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Evangelischer Kirchentag 2017 in Leipzig
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Pilgerwandern im Leipziger Neuseenland

Ich bin dann mal weg! Pilgerwandern im Leipziger Neuseenland

Während des Kirchentags können Besucher bei mehreren Touren Pilgerluft schnuppern. LVZ-Redakteurin Nadine Marquardt hat sich vorab auf eine der Strecken im Süden Leipzigs begeben.  Die alte Tradition des Pilgerns lebt bei evangelischen Christen wieder auf. Auf zur Pilgerwanderung „Wasserwege des Südens entdecken“ am 26. Mai 2017.

Laufen und sich selbst entdecken, funktioniert das? Ein Erfahrungsbericht.

Quelle: Nadine Marquardt

Während des Kirchentags können Besucher bei mehreren Touren Pilgerluft schnuppern. LVZ-Redakteurin Nadine Marquardt hat sich vorab auf eine der Strecken im Süden Leipzigs begeben.  
Ich sitze am Ufer des Markkleeberger Sees und versuche ruhig zu werden, in mich zu gehen. Der Strand ist leer, Vögel zwitschern, die Sonne scheint mir ins Gesicht, Wellen schlagen sanft ans Ufer. Hier soll meine Pilgerwanderung mit einer Meditation beginnen – genau wie am 26. Mai, wenn hier eine Tour vom See bis nach Connewitz führen wird, immer entlang am Wasser. Gott und sich selbst beim Wandern finden? Ehrlich gesagt, ich bin da skeptisch. Martin Luther war übrigens auch kein Freund des Pilgerns, er bezeichnete es als „Narrenwerk“. Allerdings kritisierte er damit vor allem den damaligen Ablasshandel der Kirche, bei dem Seelenheil auch durch Pilgern erkauft werden konnte. Seit einiger Zeit entdecken die evangelischen Christen das Pilgern allerdings wieder für sich.
Eine Ameise krabbelt über meine Hose. Plötzlich zerreißt ein Presslufthammer die friedliche Stille – an der See-Promenade wird gebaut. So wird das nichts mit Konzentration, Meditation und Selbstfindung. „Der Weg ist das Ziel“, denke ich mir, klopfe den Sand von der Hose und laufe los. „Spirituellen Tourismus“ hat mir Christiane Thiel einen Tag vorher am Telefon versprochen. Die Pfarrerin organisiert die Pilgerwanderungen. Gerade erst hatte sie die Route für meine Tour festgelegt und erklärt mir, wo ich langgehen muss. Es gehe dabei nicht um „Hardcore-Pilgern“, sondern darum, die schönen Wasserwege Leipzigs zu erkunden.

Ich laufe in Richtung Auenkirche. Die Strecke ist schön, aber Autos und Straße sind immer noch deutlich zu hören und zu sehen. Hinter der Kirche wird es endlich ruhiger, ich biege ab auf das große Agra-Gelände. Das Laufen tut gut, die Luft ist frisch, ich atme durch. Aber so richtig bekomme ich den Kopf nicht frei. Denn statt mich selbst zu finden, bin ich ständig auf der Suche nach dem richtigen Weg – trotz Smartphone-Karte und Wegweisern. Von der Agra geht es in Richtung Torhaus Dölitz. Der Wald ist dicht, der Weg schmal, die Mühlpleiße fließt gemächlich neben mir hier. Es geht einfach nur geradeaus, ein Schritt nach dem anderen, nur ich und die Natur. Beten mit den Füßen wird Pilgern auch genannt. Meine Füße sind schon etwas müde, da kommt ein Baumstumpf am Ufer für eine kurze Pause gelegen. Der Zivilisationslärm ist ganz weit weg, das Vogelgezwitscher übertönt das Flugzeug am Himmel. Die Langsamkeit des Laufens, die körperliche Herausforderung, das Erleben von Natur, das Loslassen der Gedanken: Ich kann schon verstehen, was die Menschen am Pilgern fasziniert. Der idyllische Pfad ist an der Gethsemanekirche erst einmal zu Ende. Von hier aus geht die Pilgerwanderung noch bis zur Paul-Gerhardt-Kirche in Connewitz. Als Abschluss finden hier ein Mitsingkonzert und eine Schülerausstellung statt.

Besonders spirituell fühle ich mich hinterher nicht. Aber vielleicht fehlen mir auch einfach die Begegnungen, die Andachten, das Singen und andere Erlebnisse auf dem Weg, die Teil der Wanderung am 26. Mai sein werden. Aber es war ein Weg mit mir selbst, in Ruhe, weg vom durchgetakteten Alltag, ganz nah bei mir und der Natur. Mit vom Wind geröteten Wangen und vom Laufen müde gewordenen Füßen kehre ich zurück in die Redaktion – ich fühle mich gut und entspannt. Und damit hat mein Weg ja auch sein Ziel erreicht.

Die Pilgerwanderung „Wasserwege des Südens entdecken“ findet am Freitag, 26. Mai 2017 statt. Startpunkt ist 10 Uhr am Ufer des Markkleeberger Sees, vor dem Strandcafé, Seepromenade 2. Zeitgleich startet dort auch eine Tour durch den Südosten.

Vom 25. bis 27. Mai gibt's unter dem Motto „Spirituelle Wasserwege“ weitere Veranstaltungen: einen ökumenischen Pilgergottesdienst, eine Radtour und eine Paddeltour.
Mehr Infos gibt's im Programmheft sowie unter www.r2017.org.

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