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Evangelischer Kirchentag 2017 in Leipzig
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Kirchentag eröffnet: Über 2000 Christen feiern auf dem Leipziger Markt

Ökumenischer Gottesdienst Kirchentag eröffnet: Über 2000 Christen feiern auf dem Leipziger Markt

Gelungener Auftakt für den Leipziger Kirchentag: Über 2000 Christen feierten am Donnerstag Abend einen ökumenischen Gottesdienst. Zentrale Botschaft der drei Prediger, darunter die Leipziger Pastorin Elke Bucksch: Gott sieht Dich, klebt nicht an Eurer Angst!

Über 2000 Gläubige am Markt: Am Donnerstag Abend kam Kirchentagsstimmung in Leipzig auf.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  „Du siehst mich“, lautet das Kirchentagsmotto. „Du siehst mich garantiert nicht“, hatten einige Kirchentagsgegner in Leipzig zuletzt in sozialen Netzwerken gelästert. Nun, gesehen haben den Eröffnungsgottesdienst am Ende doch über 2000 Christen – der mit Absperrgittern gesicherte Markt war rund um die Bühne gut gefüllt. Sieh mal an! Dazu Sonnenschein, warme Worte und viel Musik: Beste Bedingungen für eine gesegnete Open-Air-Partie zu Christi Himmelfahrt. Parallel fanden auch in allen anderen sechs Orten des „Kirchentages auf dem Weg“ Gottesdienste statt – ein einigendes Band, das am Sonntag schließlich zum Abschlussgottesdienst auf die Wittenberger Elbwiesen führen soll.

Drei Prediger auf einer Bühne

Auf der Bühne in Leipzig standen gleich drei Prediger: Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing (49), der katholische Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers (64) sowie Elke Bucksch (52), Pfarrerin der evangelisch-reformierten Kirche in Leipzig. Eine Seltenheit, in dieser Konstellation. Und ein schöner Gewinn: Denn jeder der drei Geistlichen hatte einen anderen Blick auf den Predigttext aus dem ersten Buch Mose. Eine unglaubliche Geschichte wird da erzählt: Abraham und Sara können kein Kind bekommen, Sara gibt ihrem Mann die ägyptische Magd Hagar zur Seite. Und siehe da, sie wird schwanger, was Sara rasend eifersüchtig macht – und in der Flucht der verzweifelten Sara endet.

Gelungener Auftakt für den Leipziger Kirchentag: Über 2000 Christen feierten am Donnerstag Abend einen ökumenischen Gottesdienst.

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„Du siehst mich – haben wir nicht oft genug triftigen Grund, daran zu zweifeln“, fragt Pastorin Bucksch zur Eröffnung der Trialogpredigt. Was ist zum Beispiel mit den Kindern, die mit ihren heillos zerstrittenen Eltern klar kommen müssen? Oder mit den jeweils neuen Partnern der Eltern. „Und manchmal denken wir dann: Sieh mich bloß nicht, wenn wir scheitern, in Ehe, Beruf oder an unseren eigenen Ansprüchen. Dabei haben wir doch alles gegeben.“ Wegschauen, verzagen, aufgeben? „Nein, gerade wenn der Himmel verschlossen scheint, steht er für uns offen“, sagt Bucksch. Das ist der Trost und die Zuversicht, gerade in unruhigen Zeiten von Flüchtlingskrise und gefühlten Überforderungen.

Katholischer Bischof Timmerevers: „Bei Gott ist alles möglich“

Wir wollen immer alles im Vorblick erkennen und unser Geschick bestimmen – doch Gottes Angesicht wird oft erst im Rückblick deutlich. Landesbischof Carsten Rentzing kann darin Zutrauen erkennen: Erst in der Rückschau wird für uns vieles klarer. Und wir können daraus Mut schöpfen. Wir sind Gott nicht egal, alles hat seinen Sinn.

Heinrich Timmerevers, seit gut einem Jahr Bischof des katholischen Bistums Dresden-Meißen, hat eine vielsagende Botschaft für die Protestanten auf dem Leipziger Markt: „Bei Gott ist alles möglich.“ Wie wahr, auch in Sachen Ökumene, 500 Jahre nach Luther und Kirchenspaltung. Im letzten Jahr gab es das „Wunder von Leipzig“, als zum Katholikentag der hiesige katholische Propst Gregor Giele und die evangelische Jugendpfarrerin Grit Markert sich erstmals gegenseitig segneten. Und jetzt, an diesem Maiabend 2017, scheint es schon fast selbstverständlich, dass ein katholischer Bischof konfessionsübergreifend den Christen Mut zuspricht. „Bleibt nicht an euren Ängsten kleben“, dieses Wort von Timmerevers kann der Auftrag für den „Kirchentag auf dem Weg“ sein.

Musikalisch ist Leipzig in der Spur

Musikalisch ist das Protestantentreffen ohnehin schon in der (Noten-)Spur. Vom ersten Gemeindegesang an stimmen die Leipziger und Gäste kraftvoll und treffsicher ein, Chor und Band der Hochschule für Kirchenmusik Dresden sind eine sichere Bank auf der Bühne, die versammelten Gemeindechöre aus ganz Sachsen stehen dem nicht nach. Allein der Bläserchor – zur Eröffnung spielt das Posaunenwerk der Landeskirche Braunschweig – hat noch Luft nach oben. Das muss wohl auch so sein: Viele der angekündigten 4000 Trompeten- und Posaunenspieler treffen erst morgen ein, am Sonnabend (18 Uhr) soll auf dem Augustusplatz das große Bläserfest steigen.

Am Ende swingt und lacht die Marktgemeinde, ein sonniger Maiabend klingt fröhlich aus. Du siehst mich garantiert nicht? Das wäre schade: Leipzig stimmt sich gerade erst auf Kirchentag ein.

Von Olaf Majer

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