelt es jedoch nicht ab: Durch einen langen, schmalen Gang kommt man vom Naschmarkt in die Reichsstraße. Ein Geheimtipp für heiße Sommertage - müde vom Stadtbummel, findet man zwischen den hohen Passagemauern Abkühlung und Stille. Denn schon in der Reichsstraße herrscht wieder buntes Treiben, hochwertige Waren locken in die Geschäfte - noch einmal um die Ecke geschaut und das Steigenberger Grandhotel im Salzgäßchen empfängt hinter der historischen Fassade des ehemaligen Messehauses Menschen aus allen Himmelsrichtungen. Ganz wie der Handelshof von einst.

Ingrid Hildebrandt

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