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Falk Elstermann inszeniert Reformationsperformance in Leipzig

"Zum Licht" Falk Elstermann inszeniert Reformationsperformance in Leipzig

Es klingt wie ein enormes Projekt: 70 Minuten, Open-Air, Lichtkuppel, Orchester, Chöre und Solisten, Schauspieler, Tänzer, insgesamt rund 500 Beteiligte, Videoproduktionen, Sound- und Lichtdesign über Reformation, Glaubenskriege, Toleranz und Versöhnung. Zu erleben ist es am 26. $ 27. Mai 2017 auf dem Leipziger Markt.

Eine wahre Herkulesaufgabe: Regisseur Falk Elstermann erklärt auf dem Fahnenausstieg des Alten Rathauses die Idee hinter der Open-air-Performance „Zum Licht“.

Quelle: Christian Modla

Regisseur Falk Elstermann hat eine Performance erschaffen, die sich in ihrer ganzen Pracht entfalten wird. „Das hoffe ich zumindest“, scherzt der umtriebige, 1961 in Pirna geborene Elstermann. „Wenn ich meine Augen schließe, sieht die Szenerie jedenfalls sehr schön aus.“ Das sperrige Thema, sein eigener Anspruch sowie der seiner künstlerischen Mitstreiter und die Koordination der unzähligen Elemente lassen das Projekt „Zum Licht“ zu einer wahren Herkulesaufgabe heranwachsen – doch Elstermann bleibt ruhig. Dass ein so prominenter Vertreter der freien Szene und Geschäftsführer des traditionsreichen Leipziger Kulturhauses „naTo“ sich Luther und der Disputation widmet und dafür entscheidet, Teil eines institutionellen Ereignisses wie des Reformationsjubiläums zu werden, lässt so manchen Beobachter verwundert zurück. Tatsächlich hätten ihn Freunde davor gewarnt, sich auf diese Nähe zur evangelischen Kirche einzulassen. Aber seine Erfahrungen seien durchweg positiv: Von tiefgehenden Gesprächen, Neugier und Offenheit berichtet er und lobt: „Es gab zu keiner Zeit eine künstlerische Einflussnahme.“

Herausgekommen ist ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht. In insgesamt sechs, fließend ineinander übergehenden „Akten“ inszeniert Elstermann als künstlerischer Gesamtleiter gemeinsam mit Stefan Ebeling (Schauspielregie), Montserrat León (Choreographie), Andreas Mitschke (musikalische Leitung), René Blümel (Videokunst) und vielen weiteren Mitwirkenden eine historische Zeitenwende; beginnend mit der Vorstellung der vor 500 Jahren herrschenden Machtverhältnisse mit Kaiser und Papst im Zentrum, dessen Infragestellung durch Martin Luther bis hin zum ungleichen Duell des Augustinermönchs mit dem scheinbar übermächtigen Theologen Johannes Eck in Leipzig. Ein klassisches Gut-Böse-Schema gäbe es aber nicht, so Elstermann. Beide Protagonisten hätten nachvollziehbare Gründe für ihr Handeln. Mit dem heutigen Wissen um seine dramatischen Folgen war dies ein Kampf ohne eindeutiges Richtig und Falsch.

„Im Gegensatz zum lateinischen Originaldisput wird unsere Version in moderner deutscher Sprache stattfinden – mit Thomas Dehler als Luther und Günter Schoßböck als Eck“, erklärt Elstermann. Die ursprüngliche 19-seitige Text-Rohfassung wurde für die Performance auf lediglich sechs Seiten reduziert und mit direkten Bezügen zur heutigen Zeit angereichert. Auch die Entfremdung von Elite und Bürgern spiegelt sich darin wider. Die gesamte Aufführung hindurch spielen die Beteiligten mit Stimmungen und Stilen, wechseln sich Chor- und Orchesterwerke von Bach und Mozart mit Elektro-Jazz-Collagen ab, wird mit moderner Licht-, Sound und Videotechnik eine beeindruckende Kulisse auf dem Marktplatz erzeugt. Für den Regisseur stand in den Überlegungen eines im Vordergrund: „Luthers kompromissloses Glaubensbekenntnis, sein Mut gegen das Bestehende aufzubegehren war der Ursprung der Reformation, ein entscheidender Schritt in die Neuzeit, hat aber auch zu vielen Kriegen und Grausamkeiten geführt.“ In der Inszenierung wird dieser Aspekt unter anderem mittels einer eigens vom Soundkünstler Mike Dietrich geschaffenen Kriegskomposition sowie durch Projektionen von Krieg, Inferno und Egoshooter-Szenen aufgegriffen. „Das macht es so wichtig, gerade in unserer heutigen, zerrissenen und gewaltvollen Welt über alles Trennende von Religionen und Ideologien hinweg immer wieder für Toleranz und das Miteinander der Menschen zu werben“, sagt Elstermann. Als Träger dieser hoffnungsfrohen Botschaft wirkt an diesen Abenden ein Friedensbote (siehe nebenstehender Artikel). „Der Mensch braucht einen Glauben, Spiritualität, etwas, das über seinen individuellen Lebenskreis hinausreicht“, ist sich der Künstler sicher. Auch er selber möchte an einen erweiterten Sinn glauben. Daher rührt sein Interesse für dieses Projekt. Am Ende des Abends bleibt der Mensch, bleibt das Publikum – gemeinsam, beschützt, vereint.

Reformationsperformance „Zum Licht“, Marktplatz Leipzig, 26. und 27. Mai, 22 bis 23.30 Uhr

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